10.2012 Anika Beer wurde 1983 in Oerlinghausen geboren. Sie lebt und arbeitet in Bielefeld, wo sie auch Biologie studiert hat. Nach dem Studium hat sie zunächst an der Universität als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet. Inzwischen widmet sie sich ganz dem Schreiben. Unter dem Pseudonym Franka Rubus ist 2011 ihr erster Jugendroman, "Die Blutgabe", veröffentlicht worden. "Als die schwarzen Feen kamen" ist ihr neuestes Buch. Die Fortsetzung erscheint 2013.

Jugendbuch-Couch:
Liebe Anika,
schön, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Wir haben grade dein Buch "Als die schwarzen Feen kamen" gelesen. Die Rezension erscheint im Oktober auf der Jugendbuch-Couch. Das war aber nicht dein erster Jugendroman. Du schreibst schon lange Bücher. Kannst du uns ein bisschen darüber erzählen, wie das gekommen ist?

Anika Beer:
Ja, wie ist das gekommen? Also geschrieben habe ich schon immer. Ich habe aber nie was an einen Verlag geschickt, weil ich immer das Gefühl hatte, ich bin noch nicht so weit. Es gab dann allerdings einen Kurzgeschichtenwettbewerb, da stand: schreiben Sie eine besondere Vampirgeschichte. Ich wollte eigentlich nie eine Vampirgeschichte schreiben, aber da war eben diese Ausschreibung und ich dachte, na ja gut, dann machst du eine Kurzgeschichte dazu. Ich habe dann mit einem Freund darüber gesprochen, der früher den kleinen Vampir so toll fand. Und da ist es ja so, dass, wenn ein Vampir einen Menschen beißt, der Mensch sofort zum Vampir wird. Wenn aber jeder Vampir jede Nacht einen Menschen beißt und die immer sofort zu Vampiren werden, dann gibt es doch irgendwann keine Menschen mehr – und auf der Idee habe ich dann angefangen zu schreiben. Ich habe aber schnell gemerkt, dass das viel zu viel Stoff ist, um "nur" eine Kurzgeschichte daraus zu machen. Also habe ich eben einen Roman geschrieben, "Die Blutgabe", den ich dann unter dem Namen Franka Rubus veröffentlicht habe.

Jugendbuch-Couch:
Wie ist es dann weiter gegangen, wann hattest du den ersten Verlagsvertrag?

Anika Beer:
Ich habe Freunden das Manuskript zu lesen gegeben und die fanden das gut und meinten, jetzt schick das doch mal weg. Also habe ich mich damit bei einer literarischen Agentur beworben, das war im Sommer 2009. Die haben mich genommen, und seitdem habe ich eine Agentin. Wir haben noch zusammen an dem Text weitergearbeitet und sie hat das Manuskript dann mitgenommen auf die Frankfurter Buchmesse. Da haben wir "Die Blutgabe" bei verschiedenen Verlagen vorgestellt. Und dann kam erst mal lange gar nichts. Da habe ich überlegt, wenn das nun vielleicht nichts wird, was mache ich denn jetzt als Nächstes?  Schließlich habe ich mir "Als die schwarzen Feen kamen" ausgedacht. Meine Agentin meinte dann, das ist gut, das nehmen wir als nächstes in Angriff, und das Buch ist, wie wir wissen, dieses Jahr auch erschienen – diesmal unter meinem eigenen Namen.

Jugendbuch-Couch:
Wann kam denn die Zusage, dass das Buch veröffentlicht wird?

Anika Beer:
Das war im Juli 2011, da kam die Zusage von cbj für "Als die schwarzen Feen kamen". Zwei Monate zuvor, im Mai, hatte sich auch der Aufbauverlag gemeldet und gesagt, sie würden "Die Blutgabe" gerne machen. Und sie sagten auch gleich, sie hätten gerne noch einen zweiten Teil, also habe ich als nächstes "Unberührbar" geschrieben, was dieses Jahr im Mai herausgekommen ist.

Jugendbuch-Couch:
Weißt du noch, wie es dir ging, als du die Zusage für einen Verlagsvertrag hattest?

