Lean on Me

Erschienen: April 2021

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel The Good Luck Charm; aus dem Englischen von Barbara Först; Broschur, 352 Seiten

Band 1 von 2 aus der Second Chances-Reihe

ISBN: 9783736312852

Couch-Wertung:

4
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Sabine Bongenberg
Nicht genügend Tiefe

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jun 2021

Lilah hatte einen richtig schlechten Tag, so einen, der unter den schlechten Tagen noch einen Negativrekord erzielt und es kommt noch schlimmer. Ihr väterlicher Freund Martin wird mit einem Schlaganfall ins Krankenhaus gebracht und da trifft sie IHN wieder: Ethan, Martins jüngster Sohn, ehemaliger Eishockeystar und Lilahs große Jugendliebe. Genau der Ethan, der auf ein College in einem anderen Bundesstaat wechselte und sie mit Fortschreiten seiner Eishockey-Karriere am Telefon eiskalt abservierte. Jetzt steht er vor ihr und scheint zu glauben, dass er einfach so wieder zurückkommen kann. Na, wenn er sich da nicht getäuscht hat.

Helena Hunting eröffnet ihre „Second Chances“-Reihe mit der Wiederaufbereitung der Geschichte von Lilah und Ethan und wie es die Buchreihe erwartet, hätte auch Ethan gerne eine zweite Chance bei seiner Jugendliebe Lilah. Diese Geschichte ist dann auch schnell erzählt: Ethan kommt zurück und – hoppla – stolpert er mit Lilah ins Bett, auf den Teppich oder auch mal auf einen Fahrersitz und beide haben detailliert geschilderten, hemmungslosen Sex. Da beide nun mittlerweile auf die dreißig zutreiben, hätte ich dieser Altersklasse sicherlich ein bisschen mehr Sinn und Verstand zugetraut – aber was soll’s. Wenn die Flamme der Leidenschaft einmal lodert, gibt es offensichtlich kein Halten mehr.

Was mich dennoch deutlich störte, war die teilweise rüde Sprache des Romans und auch die übergriffigen Szenen, die hier als besondere „Romantik“ oder „unstillbares Begehren“ verkauft werden. Wenn die Heldin mitten in der Nacht wach wird, weil der Held ohne Absprache in ihre Wohnung gekommen ist und sich mit einem eindeutigen Bedürfnis an sie presst, ist das bestenfalls grenzüberschreitend und hat mit Romantik nicht mehr allzu viel zu tun.

Du hast Stehvermögen, das stimmt, vielleicht nicht mehr den Dampfhammer eines Achtzehnjährigen, aber die Ausdauer eine Eishockeymatadors

Insgesamt präsentiert Hunting eine recht dünne Geschichte, die auch mittlerweile schon ein wenig verstaubt wirkt. So schmunzelte ich fast darüber, dass Lilah es als absolutes „No Go“ empfand, dass Ethan telefonisch Schluss machte. Heutzutage ist es vermutlich nicht wirklich mehr überraschend, wenn Beziehungen via Whatsapp oder einer „altmodischen“ SMS beendet werden und vom Thema „Ghosting“ möchte ich hier erst gar nicht anfangen. Es ist weiterhin auch nicht so unüblich, dass Jugendlieben möglicherweise zu einem Ende kommen – die meisten von uns müssen da irgendwann mal durch – und auch wenn man es anfangs nicht glauben mag: Irgendwann heilt auch die zerrissenste Seele und ist bereit, sich wieder einer neuen Liebe zu öffnen. Natürlich ist es dennoch schön, wenn die erste große Liebe plötzlich wieder auftaucht – das soll gar nicht in Abrede gestellt werden. Aber diese allein auf die Basis der damaligen Zeiten aufzubauen und auf dem Gedanken, dass man damals auch schon bei jeder sich bietenden Gelegenheit den „Dampfhammer“ auspackte, ist – möglicherweise – keine Grundlage für eine erwachsene Beziehung.

Hunting hätte dabei bessere Möglichkeiten gehabt, ihrem Roman ein wenig Tiefe zu verleihen. So wird Lilahs unglückliche Familiengeschichte mehr oder weniger am Rande erwähnt und auch das Verhältnis zwischen Ethan und seinem offensichtlich sehr dominanten Vater wäre bestimmt ein interessanter Kontrast zu den diversen Beschreibungen der Aktivitäten im Liegen gewesen. In diesem Fall wäre sicher auch ein Roman entstanden, der nicht darauf basiert, dass die beiden Protagonisten ihre entscheidenden Probleme erst zum Ende erörtern, und zwar endlich mal aufrecht an einem Tisch sitzend.

Fazit

Helena Huntings Love Play wird sicherlich mit dem zweiten Aufguss nicht wesentlich vielschichtiger. Eine Geschichte vom Weggehen, Schlussmachen und Wiederfinden kann gut, spannend und mit Entwicklungen erzählt werden, aber nicht mit einer maßgeblichen Betonung auf der möglichst baldigen Entfernung der Oberbekleidung.
 

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