Leaving Leo
- Ravensburger
- Erschienen: Juni 2025
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Broschur, 755 Seiten
Band 3 von 3 aus der Preston Brothers-Reihe
ISBN: 9783473586714


Dieses Buch findet einfach kein Ende
Während die Prestons für die meisten Leute von außen wohl eine Bilderbuch-Familie sind, löst der Gedanke an sie in Mia eine ganze Flut an Emotionen aus. Allerdings nur negative. Denn die Sommer, die sie mit ihrer Mutter Virginia, dem Kindermädchen der Prestons, in ihrer Jugend dort verbringen musste, haben ihr Leben verändert. Für die Preston Jungs war Mia in dieser Zeit das dicke Mädchen mit der Akne im Gesicht. Einzig der stille und unauffällige Leo war für sie immer ein Lichtblick. Von ihm hat sich Mia stets verstanden gefühlt. Die gemeinsame Zeit am Wasserturm in den frühen Morgenstunden wird sie nie vergessen. Doch als sich die beiden damals endlich eingestehen wollten, dass da mehr zwischen ihnen ist, gab es diesen Moment des Schweigens. An diesem Abend hat Leo einfach nichts gemacht, Mia nicht verteidigt und geschützt. Mit dramatischen Folgen.
Mit diesem abschließenden Band über Leo und Mia endet die Trilogie der „Preston Brothers“, deren einzelne Teile alle gleichzeitig erschienen sind. Ein kleiner Tipp an alle, die die Bücher noch nicht gelesen haben: Am besten lässt man sich etwas Zeit zwischen den Bänden. Denn ehrlicherweise bin ich nach diesen finalen, stolzen 768 Seiten einfach froh, dass es vorbei ist. Auch die Stories über Lucas und Logan strotzten nur so vor Gefühlen, Liebesbekundungen und Pathos. Hier jedoch erreicht das Ganze nochmal eine neue Dimension.
Ein bisschen zu viel von allem
Ähnlich wie bei Lucas und Laney lernen sich Mia und Leo mit dreizehn Jahren bereits in ihrer frühen Jugend kennen. Während Erstere zunächst für lange Zeit das Freundschaftslabel trugen, geht es bei Leo und Mia gefühlt direkt um die ganz große Liebe. In den Dialogen steckt für das Alter viel zu viel Reife und Lebensweisheit, wodurch die Glaubwürdigkeit doch sehr leidet. Die psychische Gesundheit der Figuren spielt auch bei Mia und Leo eine zentrale Rolle. Kindheitstraumata, Bindungsstörungen, Süchte oder ungesunde Kompensationsstrategien sind nur ein paar der besprochenen Themen.
Egal ob „Second Chance“, „Forced Proximity“ oder „Friends to Lovers“ - bestimmt finden sich noch mehr Tropes zur Beschreibung der Liebesstory. Ein Motiv zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch die Handlung: „Forbidden Love“. Wie oft finden die Mia und Leo einen Grund, warum sie zu gerade jetzt nicht zusammen sein dürfen. Klar, daran hängt der Spannungsbogen, aber ein paar Plottwists, Missverständnisse oder Dramen weniger hätten es auch getan.
Dieser Band ist leider eindeutig der schwächste der Trilogie. Und dies liegt nicht zuletzt an den unnahbaren Hauptfiguren. Sowohl Mia als auch Leo werden auf beinahe 800 Seiten bis ins kleinste Detail analysiert, dennoch fällt es mitunter schwer, Sympathien für sie zu entwickeln. Mia und Leo sind beide eher der Typ Einzelgängerin bzw. Einzelgänger, wodurch sich die Handlung nahezu ausschließlich um sie und ihre Gefühlswelt dreht. Das hat etwas von einem egozentrischen Drehen um sich selbst. Meines Erachtens hätte es ein paar mehr Nebenhandlungen und Figuren gebraucht, um den engen Kokon auch mal verlassen zu können.
„Sein Atem geht schwer, durchbricht die Stille, die uns umgibt. ‚Du gehörst mir, immer schon!‘, brüllt er, dann hält er kurz inne, um wieder zur Besinnung zu kommen.“
Mehr Vielfalt wäre grundsätzlich wünschenswert gewesen. Aber nachdem die beiden Vorgängerbände ebenfalls nicht durch starke Frauen oder diverse Figurenzeichnungen geglänzt haben, verwundert es nicht, dass Band drei in dieser Richtung keine neuen Akzente setzt. Leo wird regelrecht aggressiv, wenn Mia sich nur mit einem anderen Mann ihres Alters unterhält. Die Frauen fügen sich gerne in ihre Rollen als Besitztümer der Preston-Brüder oder belächeln diesen Umstand zumindest. Leos körperliche Stärke, seine Muskeln und Körpergröße können gar nicht oft genug gelobt werden. Vor allem von dem sonst scheinbar sehr reflektierten Leo hätte man sich in vielen Dialogen weniger Oberflächlichkeit erhofft.
Ein interessanter Aspekt sollte nicht unerwähnt bleiben. New-Adult-Reihen, die sich in ihren Einzelbänden mit unterschiedlichen Protagonistinnen und Protagonisten beschäftigen, sind in dem Genre fest etabliert. Jedoch hatte ich noch keine Serie in der Hand, in der die Figuren der vorherigen Teile im Finale so negativ dargestellt wurden. Mias Psyche musste in der Vergangenheit sehr unter den Preston Brüdern leiden. Die Gründe sind plausibel, aber gleichermaßen machen sie es schwer, Lucas, Logan und Co. danach noch zu mögen. Eine interessante, wenn auch fragwürdige Wendung, auf den letzten Metern die Charakterzeichnungen der Prestons nochmal komplett über Bord zu werfen.
Fazit
Leider kein krönender Abschluss, sondern eher ein zähes Ringen um ein Happy End. Alle Preston-Fans werden sich über ein langes Finale freuen können. Insgesamt aber eher schwach.




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