Twisted Tales: Elsas Suche

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

Hardcover, 320 Seiten

Band 3 vonaus der Twisted Tales-Reihe

ISBN: 9783551280473

Couch-Wertung:

6
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Yannic Niehr
Wahre Schwesternliebe hat noch jeden Bann gebrochen

Buch-Rezension von Yannic Niehr Mär 2021

Schnee mitten im Hochsommer? Die Bewohner des Königreichs Arendelle verstehen die Welt nicht mehr. Alles scheint auf Prinzessin Elsa als Verursacherin des unerwarteten Blizzards hinzudeuten …

Jahrelang war Elsa darauf vorbereitet worden, irgendwann in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten und die Regierungspflichten zu übernehmen. Doch das Schicksal schlägt zu, und das Königspaar kommt bei einer Seereise um. Die starke Trauer hat einen ungewöhnlichen Nebeneffekt: Durch sie entdeckt Elsa ihre magischen Fähigkeiten (wieder), mit denen sie Schnee und Eis erschaffen kann. Von nun an ist der lebende Schneemann Olaf ihr einziger Vertrauter. Ausgerechnet am Tag der Krönung aber findet Elsa in einer mysteriösen Schatulle, die ihre Eltern hinterlassen haben, ein Familienporträt – und darauf ein ihr unbekanntes, rothaariges Mädchen. Könnte es sein … dass sie eine Schwester hatte? Rätsel über Rätsel tun sich auf, und das alles ist zu viel für Elsa. Nun haben ihre Emotionen einen Schneesturm entfacht. Verzweifelt lässt sie Arendelle hinter sich, um nach der verschollenen Schwester zu suchen …

Gleichzeitig träumt im Dörfchen Harmon ein Mädchen namens Anna von einer Karriere als Bäckerin in Arendelle. Obwohl ihre Pflegeeltern immer gut zu ihr waren, zieht es sie aus unerklärlichen Gründen ins Königreich – vor allem jetzt, nachdem ihre Tante Freya, die zum Hofstaat des Königspaares gehört hatte, mit diesen gestorben ist. Das plötzliche Schneegestöber aber macht ihren Plänen einen Strich durch die Rechnung. Mithilfe des netten Kristoff und dessen Rentier Sven macht sie sich auf die Suche nach Prinzessin Elsa, damit dieser Winter ein Ende nimmt …

„Komm, wir bauen einen Schneemann“

Elsas Suche gehört zur neuen Reihe „Twisted Tales“, in welcher Alternativgeschichten zu bekannten Disney-Klassikern gesponnen werden (für alle, die die Originalfilme nicht kennen, sei also an dieser Stelle eine grundsätzliche Spoiler-Warnung ausgesprochen!). Im direkten Vergleich zum Band Dunkle Schatten, in welchem es Mulan in die Unterwelt verschlug und der mit einer Menge Fantasie geglänzt hat, kann dieser Teil, der eine parallele Story zu Die Eiskönigin – Völlig unverfroren ersinnt, aber nicht mithalten. Vielleicht liegt es daran, dass Elizabeth Lim (die Dunkle Schatten schrieb) einfach eine etwas bessere Autorin ist als die von Elsas Suche, Jen Calonita; vermutlich liegt es aber eher daran, dass Die Eiskönigin eben nach wie vor einer der größten Disney-Megahits der jüngeren Vergangenheit ist und Calonita sich deswegen weniger Freiheiten mit dem Material erlauben konnte.

Leider ist der Roman über weite Strecken nur eine (teils wörtliche) Nacherzählung des Films, lediglich Reihenfolge und Kontext der Ereignisse werden geändert und in andere Richtungen gelenkt. Der Mystery-Plot um die Suche der Schwestern nacheinander und den Fluch im Zentrum ihrer neuen Vorgeschichte ist oft zu vorhersehbar und deshalb nicht spannend genug, um die Handlung trotzdem tragen zu können; erst zum Ende hin wird es etwas rasanter. Schade ist auch, dass die Ereignisse der Fortsetzung des Disney-Films keine Erwähnung finden – das hätte den Roman aber vermutlich überladen und lässt sich daher verschmerzen.    

„Ihr seid jeder für die andere das Licht in der Dunkelheit“

Am besten funktioniert Calonitas Buch an den Stellen, an denen sie sich am kreativsten von den strengen Vorgaben lösen und am weitesten vom Plot der Eiskönigin entfernen darf. So wird z.B. das Thema Adoption auf sehr positive Art und Weise angeschnitten. Die Beschreibung der eingeschneiten Welt von Arendelle ist ebenfalls gelungen; dies hätte man sogar noch ausführlicher ausschmücken können. Gut getroffen hat Calonita vor allem die Figuren des Films: Prinz Hans (der hier Elsa umwirbt anstatt Anna) ist so berechnend wie eh und je, Kristoff und Sven geben ein lustiges Gespann ab, Olaf liebt natürlich Umarmungen und warmes Sommerwetter, die energiegeladene Anna setzt sich unerschrocken durch und Elsa ist die innerlich zerrissene, aber umsichtige und einfühlsame Hauptfigur. Es bietet sich eine Menge Wiedererkennungswert, und auch das Ensemble der Nebenfiguren ist liebenswert geraten. Insgesamt hat Elsas Suche jedoch nicht viel Neues zu bieten. Der sehr einfach gehaltene, aber flüssig zu lesende Schreibstil richtet sich eher an jüngere Leser.

Fazit

Eingefleischte Fans von Die Eiskönigin werden auch an diesem Abenteuer ihre Freude haben. Alle anderen können für ihren Einstieg in diese Reihe auf einen der anderen Bände ausweichen.

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