Dear Enemy

Erschienen: Mai 2021

Bibliographische Angaben

übersetzt von Anika Klüver; Broschur, 512 Seiten

Band 1 von 2 aus der Enemy-Reihe

ISBN: 9783736315396

Couch-Wertung:

6
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Sabine Bongenberg
So eine toughe Frau lässt sich so unterbuttern?

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jul 2021

Delilah Baker ist es gewohnt, dass sie den Blödsinn, den ihre Schwester Samantha immer wieder anstellt, irgendwie wieder gerade biegt. Aber jetzt ist sie tatsächlich am Ende ihres Lateins angekommen: Sam hat ihren Arbeitgeber beklaut und nicht etwa ein paar silberne Löffel, sondern ein wertvolle Uhr, die ihren Chef an seine verstorbene Mutter erinnerte. Gerne würde Delilah die Uhr ersetzen, aber so viel Geld hat sie nun doch nicht. Dennoch will sie alles unternehmen, um zu verhindern, dass Sam ins Gefängnis wandert und so beschließt sie, deren Job anzunehmen, um zumindest einen Teil der Schuld abzuarbeiten. Leicht fällt ihr das allerdings nicht, denn ihr neuer Boss ist Macon Saint: ein erfolgreicher Schauspieler, den sie allerdings schon aus ihrer Jugend kennt und der schon damals ein Mistkerl war. Ehrlich gesagt – daran scheint sich nicht viel geändert zu haben, dennoch fragt sich Delilah immer öfter, ob Saint auch damals schon so sexy war…

Tough und anderen nach der Pfeife tanzend – erfolgreich und immens verletzlich

Die US-amerikanische Autorin Kristen Callihan hat meiner Einschätzung nach eine Vorliebe für widersprüchliche Charaktere: Da ist einerseits ihre Heldin Delilah, die so zielstrebig, energisch und selbstbewusst auftritt und sich andererseits so dermaßen von ihrer nichtsnutzigen Schwester auf der Nase herumtanzen lässt, dass es beim Lesen manchmal schon fast einer Quälerei nahe kommt. Der männliche Protagonist ist ihr „Lieblingsfeind“  Macon Saint, der mich – zumindest vom Äußerlichen her -  immer wieder an den Schauspieler Dwayne „The Rock“ Johnson erinnerte: Ein riesengroßer, muskelbepackter Kerl mit der Seele einer Elfe. Beide sind verbunden in tiefer Feindschaft, die offensichtlich schon in der Schule gelegt wurde und natürlich nie überwunden wurde.

Irgendwie fiel es mir von Anfang an schwer zu glauben. Natürlich wäre es schwierig, wenn die eigene Schwester mit dem Typen ausgeht, den man so gar nicht mag, aber sicher ließen sich doch die Wege ein bisschen abgrenzen und überhaupt – die ganze Feindschaft kam mir teilweise zu konstruiert vor. Das ist aber dann auch schon das Stichwort für die neue „Beziehung“ zwischen den beiden, die sich ja insbesondere durch die Chef-Angestellten-Konstellation auszeichnete. Hier konnte ich Delilahs zickige Auftritte teilweise nicht verstehen. Einerseits „opferte“ sie sich für die missratene Schwester auf – andererseits ließ sie ihre Launen dermaßen an ihrem Chef aus, dass ich sie ehrlich gesagt, auf der Stelle gefeuert hätte. Eine klare Linie wurde hier nicht erzählt.

Sicherlich ist es kein Spoiler zu verraten, dass Delilah und Macon schließlich beginnen ihre langgehegte Feindschaft zu überwinden, aber dafür lassen sie sich auf rund 512 Seiten eine Menge Zeit und wenn ich auch immer eine Freundin des „Kennenlernens“ und „Zeit zum Verlieben lassen“ bin, fand ich einiges doch schon recht zähflüssig erzählt. Manchmal hatte ich auch den Eindruck, dass der eine Schritt vorwärts direkt mit zwei Schritten zurück kombiniert wurde und sich so vieles immer wieder um sich selbst drehte. Callihan hätte dabei jede Menge Material gehabt, um ihre Geschichte auch ohne dieses Hin-und-Her spannend zu gestalten. So hätte ich gerne etwas mehr über Delilahs Herkunft erfahren und auch Macons eigenartige Familienbande wären sicher ein spannendes Thema gewesen. Zu eindimensional fand ich dagegen die Bösewichte gezeichnet: Ich konnte mir zum Beispiel nicht erklären, aus welchem Grund Delilah dann doch so sehr an der garstigen Sam hing und sich immer wieder so gerne in die Opferrolle begab.

Doch ich habe meine Träume bereitwillig auf Eis gelegt. Für Macon. Für Sam. Für Mama.“

Fazit

Kristen Callihan lässt zwei alte oder neue sich hassende oder ineinander Verliebte wieder zusammentreffen und macht daraus einen nicht immer glaubhaften Auftritt für ihre neue Reihe, die im Umfeld der Schauspieler von Los Angeles spielt. Neben einigen hübschen Ideen und der manchmal mit dem Holzhammer aufgetragenen Botschaft „Sei wer du bist und glaube an dich“ ist einiges zu langatmig erzählt, zu anderen wichtigen Bereichen hätte ich mir mehr gewünscht. Dennoch – als Ferienlektüre kann Dear Enemy mit in den Koffer, denn für eine hübsche Strandlektüre reicht es allemal.

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