Secret Royal

  • LYX
  • Erschienen: Juni 2022

übersetzt von Katrin Mrugalla; Broschur, 368 Seiten

Band 1 von 3 aus der Instantly Royal-Reihe

ISBN: 9783736315488

Secret Royal
Secret Royal
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Sabine Bongenberg
5

Jugendbuch-Couch Rezension vonDez 2022

Der kleine Lord ist erwachsen und ziemlich versaut

Ach, herrje, da ist Brooke ja ganz schön etwas aufgehalst worden: Dem alten Earl von Englefield ist dann doch noch aufgefallen, dass sein ehrenwertes Haus ohne Erbe dasteht. Das heißt – eigentlich gibt es einen, aber von dem wollte eigentlich nie einer etwas wissen. Seine Mutter war doch Amerikanerin, die – so wie man munkelt – dem jungen unerfahrenen Sohn des Earls gewaltig den Kopf verdreht hatte und ihn von seinen Pflichten in England abhalten wollte!  Dieser unpassenden Verbindung entspross seinerzeit auch noch ein Sohn und bisher konnte man ihn totschweigen, aber – ärgerlich – jetzt wird er gebraucht.

Dummerweise ist dieser Sohn überhaupt nicht gewillt, seinen englischen Adelstitel anzutreten und da kommt jetzt Brooke ins Spiel: Sie soll den Widerborst salonfähig machen, ihn auf seine Rolle vorbereiten, ihm ein paar Manieren beibringen und unbedingt dazu bringen, das ziemlich vernachlässigte Gut wieder auf Vordermann zu bringen. Wie eine junge Frau allein diese Rolle ausfüllen soll, das versteht kaum jemand und dazu kommt auch noch, dass es zwischen Nick und Brooke gewaltig prickelt. Eine unpassendere Verbindung könnte man sich kaum vorstellen und natürlich weiß Brooke, dass so etwas gar nicht und auf keinen Fall geht. Aber was tun, wenn der zukünftige Earl doch zu sexy ist und alle Register zieht, um Brooke zu verführen?

Der kleine Lord aus dem fernen Amerika und der alte Grummel

Wer gerade jetzt in der Wehnachtszeit, die Geschichte vom „Kleinen Lord“ wieder einmal im Fernsehen verfolgt, der stellt fest, dass sich einiges in beiden Geschichten ähnelt. Da ist der sturköpfige, alte Earl, der überhaupt nichts von den stillosen US-Amerikanern hält, der aber jetzt gezwungen ist, so einen Barbaren in sein Schloss aufzunehmen und plötzlich von dem frischen Wind überrascht wird, der nun durch die alten Gemäuer weht. Anders als im Film ist der jetzige Erbe aber erwachsen und ganz anders als im Film beschäftigt ihn insbesondere die Frage, wie er es schaffen kann, in das Schlafgemach der sittsamen Brooke vorzudringen, um dort einmal das Bedürfnis zu stillen, das ihn offensichtlich den halben Tag beschäftigt. Kurz zusammengefasst könnte man auch sagen, es handelt sich um dieselbe Geschichte – aber eben mit viel Sex.

Einiges ist schon recht seltsam

Immerhin – zu Anfang wird die Geschichte gut aufgebaut. Wir lernen Brooke kennen, die als urenglische Tochter eines Kneipenwirtes eine Anstellung als Privatsekretärin bei dem granteligen alten Earl gefunden hat – und fangen ans uns zu wundern. Wieso wird ausgerechnet eine junge Privatsekretärin damit beauftragt, den Anwärter auf einen Adelstitel zu erziehen? Wieso ist der wegen seiner – zugegeben – unschönen Kindheit von Anfang an überhaupt nicht gewillt, dem Ruf des ehrwürdigen Hauses zu folgen, ist aber schon vom ersten Telefonat an, von der Sekretärin seines Opas so gefesselt, dass er schwuppdiwupp alle Vorsätze über Bord wirft und sich auf den Weg ins ferne England macht? Wieso bekommen die beiden in einem riesigen Gut ausgerechnet zwei Zimmer mit Verbindungstür zugewiesen und warum scheint es bei beiden, was das Ausnützen dieser Tür angeht, keinerlei Privatsphäre zu geben? Und natürlich zu guter Letzt die wichtigste Frage: Wie schafft es der arme Nick den halben Tag mit einer Erektion herumzulaufen, ohne dass er ein paar Seitenblicke erntet?

Avery Flynn erzählt ein modernes Märchen und ich würde mich auch nicht daran stören, wenn es denn wenigstens gut erzählt wäre. Aber gelegentlich stolperte ich über Konstruktionen, die ich im ersten Lesen überhaupt nicht verstand. Ungewöhnlich fand ich anfangs auch, dass weder Brooke noch Nick als Ich-Erzähler auftreten, aber oft aus ihrer Sicht erzählt wird und die Perspektive dann auch mitten im Kapitel wechseln kann. Was mich allerdings wirklich zunehmend nervte war der extreme Fokus, der auf die körperlichen Reize gelegt wurde. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass schon ein einfacher Stolpler und eine hilfreiche Handreichung zum hormonellen Siedepunkt führen und dass es letztendlich dann erstaunlich war, dass die beiden den großen Frühstückstisch nicht alternativ nutzten. Immerhin – zum Schluss kommt auch noch in die ganz normale Geschichte ganz losgelöst ein wenig Schwung und auch wenn sie dann ganz fix abgefeiert wird und ein wenig lieblos wirkte, wird dann doch noch ein halbwegs versöhnliches Ende geboten.

Fazit

Wenn sich ein ganz normaler Mensch plötzlich in eine neue, wichtige Rolle in einer berühmten – oder sogar adeligen – Familie wieder findet, hier vieles neu lernen muss und ganz neue Erfahrungen macht, dann kann das ein spannendes und unterhaltsames Thema sein. Vorausgesetzt die Geschichte wird locker, mitreißend und halbwegs glaubhaft erzählt und beschränkt sich nicht allein auf die sexuelle Anziehung.
 

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