Anika Beer:
Das weiß ich noch ganz genau, das war total lustig. Mein Bruder hat im April Geburtstag, und ich hatte ihm geschenkt, dass wir zusammen frühstücken gehen. Das haben wir dann Anfang Mai gemacht, und wir waren eigentlich gerade fertig, hatten bezahlt  und wollten aufstehen, da klingelte mein Handy. Meine Agentin war dran und sagte, der Aufbauverlag hat sich gemeldet, die würden gerne ein Taschenbuch aus deiner Vampirgeschichte machen. Ich habe durch das ganze Café geschrien: "Was, ehrlich?!" Und mein Bruder und seine Freundin haben Kleingeld zusammen gekramt, damit wir noch einen Sekt trinken können. Abends waren wir noch mit meinen Eltern essen. Ich saß da wie auf heißen Kohlen, bis endlich alle ihre Getränke hatten und ich die Nachricht erzählen konnte. Das war toll. Die haben sich sehr mit mir gefreut. Das war ja schließlich das, worauf wir so lange gehofft und gewartet hatten.

Jugendbuch-Couch:
Woher nimmst du denn deine Ideen? "Die Blutgabe" und "Als die schwarzen Feen kamen", das sind ja schon zwei ganz unterschiedliche Geschichten.

Anika Beer:
Ja, das weiß man immer gar nicht so genau, wo die Ideen dann herkommen. Meistens, wenn ich schreibe, läuft es darauf hinaus, dass ich irgendeine spontane Idee andenke und dann merke, ach, da fällt mir noch so viel zu ein. Und dann geht es los. Deshalb bin ich auch auf jeden Fall mehr Romanschreiberin als Kurzgeschichtenschreiberin.

Jugendbuch-Couch:
Wie lange arbeitest du an so einem Roman, bis er fertig ist?

Anika Beer:
An der Rohfassung meistens ein halbes bis dreiviertel Jahr. Und bis das Manuskript dann komplett fertig ist, dauert es so ein dreiviertel Jahr bis ein Jahr. Wenn ich keine größeren Pausen mache oder so.

Jugendbuch-Couch:
Wie sieht denn dein Alltag so aus? Stehst du morgens auf und gehst sofort an den Schreibtisch?

Anika Beer:
Jein. Das kann man gar nicht so verallgemeinern. So ein Buch ist ja auch nicht nur schreiben, sondern man denkt auch viel nach oder recherchiert. Das ist halt auch das Schöne am Schreiben, dass man manchmal aufhören und denken muss. Und manchmal legt man sich aufŽs Sofa, macht die Augen zu – und wenn einer fragt: "Was machst du denn da, wolltest du nicht arbeiten?", dann sag ich bloß: "Wieso, ich arbeite doch!"

Jugendbuch-Couch:
Hast du bestimmte Orte, an denen du gerne schreibst?

Anika Beer:
Ich wandere immer so durch die Wohnung. Ich schreibe an meinem Laptop. Eine Zeit lang sitze ich gerne am Küchentisch oder auch auf dem Sofa oder eben auch am Schreibtisch, je nachdem. Ich habe auch noch ein kleines Arbeitszimmer bei meinen Eltern, da kann ich beim Schreiben immer auf den Garten schauen. Irgendwann denke ich einfach immer, ich muss mal was anderes sehen, wenn ich hoch gucke, oder mal den Raum wechseln.

Jugendbuch-Couch:
Hast du eigentlich Vorbilder? Gibt es Schriftsteller, die du bewunderst?

Anika Beer:
Vorbilder finde ich immer ein bisschen schwierig zu sagen. Mir liegt schon viel daran, meine eigene Erzählstimme zu haben. Ich habe natürlich Autoren, die ich gerne lese wie zum Beispiel Jeffrey Eugenides oder Dürrenmatt, den mag ich sehr gerne. Hesse habe ich eine Zeit lang auch gelesen, also mehr klassische Literatur. Aber ich habe natürlich auch ganz lange ganz viel Fantasy gelesen. Nur "Herr der Ringe" nicht. Man hat mir immer gesagt, ich müsste das doch mal lesen, dann habe ich auch angefangen, aber wieder aufgegeben. Und dann ist es ja auch schwierig, wenn man erstmal raus ist und eigentlich gar nicht mehr weiß, was passiert ist. Dann kamen die Filme und danach habe ich gedacht, jetzt brauche ich es auch nicht mehr lesen.

