Die Verratenen

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

Mit gerade mal 18 Jahren hat Ardalans berüchtigte Assasinin Celaena Sardothien eigentlich alles erreicht: Ruhm, Ehre und Respekt. Wäre da nicht die Tatsache, dass sie vor einem Jahr durch Sklavenarbeit in den Salzminen zum Tode verurteilt wurde. Ans Aufgeben denkt sie nicht und hat so schon länger überlebt als ihre Leidensgenossen.

Eines Tages erscheint Chaol Westfall, der Hauptmann der königlichen Leibgarde, in Endovier und schleift sie vor den Kronprinzen. Dieser macht ihr ein Angebot, das sie nicht ausschlagen kann: Sollte sie in einem Wettstreit siegen und somit zum Champion des Königs werden, soll Chelaena nach vier Jahren frei sein. Natürlich gibt es einen Haken an der ganzen Sache, denn 23 weiteren Personen wurde das gleiche versprochen. Darunter befinden sich Mörder, Diebe, Söldner und andere Assasinen – der tödliche Wettkampf nimmt seinen Lauf. Dabei trachten sich nicht nur die Rivalen untereinander nach dem Leben ...

Alleine die Inhaltsangabe verspricht schon einen rasanten Auftakt in eine Fantasy-Jugendbuch-Serie – und sie hält absolut, was sie verspricht. Dass Sarah Maas uns  darüber hinaus noch so wunderbar erfrischende Charaktere beschert, ist ein zusätzlicher Bonus, der den Leser nur noch mehr ins Geschehen zieht.

Der Schreibstil der Autorin ist so mitreißend, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag und ist dennoch leicht und locker zu lesen. Einziger Kritikpunkt ist da wohl, dass die Geschichte zu früh endet, denn man möchte unbedingt weiterlesen.

Die Dialoge zwischen den Protagonisten sprühen nur so vor Leben. Gerade wenn Celaena und der Kronprinz aufeinander treffen, ist uns der eine oder andere Schlagabtausch mit Wortspielereien und knisternden Untertönen gewiss – und genau das macht ungeheuer Spaß und bringt die Leser/innen nicht selten zum Schmunzeln.

Am besten haben mir aber die Charakterbeschreibungen gefallen. Schon auf den ersten Seiten scheinen die Protagonisten geradezu aus dem Buch herauszusteigen. Sarah J. Maas gelingt es mit leichter Hand, sie so glaubwürdig wie reale Charaktere wirken zu lassen. Das erzeugt eine Authentizität, die den Leser vergessen lässt, dass es sich um fiktive Personen handelt, so genau skizziert die Autorin sie in jedem Detail.  So gewinnt man auf der Reise durch die Geschichte echte Freunde mit denen man mitleiden, mitfiebern und mitfühlen kann. Gerade die drei Protagonisten – Celaena, Chaol und Dorian (der Kronprinz) machen eine starke Wandlung durch, die sehr nachvollziehbar geschildert wird. Dabei ist Celaena ein absolutes Stehaufmännchen, das sich nie unterkriegen lässt. Also ein starkes Vorbild für Mädchen, die starke, glaubwürdige Heldinnen mögen.

Insgesamt kann man zur Ihrer gesamten "Besetzung" nur sagen: Alle Charaktere – auch die Nebencharaktere - sind glaubhaft geschildert und ein jeder hat seine Eigenheiten, die ihn unverwechselbar machen. Dennoch versteht es Sarah Maas, ihre Darsteller geschickt und mit Bedacht in die Geschichte zu integrieren, um so ihre Leser nicht zu verwirren und hält so eine gewisse Dynamik aufrecht.

Dabei stehen die Fantasy-Elemente nicht unbedingt im Vordergrund. Dennoch ist von der Basis her noch einiges Fantastische vorhanden, wenn man den Kern der Geschichte betrachtet: Der König hat mit seiner Machtübernahme jegliche Magie ausgelöscht und so sind auch die magischen Wesen fast gänzlich aus der Welt verschwunden. Allerdings – das wissen Fantasybegeisterte natürlich - findet Magie immer ihren Weg und so muss der Leser nicht vollkommen auf ein paar magische Elemente verzichten.

Obwohl uns eine wirklich lesenswerte Beschreibung der Umgebung präsentiert wird, bleiben einem aber seitenweise, elegische Beschreibungen erspart. Dazu dient auch eine Karte zur besseren Übersicht. So hat der Leser die Landschaft jeder Zeit im Blick und kann sich so besser auf die Geschichte einlassen.

Innerhalb der Kapitel wird immer wieder zwischen dem Dreiergespann Celaena, Chaol und Dorian gewechselt, sodass man alle drei sehr gut kennen lernt und auch weiß, was in ihnen vor sich geht. Bei den vielen Geheimnissen, die jeder für sich herumschleppt, ist das auch notwendig, damit der Leser nicht auf der Strecke bleibt.

Die Spannung ist während der ganzen Story vorhanden. Lediglich die ersten 50 Seiten würde ich als Einstieg in die Geschichte sehen. Danach gibt es keine Einbrüche in der Spannungkurve – im Gegenteil: Zum Ende hin wird es noch einmal so richtig spannend und das Buch hält ein paar Überraschungen bereit, mit denen der Leser zu Beginn überhaupt nicht gerechnet hat. Keine Frage, dass man das Buch nur noch aus der Hand legt, wenn es unbedingt sein muss.

Von der Altersempfehlung her würde ich das Buch ab 15 Jahren empfehlen, weil es von den Liebesgeschichten her zwar relativ harmlos ist, aber man doch mitten im Kampfgeschehen ist bzw. Gewalt deutlich dargestellt wird (gerade ein Kampf gegen Ende des Buches hat es in sich).

