The Woods: Die vergessene Anstalt

Erschienen: November 2020

Bibliographische Angaben

Broschur, 320 Seiten

Band 1 von 3 aus der The Woods-Reihe

ISBN: 9783841506566

Couch-Wertung:

7
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Sabine Bongenberg
Grusel um des Grusels Willen

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jan 2021

Die Zwillinge Ira und Vanjo wollten eigentlich nur kurz an dem Schulprojekt über die Kommunikation von Pflanzen teilnehmen. Dazu war noch eine kleine Wanderung zu bewältigen, ein paar Fotos zu machen und schon sollte es wieder nach Hause gehen. Ungewöhnlich war schon, dass der Weg doch recht weit ging und dass es plötzlich so wirkte, als wären die Jugendlichen mitten in der Wildnis weitab von der Zivilisation verloren gegangen. Immerhin – die Geschwister sind nicht allein. Sie treffen noch Mitglieder einer anderen Gruppe und auch der Organisator des Schulprojektes Mark stößt zu ihrer kleinen Gemeinschaft.

Mitten im Wald entdecken sie ein altes Gebäude, das zunächst einen willkommenen Unterschlupf bietet. Schnell schlägt aber die erste Freude in ein beklommenes Gefühl um: Es scheint keinen Weg zu geben, der von dieser Ruine wegführt und auch die anderen Gruppenmitglieder haben manchmal ihre eigenen Motive, warum sie überhaupt an der Wanderung teilgenommen haben. Zudem häufen sich eigenartige Vorkommnisse, denn die alte Ruine – eine längst aufgegebene Lungenheilanstalt – scheint doch nicht so unbewohnt zu sein, wie anfangs gedacht…

Lost Places: immer wieder gruselig

Nova Hill führt ihre Leser in eine Umgebung, die ein Garant für ein gruseliges Gefühl ist: Eine vergessene Anstalt – auf neudeutsch ein „lost place“ – in der Menschen vor vielen Jahren wegen möglicherweise hoch ansteckenden und tödlichen Krankheiten behandelt wurden. Hier treffen sich die Jugendlichen aus zwei Gruppen, die einen, die an ihrem Schulprojekt teilnehmen, die anderen, die in der Wildnis campen und eine Abkürzung zu ihrem Bootcamp suchen. Schnell zeigt sich, dass beide Gruppen und auch die einzelnen Mitglieder nicht unbedingt „kompatibel“ sind und sich bald erste Konflikte zusammenbrauen. In einem Umfeld, das von Kälte, Düsternis und auch dem bald einsetzenden Hunger geprägt ist, sollte das auch nicht überraschen.

Neben diesen recht normalen Problemen tauchen aber auch gruselige Faktoren auf, die beweisen, dass es in dieser Anstalt offenbar nicht mit rechten Dingen zugeht: Eigenartige, missgebildete und entstelle Personen tauchen auf, um genauso schnell und spurlos wieder zu verschwinden; persönliches Eigentum und wichtige Medikamente verschwinden und tauchen plötzlich im Besitz von Personen auf, denen sie weiß Gott nicht gehören und andere mysteriöse Erscheinungen sind an der Tagesordnung. Das sorgt natürlich für eine gruselige Grundspannung, die aber unglücklicherweise – und das ist auch mein Hauptkritikpunkt – in diesem Buch keinerlei Entwicklung erfährt. Die Jugendlichen stolpern vielmehr von einer unheimlichen Entdeckung zur nächsten: Dringend benötigtes Essen taucht auf – und ist blitzschnell wieder weg –, ein narbenentstellter Mann hat offensichtlich eine eigene Vorstellung von der Durchführung einer Operation, weitere Personen tauchen auf und verschwinden und die Gräben zwischen den Gruppenmitgliedern werden immer tiefer. Zu einer möglichen Lösung oder zumindest aber zu einer gewissen Verbesserung lässt sich kein einziger Schritt erkennen.

Keiner traut keinem

Eigenartig ist auch die Beziehung zwischen den Jugendlichen, springen sie doch scheinbar auf jeden Zug auf, der Misstrauen gegen andere schürt. Kurioserweise kommt niemand auf die Idee einmal ein klärendes Gespräch zu führen, das ja sicherlich einige Probleme lösen könnte. Selbst die beiden Helden Ira und Vanjo beginnen einander zu misstrauen und sich Unterstellungen zuzuschieben, die mit einem kurzen Vier-Augen-Gespräch unter Geschwistern ansonsten schnell aus der Welt geschafft wären.

Nach einer ganzen Serie von eigenartigen Erscheinungen und einem großen Katalog gegenseitiger Verdächtigungen ist der Leser dann am Ende des Buches genauso schlau wie zu dessen Beginn. Auch als mit den letzten Seiten offen zutage tritt, dass mit dem Verschwinden der Gruppe etwas Mystisches eingetreten ist, überrascht das niemanden mehr. Eine wie auch immer geartete Zwischenlösung wird nicht angeboten und der Roman endet mit einem klassischen Cliffhanger.

Fazit

Nova Hill hat mit ihrem Roman The Woods grundsätzlich eine spannende Idee verfolgt, die gelegentlich an den Film „The Blair Witch Project“ erinnert. Dennoch wird in epischer Länge und mit unterschiedlichen Handlungssträngen auf 319 Seiten immer wieder dasselbe erzählt: eine Gruppe Jugendlicher ist scheinbar ohne Auswegmöglichkeit in einer verlassenen Anstalt gefangen, in der sich mysteriöse Erscheinungen häufen. Es bleibt nur zu hoffen, dass in Band 2 irgendeine Entwicklung eintritt und sich die Autorin nicht nur auf weitere Gruselelemente versteift.

The Woods: Die vergessene Anstalt

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