Akram El-Bahay

04.2019 Lisa Reim im Gespräch mit Akram El-Bahay über sein neues Buch "Herzenmacher".

Das Mischen verschiedener Elemente und Stilrichtungen kann tolle und unvorhergesehene Geschichten hervorbringen.

Jugendbuch-Couch: Sie haben ja bereits einige Bücher veröffentlicht und dadurch Bekanntheit erlangt. War es schon immer Ihr Plan Schriftsteller zu werden?

Akram El-Bahay: Oh ja. Geschrieben habe ich tatsächlich schon seit der Grundschule gerne. Und aus dieser Zeit stammen auch meine ersten Schreibversuche (die aus gutem Grund niemals das Licht der Welt erblicken werden!). Der Wunsch richtige Romane zu schreiben ist aber erst später wirklich ernst geworden. Während meines Volontariats und damit noch vor meiner Zeit als Journalist habe ich mich an den ersten Entwurf meines Debütromans gesetzt. Bis zur Veröffentlichung sind dann aber noch viele Jahre vergangen.

Jugendbuch-Couch: Sie sind sowohl im Jugendbuch-Bereich als auch in der "erwachsenen" Fantasy-Literatur zuhause. Haben Sie ein bevorzugtes Genre oder schreiben Sie einfach, worauf Sie gerade Lust haben?

Akram El-Bahay: In der Tat schreibe ich für beide Altersgruppen gerne. Und sammele für die Geschichten ständig Ideen. Dabei zeigt sich immer recht schnell, für welche der Zielgruppen der jeweilige Einfall passt. Lust auf die Geschichten habe ich dann in jedem Fall, wähle aber den nächsten Stoff nach der anstehenden Veröffentlichung aus. In den vergangenen Jahren bin ich in einen bestimmten Turnus hineingekommen. Im Frühjahr ein Kinder-/Jugendbuch, im Herbst dann etwas für die älteren Leserinnen und Leser. Aber nebenbei: Die Leserinnen und Leser meiner Kinder- und Jugendbücher entpuppen sich auf Lesungen gerne als Erwachsene. Und bei Schullesungen gibt es überraschend oft Kinder, die meine Fantasy-Bücher für Erwachsene kennen. Zuletzt läuft alles ineinander.

Jugendbuch-Couch: In Ihrem neusten Werk "Herzenmacher" vereinigen Sie verschiedene Literatur-Elemente: u.a. Märchen, Fantasy, Steampunk und Abenteuer. Welche Inspirationen beeinflussen Sie zu solch besonderen Kombinationen?

Akram El-Bahay: Ich mag solche Cross-Overs sehr gerne. Das Mischen verschiedener Elemente und Stilrichtungen kann tolle und unvorhergesehene Geschichten hervorbringen. In meinem Debütroman Flammenwüste waren es orientalische Märchen und Drachengeschichten. Beim Herzenmacher die von Ihnen angesprochenen Themen. Der wundervolle Rafik Schami hat das Schreiben einmal mit dem Kochen verglichen. Und ich finde, der Vergleich hat viel für sich. Auch beim Kochen sollte man mutig sein und etwas Neues, Eigenes kreieren. Auf Bücher bezogen könnte man wohl sagen, dass eine gute und unerwartete Mischung die Leser im positiven Sinne überraschen und inspirieren kann. Und darauf kommt es meiner Ansicht nach beim Schreiben an.

Jugendbuch-Couch: Überrascht hat mich, dass Briançon, der verwunschene Handlungsort in "Herzenmacher", wirklich existiert. Wie sind Sie gerade auf diese kleine französische Stadt gekommen?

Akram El-Bahay: Dahinter steckt eine harte „Google-Maps-Recherche“. Es war notwendig, dass der Heimatort von Léo, dem Hauptprotagonisten, in der Nähe einer Silbermine liegt. Ein wenig abseits der Großstädte. Und Frankreich sollte es sein, weil das Ausgestoßen sein orientalischer Einwanderer mitschwingen sollte und dort besonders gut darstellbar ist. Und ich brauchte in erreichbarer Entfernung einen besonderen Ort für den Showdown – den ich hier natürlich nicht nennen werde. Als ich dann – virtuell – in Briançon angelangt bin, habe ich sofort gewusst, dass diese Stadt wie gemacht für den Roman ist. Heute, wenn ich auf einer Lesung aus dem Roman vortrage, ist es, als wäre schon immer klar gewesen, dass der Herzenmacher nur hier spielen kann.

Jugendbuch-Couch: Nun scheint die Geschichte recht abgeschlossen zu sein. Planen Sie dennoch, in die Welt von "Herzenmacher" zurückzukehren?

Akram El-Bahay: Auch wenn mir die Zeit in der kleinen Stadt viel Freude gemacht hat, plane ich keine Rückkehr. Meine Kinder- und Jugendbücher sind – zumindest bislang – immer in sich abgeschlossen. Am Ende gibt es zwar stets einen Hinweis auf Ereignisse, die sich noch zutragen könnten, einen losen Faden, der weitergesponnen werden könnte. Aber dies ist kein Kunstgriff, um einen zweiten Teil möglich zu machen, sondern soll Anreiz für die Leserinnen und Leser sein, die eigene Fantasie spielen zu lassen. Sie sollen sich überlegen, was nun passieren könnte. Wer weiß, vielleicht ist ja ein angehender Schriftsteller unter ihnen, der damit auf den Geschmack am Geschichtenausdenken kommt.

Jugendbuch-Couch: Zu guter Letzt eine Frage zu Ihrer Arbeit als Autor: Wie würden Sie Ihre Arbeitsweise beschreiben? Können Sie sich für Stunden an ihre Geschichten setzen und mehrere Seiten niederschreiben?

Akram El-Bahay: Ich arbeite gerne nach einem sehr stringenten Plan und weiß, wann ich wie weit mit dem Roman sein will. Das klappt auch recht gut. Viel am Stück schreiben kann ich schon, das muss aber nicht sein. Wichtig ist nur, dass ich am liebsten ganz, ganz früh schreibe. Ich brauche absolute Stille. In einem Haushalt mit drei sehr lebendigen Kindern finde ich die bevorzugt um sechs Uhr morgens. Dann kann ich auch in einem Rutsch mehrere Seiten schreiben. In einem Arbeitszimmer, in dem nichts von den Sätzen auf dem Bildschirm ablenkt. Abends geht es auch manchmal, am Tag aber eher nicht. Dann läuft das Leben auf Hochtouren und lässt wenig Platz für Worte. Aber es bringt immer Ideen für Geschichten.

Das Interview führte Lisa Reim im April 2019.
Foto © Julia Reibel

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