Fazit

Der Auftakt zu der neuen Fantasy-Reihe von Sarah J. Maas hat mich rundum überzeugt und ich brenne darauf, endlich den zweiten Teil lesen zu dürfen. Die greifbaren Charaktere, die bildgewaltige Sprache sowie die hitzigen wie auch witzigen Dialoge schaffen ein Fantasy-Epos der besonderen Art. Eine klare Leseempfehlung – ohne Einschränkung!

Couch-Wertung:

8

Leser-Wertung

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Almut Oetjen
Macht und Ohnmacht in Parallelwelten

Buch-Rezension von Almut Oetjen Dez 2013

Neu-Berlin, in unbestimmter Zukunft nach einem "Ausbruch" genannten Ereignis. Die 18-jährige systemtreue Studentin Ria ist in einer "Reihung" genannten Rangliste auf Platz 7 und wird, wenn sie ihren Weg problemlos geht, nach Abschluss ihres Studiums im Sphärenbund einen wichtigen Posten bekommen. Als sie zufällig ein Gespräch zwischen hochrangigen Männern mithört, erfährt sie, dass sie, der erstplatzierte Aureljo, sowie die Kommilitonen Fleming, Tomma, Tycho und Dantorian angeblich eine Gruppe von Verschwörern bilden würden. Auf dieses Vergehen steht die Todesstrafe. Aureljo interessiert nicht, was Ria ihm erzählt. Sie jedoch lebt in Angst. Wer steckt hinter dieser Anschuldigung, wann soll das Urteil vollstreckt werden? Sie verdächtigt Tudor, der in der Reihung auf Platz 2 steht und Aureljos schärfster Rivale ist. Die als Verschwörer gelisteten Studenten werden vom Präsidenten eingeladen. Auf dem Weg dorthin fliehen sie vor den Exekutoren in die Außenwelt. Dort nimmt sie ein Clan gefangen.

Zwei verschiedene Kulturen in einem Lebensraum

Ursula Poznanski hat mit Die Verratenen den ersten Band einer dystopischen Trilogie geschrieben. Sie folgt in ihrem Weltentwurf einem klassischen Muster. Es gibt eine Innen- und eine Außenwelt. In der Innenwelt leben wenige Privilegierte behütet und frei von Mangel. Diese Welt besteht aus Sphären, lebensfreundlichen, mit einer Kuppel überdachten Räumen, die Namen tragen wie Neu-Berlin, Neu-Colonia und Spessart 3.

Die Sphären wurden konstruiert von Richard Borwin, nach dem die Akademie benannt ist, in der Ria studiert. Die Studierenden werden überwacht durch Sentinels und tragen Salvatoren am Handgelenk, die Körperfunktionen überprüfen. Sollte es Abweichungen geben, so zwischen dem Tagesbedarf an Eiweiß und der tatsächlichen Zufuhr, wird der Träger darauf hingewiesen. Bei Nichtbefolgen von Anweisungen gibt der Salvator eine Meldung ans Medcenter.

Die Privilegierten leben in einer straff organisierten Gesellschaft, die bestimmt ist durch Leistung und Kontrolle. Es gibt Leistungslisten, Rangordnungen werden darüber erstellt, die letztlich die Möglichkeiten eines Menschen bestimmen. Je weiter oben man steht, desto weiter wird man es im Leben bringen. Das Seelenleben und der Wille des Individuums spielen in dieser Welt keine Rolle.

Manche haben zu ihrem eigenen Nachteil eine Familie. Besser steht man da, wenn der Staat die Erziehung übernimmt. Manche Menschen, Vitros genannt, wurden im Reagenzglas gezeugt und optimiert. Ästhetische Chirurgie verbessert die äußere Erscheinung.

In der Außenwelt leben die primitiven Menschen, Prims, in materieller Not, organisiert in Clans. Aus den Sphären wird ihnen vordergründig Mitleid entgegengebracht, sie werden angeblich mit Hilfslieferungen versorgt. Die Menschen der Außenwelt leben in einer Parallelwelt. Sie teilen den gleichen geographischen Raum mit den Sphärenbewohnern, leben aber unter unwirtlichen Bedingungen. Grob lassen sich die beiden einteilen in eine technologisch hoch entwickelte Elite und die Masse der Menschen, die von dieser Entwicklung ausgeschlossen ist. Man benötigt nicht viel Phantasie, um vergleichbare Beispiele in unserer Gegenwart zu finden.

Die Verratenen ist ein Roman, in dem Themen diskutiert werden, die heute akut sind, wie die Versorgung Hungernder in den Entwicklungsländern. Poznanski thematisiert auch kontrovers, wie zum Beispiel Zusammenhänge, in denen angenommene moralische Stärke in angenommene strategische Schwäche umschlagen kann. Der politische Aspekt ihrer Geschichte findet auch seinen Niederschlag in mancher Namenswahl und in Buchtiteln, die zugleich eine ungefähre zeitliche Bestimmung ermöglichen: "Der Nahostkonflikt. Die Wasserkriege 2036-2040", "Die Sphärenattentate 2092". Bei dem "Ausbruch" handelt es sich vermutlich um eine Umweltkatastrophe globalen Ausmaßes. Vielleicht erfahren wir in einem der folgenden Bände noch etwas darüber. Wünschenswert wären auch weitere Informationen über den Zukunftsentwurf.

Fazit

Ursula Poznanski entwickelt im ersten Band ihrer dystopischen Trilogie eine Welt, die sich durch Nähe zu unserer Lebenswirklichkeit auszeichnet. Der Einstiegsband ist ein spannender Jugendthriller, der Interesse an der Fortsetzung weckt.

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