A New Chapter. My London Bookshop

Erschienen: Oktober 2020

Bibliographische Angaben

Taschenbuch, 416 Seiten

Band 1 von 2 aus der My London-Reihe

ISBN: 9783473585786

Couch-Wertung:

7
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Sabine Bongenberg
Mal hochsensibel, mal nicht

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jan 2021

Lia weiß langsam nicht mehr ein noch aus: Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters hat sie dessen wunderschönen Buchladen geerbt, aber langsam treibt er auf den wirtschaftlichen Ruin zu. Ihre Mutter könnte helfen, will es aber nicht. Dazu kommt, dass Lia extrem schüchtern ist und somit große Schwierigkeiten hat, überhaupt auf Leute zuzugehen und mögliche Kunden zu gewinnen. Ach ja, und ihr Studium müsste sie natürlich auch noch irgendwie bewältigen. Ein großer Haufen Probleme also, für eine junge Frau. Zur Krönung des ganzen platzt auch noch eines Tages ein junger Mann namens Andrew in den Laden, sein Motorrad steht draußen geparkt und als Automechaniker würde man so einen eigentlich nicht in einem Buchladen erwarten. Eigenartig ist, dass er immer wieder kommt und – wenn er will – charmant ist und ziemlich gut aussieht. Lia weiß langsam nicht mehr, was sie denken und fühlen soll. Dabei sollte man nicht allen Menschen vertrauen…

Marnie Schaefer – hinter der sich ein junger deutscher Autor namens „Marius“ verbirgt – lässt in seinem ersten Band der „London Series“ die übersensible Lianna (genannt Lia) und den eher raubeinigen Drew abwechselnd in der Ich-Form über ihre Liebesgeschichte erzählen. Beide sind in London aufgewachsen, haben aber die Stadt unterschiedlich erlebt: Lia wuchs behütet auf, musste früh die Scheidung ihrer Eltern verkraften, während Drew allein mit seinen beiden Brüdern lebt, das Geld dennoch immer knapp und das Trio zudem von einem Geheimnis umgeben ist. Beide schlagen sich auch mit unterschiedlichen Problemen herum: Lia muss wegen ihrer Hochsensibilität, die sie besonders empfindlich auf äußere Reize wie zum Beispiel Lärm oder auch Menschenansammlungen reagieren lässt, achtsam mit sich umgehen. Drew dagegen kümmert sich liebevoll um seinen jüngeren Bruder Nico und beteiligt sich an den kriminellen Aktivitäten seines älteren Bruders Tristan. Es ist also ein eigenartiges Paar, das hier zusammengeführt wird.

Eine Liebesgeschichte in London

Um es von vorneherein zu sagen: Mir hat nicht alles an dieser sehr langsam und abschnittsweise auch langatmig erzählten Geschichte gefallen: So ist Lia ein sehr, sehr mädchenhafter Typ, der sich am liebsten unter ihre Kuscheldecke zurückzieht, ein paar Kerzen abbrennt und offensichtlich nichts anderes als den regelmäßig erwähnten Marzipan-Tee über die Lippen bringt. Sie beschreibt sich selbst als diejenige, die schnell verletzt wird, kann aber andererseits auch ganz gut austeilen. Drew dagegen finanziert einen Teil seines Lebens mit kriminellen Aktivitäten bzw. begeht diese, um seinen älteren Bruder zu unterstützen, scheint auch irgendwo als Kfz-Mechaniker zu arbeiten und ist von ständiger Geldnot geplagt. Das hält ihn aber kurioserweise nicht davon ab, mal eben 20 Pfund (umgerechnet rund 22 Euro) für ein Comic aus Lias Buchladen auf den Kopf zu hauen und hier recht regelmäßig einzukaufen. Geldmangel habe ich mir – ehrlich gesagt – immer anders vorgestellt.

Für sehr konstruiert halte ich auch die Geschichte des ersten Kontaktes: Nachdem Drew einen für ihn wichtigen Gegenstand verloren und Lia ihn zufällig gefunden hat, wo wäre da ein Problem gewesen, sie kurz darauf anzusprechen „Ach, guck mal, den habe ich wohl gestern hier verloren“ und sich das Kleinteil aushändigen zu lassen, als anschließend wochenlang danach zu suchen und zwangsläufig um sie herumzutänzeln? Ein wenig „ungewöhnlich“ ist auch die Sache mit der Buchhandlung: Nachdem diese offensichtlich monatelang verschlossen war und nicht genutzt wurde – Fragen nach einer Heizung, Versicherung, Warenbestand etc. müssen hier niemanden interessieren – kann Lia den Laden von jetzt auf gleich wieder eröffnen und ihn mit ein paar Studien-Kommilitonen betreiben. Selbstverständlich sind die auch alle so heiß darauf, in einem Buchladen zu arbeiten, dass sie bereit sind, auf einen Salär zu verzichten, nachdem Lia die wirtschaftliche Situation offenbart.

Gelungen an der Liebesgeschichte zwischen Lia und Drew sind dagegen die immer wieder eingeschobenen und schön erläuterten Besonderheiten über London. Hier hatte ich endlich einmal das Gefühl, dass eine Stadt nicht nur als Kulisse einer Handlung dient, sondern dass sich der Autor offensichtlich ganz gut auskennt. Es wäre aber sicher nicht notwendig gewesen, sämtliche U-Bahn-Linien oder Umsteigestationen aufzuzählen, die zu den gewünschten Zielen führen. Grundsätzlich gefiel mir auch, dass sich die beiden Protagonisten langsam kennenlernten und sich ein wenig Zeit ließen, um sich ineinander zu verlieben. Ich fand auch gut, dass die Erzählung um Lia und Drew nicht mit einem Cliffhanger endet, sondern dass die Geschichte in sich rund und geschlossen ist, wenn auch – wie im richtigen Leben – sicher ein paar Fragen offen bleiben. Zum guten Schluss soll auch die schöne Aufmachung des Buches nicht unerwähnt bleiben.

Fazit

Marnie Schäfer hatte eine schöne Idee über eine romantische Geschichte, die zwei sehr unterschiedliche Menschen zusammenbringt und die in der Kulisse einer Buchhandlung spielt. Einiges erschien mir aber sehr realitätsfern und wenn es auch schön ist, dass sich mal eine Liebesgeschichte in Ruhe entwickeln konnte, hätten dem Roman ein paar Kürzungen nicht geschadet. Es bleibt zu hoffen, dass das nächste Kapitel der London Geschichten unter dem Titel A new Season. My London dream, das dann in einem verwunschenen Blumenladen spielen soll, ein bisschen mehr Lebhaftigkeit ausstrahlt.

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