Der Klimawandel
in der Jugendliteratur

Spätestens seit Greta Thunberg und ihrer „Fridays for Future“-Bewegung ist der Klimawandel in aller Munde. Es sind die Stimmen zahlreicher Schülerinnern und Schüler, die zurzeit die Welt bewegen. Was als Schülerstreik begann, weitet sich heute zu zahlreichen Nebenbewegungen aus, an der auch Erwachsene teilnehmen.

Wohl niemals zuvor hatten Jugendliche so eine Reichweite. Selbst während der Studentenbewegungen Ende der 1960er Jahre kamen nicht so viele junge Menschen auf die Straße, um für eine gerechte Sache zu kämpfen.

Sicher, man mag nun über die Art und Weise der Proteste diskutieren – Befürworter wie Kritiker gibt es zuhauf –, doch Fakt ist, dass die Politik nicht mehr länger weghören kann. Als sicher gilt: Der Klimawandel ist real. Schließlich führen 97 % aller wissenschaftlich geführten Studien zu dem Ergebnis, dass die seit Jahren stattfindenden klimatischen Veränderungen menschengemacht sind. Doch was ist der Klimawandel überhaupt?

Der Klimawandel kurz erklärt

Oft bekommt man zu hören, dass Klimaveränderungen seit Anbeginn der Zeit den Planeten heimgesucht haben, somit ein natürlicher Prozess seien. Diese Annahme ist gar nicht falsch, unterschlägt jedoch einen entscheidenden Punkt: Solche Veränderungen waren stets regional auf vereinzelte Gebiete oder Kontinente beschränkt. Der Klimawandel von heute ist ein globales Phänomen – die Erhöhung der Temperatur findet auf 98 % der Erde statt.

Doch wodurch entsteht der Klimawandel? Der vermeintlich böse Stoff heißt Kohlenstoffdioxid, kurz CO2. Dieser ist eigentlich essentiell für das Leben auf der Erde, da Pflanzen ihn aus der Luft entnehmen und über die Photosynthese in den Kohlenstoffkreislauf einbauen. Auch in der Atmosphäre ist CO2 gemeinsam mit anderen sogenannten Treibhausgasen, wie Wasserdampf und Methan, nützlich. Hier reflektiert und absorbiert es als schützende Schicht einen Teil der auf die Erde einwirkenden Sonnenstrahlung. Dadurch sorgt CO2 für eine natürliche Erwärmung des Planeten. Ohne diese Schutzhülle wäre es ganzjährig verdammt kalt. Was passiert nun, wenn zu viele Treibhausgase vorhanden sind? Genau, zu viele der Sonnenstrahlen bleiben „hängen“ und erhöhen die Temperatur nochmal zusätzlich – mit katastrophalen Folgen für Mensch und Natur.

Der Klimawandel in der Jugendliteratur

Man sollte meinen, dass sich das starke Interesse von Jugendlichen an den heutigen Umweltproblemen auch in der Literatur wiederspiegelt. Doch während es im erwachsenen Segment viele Sachbücher zu dem Thema gibt, sieht es bei den Jugendbüchern eher mau aus. Dies hat die Jugendbuch-Couch zum Anlass genommen, um einige Bücher aufzuzählen, die sich direkt oder indirekt mit dem Klimawandel beschäftigen.

Natürlich darf hier auch nicht Greta Thunberg fehlen. Ihr wurden gleich mehrere Bücher gewidmet, viele davon sind schon für das Kindesalter geeignet. Mein Name ist Greta: Das Manifest einer neuen Generation (Midas, 2019) beschäftigt sich nicht nur mit dem Thema selbst, sondern auch mit der Person Greta: Wie hat sie es geschafft, so viele zu begeistern und Millionen mit auf die Straßen zu ziehen? Mit kreativen Bildern und nachvollziehbaren Grafiken vermittelt die Autorin Valentina Gianella nicht nur, warum und in welcher Weise sich das Klima verändert, sondern auch, was getan werden muss, um die Katastrophe aufzuhalten. Zwar sind die Texte teilweise etwas ausschweifend, doch werden die wichtigsten Punkte verständlich herausgearbeitet.

Das wohl beste Buch für Jung und Alt, um sich unkompliziert mit dem Thema zu beschäftigen, ist Kleine Gase – Große Wirkung: Der Klimawandel(KlimaWandel, 2018). Dieses wurde von zwei Studenten, David Nelles und Christian Serrer, ins Leben gerufen. Die Idee begann, als sie nach leicht verständlicher Literatur über den Klimawandel gesucht hatten. Da sie keine Lust hatten, komplexe Fachbücher zu wälzen, schrieben sie kurzerhand ein eigenes Buch, das viele prominente Unterstützer aus der Wissenschaft, TV und Fernsehen gefunden hat. In einem kurzen Gespräch verrieten die beiden ihre Meinung zum Thema Klimawandel und Jugendliteratur:

Interview mit David Nelles und Christian Serrer - Autoren von "Kleine Gase – Große Wirkung: Der Klimawandel "

Jugendbuch-Couch: Was meint ihr, warum gibt es im Jugendbuch-Bereich so wenig Material zum Thema Klimawandel?

David Nelles und Christian Serrer: Das Thema Klimawandel ist extrem komplex. Sobald verkürzt wird, besteht die Gefahr, dass Zusammenhänge falsch oder missverständlich erklärt werden. Daher hat sich bisher wohl kaum jemand herangetraut, die Thematik auch für Jugendliche aufzubereiten.

