Mein Leben als lexikalische Lücke

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

Hardcover, 448 Seiten

ISBN: 9783038800446

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9

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Julian Hübecker
Moderne Jugendliteratur

Buch-Rezension von Julian Hübecker Apr 2021

Für Benni und Jule fühlen sich ihre Leben an, als würden sie nicht dazugehören. Besonders ihre Eltern haben ein Weltverständnis, das für die beiden schon lange als überholt gilt. Als sie einander kennenlernen, haben sie das erste Mal das Gefühl, zu jemandem zu passen. Doch reicht das aus, um all die Unsicherheiten wegzuradieren?

Sichtbar. Dieses Wort erschien mir zunächst furchtbar befremdlich. Weil es in meinem Wortschatz bisher nicht gebraucht wurde. Ich benutze immer nur das Gegenteil, unsichtbar. Und vielleicht ist genau das das Problem: Zu viele Menschen denken, sie seien unsichtbar.“

Jule hat einen festen Freundeskreis, auf den sie sich verlassen kann. Dschieses, Lenn und Kris stehen ihr stets zur Seite, auch wenn Dschieses sich öfter im highen als normalen Zustand befindet, Lenn über alles seine Witze reißt und Kris gerne den Ton angibt. Vielmehr zu schaffen macht Jule die Haltung ihrer Eltern: Frustriert über Stellenkürzungen und Flüchtlingspolitik lassen sie sich wiederholt zu rassistischen Äußerungen herab, und auch für Jules Umweltengagement haben sie wenig übrig. Jule schämt sich für ihre Eltern, weiß aber nicht, wie sie sich Gehör verschaffen kann.

Benni lebt bei seiner religiösen, alleinerziehenden Mutter. Er fühlt sich eingeengt und bekommt ihren Glauben geradezu aufgezwängt. Überall hängen Kruzifixe. Und in Mamas Gebete wird so ziemlich alles und jeder mit eingeschlossen. Auch Benni schämt sich, weil er von jedem nur als der komische Junge mit der fanatischen Mutter wahrgenommen wird. Einzig sein bester Freund Jake hält zu ihm, doch der wohnt jetzt in Holland, um dort zu studieren. Auch Benni sollte mit, doch bekam seine Mutter darüber einen Nervenzusammenbruch und hat ihn so zum Bleiben verdammt.

Zwar kommen Jule und Benni aus unterschiedlichen Haushalten, doch leiden sie unter Unzulänglichkeiten, die sie sich nicht anzusprechen trauen. Als sie einander schließlich begegnen, ist es, als würde zum ersten Mal jemand verstehen, wie es in ihnen aussieht, und sie klammern sich aneinander, als würde der jeweils andere der Rettungsanker sein. Doch die Probleme sind nicht verschwunden, und erst eine gut gemeinte Überraschung bringt ein Fass zum Überlaufen, das zu leeren längst überfällig ist …

Was die Jugend bewegt

Nachdem Kyra Groh mit Sicherheit ist eine verdammt fiese Illusion bereits überzeugen konnte, legt sie mit diesem Buch im Arctis-Verlag nach. Beide Jugendlichen fühlen sich wie eine lexikalische Lücke: wie ein Wort im Satz, dessen Bedeutung noch zu definieren ist. Passend dazu hat die Autorin Wörter gefunden, deren Bedeutung etwas exakt widerspiegelt, die es aber nur in einer Sprache gibt – etwa: „Serendipity“ aus dem Englischen, das eine zufällige Entdeckung/Beobachtung beschreibt, nach der man ursprünglich nicht gesucht hat, die einen aber sehr glücklich macht. Diese Wörter werden klangvoll in die jeweiligen Kapitel eingebaut und geben so für gewisse Momente eine tiefere Bedeutung.

Neben der spannenden Idee trifft Kyra Groh auch mit ihren Protagonisten den richtigen Ton. Sie behandelt Themen, die die Jugend aktuell bewegen: Zum einen der Klimawandel, der seit der „Fridays for Future“-Bewegung die junge Generation beschäftigt und auf die Straße bringt; zum anderen der Glaubenskonflikt, den viele Jugendliche verspüren, insbesondere nach diversen Missbrauchsskandalen und Veruntreuung von Geldern innerhalb der Kirche. Groh bringt verschiedene Generationen zusammen, die lernen müssen, einander zuzuhören, um den jeweils anderen besser zu verstehen.

Damit hat sie die Liebesgeschichte um Ben und Jule nicht in den Vordergrund gedrängt, sondern als leichtes Nebengeräusch mitwirken lassen, ohne dass diese die Handlung beschwert. Ihr glatt zu lesender Schreibstil passt sich an die jeweilige Sicht der Jugendlichen an, wodurch man sich individuell auf sie einlassen kann.

Fazit

Dieses Buch lässt uns Leser mehr in die Köpfe und auf die Konflikte heutiger Jugendlicher blicken. Wenn man aufeinander hört und miteinander redet, lässt sich vieles aus der Welt schaffen. Dass Jule und Ben diesen Prozess erst erlernen müssen, wird viele Gleichaltrige ebenfalls betreffen.

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