Das große Spiel der dunklen Mächte – immer noch spannend!
Niemals hätte Nick Dunmore geglaubt, dass er sich tatsächlich noch einmal als Dunkelelf Sarius im Spiel „Erebos“ bewähren muss. Er hatte doch endlich sein Leben im Griff. Zweimal war er den gierigen Klauen des Spiels entkommen, und beide Male war es ganz schön knapp gewesen! Aber endlich war doch alles gut. Seit langem hatte sich auf seinem Bildschirm nichts mehr selbständig gemacht, und endlich konnte er seine Zukunft aufbauen. Als freischaffender Fotograf lief das Geschäft stetig an. Besondere Hoffnungen machte ihm auch noch der Kontakt zu der berühmten Fotokünstlerin Carol Hardy, die auf seine Bilder aufmerksam geworden war. Auch mit Freundin Emily - derzeit auf einem Fortbildungsseminar im fernen New York - lief es gut. Nick glaubte zuletzt, dass er den Erebos-Alptraum überwunden hatte. Offensichtlich hat er sich aber zu früh gefreut, denn an diesem Tag, an dem ihm zuerst sein Rucksack geklaut wurde, meldet sich plötzlich der „Bote“ zurück - nicht irgendein Postbote, sondern der Bote mit dem schwarzen Kapuzenmantel auf dem klapprigen Pferd, der ihn zurück ins Spiel holen will. Natürlich hat Nick viele gute Gründe, um genau das NICHT zu tun, und genau so natürlich muss er wieder erfahren, dass der Bote und auch Erebos einfach am längeren Hebel sitzen. Wenn er seine Zukunft in der realen Welt nicht verbauen will, muss er tatsächlich wieder in das Spiel zurückkehren. Anfangs ist das nicht einmal schwer, aber dann beginnt Nick zu verstehen, dass sich das Spiel viele neue Tücken erdacht hat und sich diese sogar auf die Realität auswirken können. Er muss handeln, und vor allem muss er mit seinen Freunden das Spiel gewinnen, wenn er eine schreckliche Katastrophe verhindern will ...
Finstere Verliese und flackernde Feuer
Ursula Poznanski lädt ihre Leser*innen auch in ihrem dritten „Erebos“-Roman ein, sich wieder von dessen düsteren Welt gefangen nehmen zu lassen. Es ist aber auch nicht einfach, sich diesem Spiel zu entziehen. Mit seinem mittelalterlich anmutenden Szenario und seinen verschiedenen Helden, die zu den Vampiren, Zwergen oder auch Dunkelelfen gehören können, erinnert es an eine finstere Mischung aus einem düsteren „Herr-der-Ringe“ Roman, gemischt mit „Games-of-Thrones“ Zutaten, viel mittelalterlichem Grusel und dazu noch ein bisschen Horror. Vermutlich würden viele Leser*innen das Spiel tatsächlich gerne einmal testen – wären da nicht die altbekannten hässlichen „Nebenwirkungen“: Das Spiel hat eiserne Regeln, wer Außenstehenden davon erzählt, der sieht ganz schnell, was er davon hat, und mit dem Mittelalter haben die vielen Überwachungsmaßnahmen und digitalen Kontrollen überhaupt nichts mehr zu tun. Die Handlungen des Spiels selbst sind immer wieder spannend und sorgen für einen sanften Grusel - auch wenn man ehrlich zugeben muss, dass hier doch schon einiges bekannt ist. Aber man liest es doch immer wieder gerne. Hier aber ein Wort zu den Leser*innen, die bisher noch nie etwas von Erebos gehört haben: Direkt mit dem dritten Band einzusteigen, könnte etwas schwierig sein, da viele Personen eine Vergangenheit aus den ersten Bänden verbindet.
Die Macht der KI
Poznanskis erster Roman über die künstliche Intelligenz, die sich in Form eines manchmal recht grausamen Spiels selbstständig machte, schlug vor 15 Jahre ein wie eine Bombe. Natürlich konnte sie im neuen Buch nicht nur auf die Bausteine des ersten Romans zurückgreifen, sondern musste diesem Band eine neue Würze verleihen. Waren die einzelnen Teilnehmer bisher auf sich alleine gestellt, müssen sie jetzt eine „Horde“ bilden. Sarius – alias Nick – sieht sich daher nicht nur als Kämpfer und als Balancierender zwischen den einzelnen Welten, sondern auch als Chef der Gruppe. Sie haben sich den klangvollen Namen „Die Galgenvögel“ gegeben und müssen gegen andere Teams antreten, von denen eines ganz besonders üble Dinge im Schilde führt. Was aber das große Ziel ist, das die Gruppe verfolgen soll, das wird lange nicht verraten, und so ähnelt die Suche danach manchmal einem Stochern im Nebel.
Klarer wird einiges mit einer neuen Figur der grausamen Göttin „Llothtaed“. Wie sie allerdings mit einer drohenden Katastrophe verknüpft wurde, fand ich hier manchmal etwas zu ausführlich erzählt. Dennoch wird der Spagat zwischen einer blutrünstigen Spielfigur und einer nahenden Tragödie gut gelöst und mehr als mitreißend geschildert. Tatsächlich ist es kaum möglich, dass Buch im letzten Viertel aus der Hand zu legen. Poznanski wird hier sogar ein wenig politisch. Es ist nicht schwer, die beteiligte Partei und ihre Motivation zuzuordnen, und auch das gefiel mir in dieser Symbolik sehr gut.
Fazit
„Erebos“ ist wieder da! Schrecklich und vereinnahmend und für unser Leser*innen super spannend zu lesen. Dennoch – manchmal fragt man sich: Was kommt danach? Wird Erebos jemals Ruhe geben? Und was noch Schlimmer ist: Dürfen wir auf den Tag warten, an dem sich auch bei uns der Bildschirm aus heiterem Himmel und ohne unser Zutun schwarz verfärbt und eine blutrote Schrift uns zum Mitspielen verpflichtet?





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