Jugendbuch-Couch:
Hast du eigentlich auch mal daran gezweifelt, ob du Schriftstellerin werden willst, oder ob du es schaffst?

Anika Beer:
Nein. Ich habe mir das ja vorgenommen und lasse mich dann auch nicht abbringen von so einem Weg. Ich wusste das einfach, dass es irgendwann dazu kommt. Ich habe das gar nicht in Frage gestellt. Es war eigentlich immer mehr die Frage, was ich denn so lange mache, bis es soweit ist. Meine Eltern unterstützen mich sowieso schon immer dabei. Ich habe zu meinem achten Geburtstag eine Schreibmaschine geschenkt bekommen. Davon gibt es sogar ein Beweisfoto, im rosa Bademantel am Geburtstagstisch. Ich habe, wie viele andere auch, als Kind schon gerne Geschichten erzählt, aber es gibt eben viele, die nicht dabei bleiben. Ich hatte das Glück, dass ich in meinem Freundeskreis immer auch andere hatte, die geschrieben haben, mit denen ich mir schon in der Grundschulzeit, aber auch in der Pubertät viele Geschichten ausgedacht und aufgeschrieben habe. Meine beste Freundin, die schreibt auch heute noch. Und es ist immer schön, wenn man sich austauschen kann.

Jugendbuch-Couch:
Was bedeutet dir das, dich mit anderen austauschen zu können?

Anika Beer:
Man bleibt dann eher dabei. Ich habe aber erst im Studium angefangen, mich wirklich professionell damit zu beschäftigen, wie das eigentlich funktioniert, der Literaturbetrieb. So richtig durchblickt man das sowieso erst, wenn man da drin ist. Ich habe aber auch eine sehr gute Internet-Community, wo ich viel über das Verlagswesen gelernt habe. Das ist auch sehr schön, wenn man viele Leute hat, die unterschiedlich weit sind mit ihren Erfahrungen. Dieses Autorenforum war wirklich ein Glücksgriff, in vielerlei Hinsicht. Und ein Freund schreibt auch, an Gesprächspartnern mangelt es mir also nicht. Andererseits ist es auch ganz wichtig, dass man sich nicht nur so in sein Schreiben einkapselt und sich nicht nur über das Schreiben austauscht. Ich merke das zum Beispiel, seit ich nicht mehr an der Uni bin und arbeite, dass mir das ein bisschen fehlt, dass mir dieser anderweitige Input fehlt und ich mir den woanders suchen muss. Sonst fehlt einem irgendwann auch ein ganzes Stück Inspiration.

Jugendbuch-Couch:
Was machst du denn, wenn du nicht schreibst?

Anika Beer:
Ich mache schon seit knapp 15 Jahren Kampfsport, Ju Jutsu. 2009 habe ich dann einen Trainerschein gemacht, und seit Frühjahr 2010 habe ich auch eine Gruppe, die ich selbst leite, mit Kindern zwischen fünf und neun Jahren. Seit ein paar Jahren mache ich auch Iaido, was sehr viel ruhiger ist als Ju Jutsu, mehr eine Meditationsform. Beim Iaido hat man ein Katana, das ist ein Samuraischwert. Man trainiert für sich allein und es geht um die Bewegungsform, bestimmte Bewegungsabläufe, die man immer wiederholt. Das ist ganz wichtig für mich als Ausgleich. Ich bin immer so tiefenentspannt hinterher. Für mich ist das sehr, sehr, sehr beruhigend.

Jugendbuch-Couch:
Wie ist denn das mit deinem nächsten Projekt, darfst du dazu schon was verraten?

Anika Beer:
Leider noch nicht viel. Nur soviel: Der cbj Verlag wird noch ein zweites Buch mit mir machen. Das wird nächstes Jahr im Frühling veröffentlicht. Im November kommen die Verlagsprogramme mit den Vorschauen für den Buchhandel raus und bevor die nicht veröffentlicht sind darf ich da leider gar nicht drüber reden. Aber ich habe das Cover schon gesehen und es ist ganz toll. Da freue ich mich schon sehr drauf!

Jugendbuch-Couch:
Und wir uns auch! Danke dir für das Interview.

Anika Beer:
Dankeschön!

Julia Behrens, Oktober 2012

Anika Beer auf Jugendbuch-Couch.de