Jugendbuch-Couch.de: Warum war es Euch so wichtig, das Thema Klimawandel auch der jüngeren Generation zugänglicher zu machen?

David Nelles und Christian Serrer: Zum einen werden die jüngeren Generationen die Folgen der Erderwärmung in Zukunft noch deutlich stärker zu spüren bekommen als heute. Zum anderen ist die Begrenzung der globalen Erwärmung eine Menschheitsaufgabe. Um diese zu bewältigen, müssen auf der gesamten Welt bis zum Ende des Jahrhunderts und höchstwahrscheinlich auch darüber hinaus auf allen Ebenen Veränderungen passieren. Deshalb versuchen wir, gerade die jungen Menschen zu motivieren, daran mitzuarbeiten.

Jugendbuch-Couch: Bekommt Ihr regelmäßig Rückmeldungen von Jugendlichen zu Eurem Buch?

David Nelles und Christian Serrer: Ja – meist über Instagram! Die meisten bedanken sich dafür, dass wir ein vermeintlich trockenes Thema wie den Klimawandel durch unsere Grafiken anschaulich gemacht und auf den Punkt gebracht haben.

Wer nach diesem Buch aktiv etwas für die Umwelt tun oder seinen eigenen CO2-Fußabdruck verbessern möchte, dem seien hier zwei tolle Bücher ans Herz gelegt:

Zum einen sei Es ist dein Planet: Ideen gegen den Irrsin (heyne fliegt, 2019) von Sascha Mamczak und Martina Vogl genannt. Dieses Buch präsentiert sich wie ein Dialog zwischen Menschen mit verschiedenen Meinungen zu der Thematik. Jugendliche aus der 7. Klasse stehen im Streitgespräch – jeder vertritt einen anderen Standpunkt: Wer trägt Schuld am Klimawandel? Kann ein Einzelner überhaupt etwas bewirken? Schlussendlich ist aber die wichtigste Frage: Was können wir tun? Verschiedene Ansätze werden vorgestellt, und am Ende darf der Leser sogar notieren, welche eigenen Ideen er hat.

Konkrete Anregungen bietet dagegen Every Day for Future: 100 Dinge, die du selbst tun kannst, um das Klima zu schützen, nachhaltig zu leben und die Natur zu bewahren (Frech, 2019). Hier finden sich Tipps und Tricks für ein besseres Umweltbewusstsein. Übersichtlich werden diese mit einer prägnanten Überschrift eingeführt und der Beweggrund ausführlich erklärt. Wusstest Du zum Beispiel, dass Du Energie und somit CO2 einsparen kannst, indem Du beim Kochen den Deckel auf dem Topf lässt? Oder dass es nicht reicht, elektrische Geräte einfach auf Stand-by-Modus zu lassen? Einige Tipps werden mit Sicherheit schon bekannt sein, doch andere werden Euch damit überraschen, wie einfach, aber auch wirkungsvoll sie sind.

Der Klimawandel in Romanen

Schwieriger wird es, wenn man nach Romanen zum Thema Klimawandel sucht. In der Regel spielen solche Geschichten in einer dystopischen, von Naturkatastrophen zerstörten Welt, wo die letzten Menschen um ihr Überleben kämpfen müssen. In Dry (Sauerländer, 2019) von Neal und Jarred Shusterman müssen die Menschen sich mit einer plötzlichen Wasserknappheit auseinandersetzen. Erschreckend realistisch erzählt das Vater-Sohn-Gespann über einen Krieg um die letzten Tropfen des lebenswichtigen Nass. Nicky Singer malt in Davor und Danach: Überleben ist nicht genug (Dressler, 2019) dagegen ein anderes Bild der globalen Dürren: Um nicht zu verdursten, fliehen Millionen von Menschen aus ihrer Heimat, um in den nördlichen Staaten Zuflucht zu suchen. Wie sollen diese all die Flüchtlinge aufnehmen? Was passiert mit der Gesellschaft, wenn auf einmal zwischen Menschen erster und zweiter Klasse unterschieden wird? Obwohl die Hauptfigur nicht überzeugen kann, ist das Zukunftsbild doch erschreckend, das die Autorin zeichnet.

Visioneller geht dagegen der norwegische Autor Jostein Gaarder mit 2084 – Noras Welt (Carl Hanser, 2013) vor. Seine Protagonistin Nora träumt nachts von ihrer Urenkelin, die im Jahr 2084 lebt und von der katastrophalen Situation berichtet, in der sich die Erde befindet. Daraufhin fühlt sie sich angespornt, die Zukunft zum Positiven zu verändern. Damit erinnert sie als Visionärin an Greta Thunberg. Es ist so viel erfrischender, ein Buch zu lesen, wo die Botschaft ist: Es ist noch nicht zu spät!, anstatt eine dunkle Zukunft zu zeigen, die einen entmutigt.

Fazit:

Bei genauerer Betrachtung bietet das Jugendbuch-Segment eine interessante Auswahl an Büchern zum Thema Klimawandel. Ob man sich nur zum Thema informieren oder selbst tätig werden möchte, ob man einen dystopischen oder doch hoffnungsvollen Roman lesen mag, man wird fündig. Sie alle gehen jedoch in eine Richtung: Der Klimawandel ist real, egal wie man damit umgeht.

"Der Klimawandel in der Jugendliteratur" von Julian Hübecker

Titelmotiv "Klimawandel": © istock.com/urfinguss

Bild "Fridays für Future": © istock.com/nito100
Bild "grüner Fußabdruck": © istock.com/Lalith_Herath