After Love

Film-Kritik von Kathrin Walther

Gegensätze ziehen sich an, doch dann geht es oft erst richtig rund!

Tessa Young ist wahrscheinlich das Musterbeispiel einer strebsamen und fleißigen Studentin, braven Tochter und guten Freundin. Nach der Trennung ihrer Eltern kümmerte sie sich um ihre Mutter und baute sie wieder auf. Auch mit ihrem Freund Noah ist sie seit Kindertagen zusammen und für alle steht längst fest, dass sie natürlich irgendwann heiraten werden. Doch direkt an ihrem ersten Tag an der Uni wird Tessas Leben völlig auf den Kopf gestellt und nicht nur ihre Mutter ist von ihrer Zimmernachbarin Steph und deren Freunden alles andere als begeistert und hätte am liebsten, dass Tessa sofort das Zimmer wechselt. Doch Tessa lehnt ab und lernt durch Steph das wilde Party-Leben mit all seinen Facetten kennen.

Als sie dabei auf den Bad-Boy Hardin Scott trifft, fühlen sich beide trotz aller Gegensätzlichkeit doch irgendwie voneinander angezogen und Tessa lernt Hardin von einer ganz anderen Seite kennen. Beide stellen auch Gemeinsamkeiten fest, beispielsweise teilen sie ihre Leidenschaft für Literatur. Mit der Zeit gelingt es Tessa hinter Hardins raue Fassade zu blicken und er gewährt ihr Einblicke in seine Vergangenheit. Dass ausgerechnet ihr bester Freund Landon, der ähnlich strebsam ist wie sie und auch eher zu den „Good Kids“ gehört, Hardins neuer Stiefbruder wird, macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Denn gerade Hardins Vater, der nun auch Landons Stiefvater ist und jetzt einen auf „Super-Daddy“ macht, hat einen großen Anteil an Hardins aktuellen Problemen.

Zu Beginn fühlt sich Tessa noch Noah verpflichtet, doch bereits nach kurzer Zeit siegen ihre Gefühle zu Hardin, sodass die beiden schließlich ein Paar werden. Gerade bei Tessas Mutter löst dies so großen Ärger aus, dass sie Tessa direkt jegliche finanzielle Unterstützung streicht, woraufhin Hardin sie mit einer gemeinsamen Wohnung überrascht. Doch dann erfährt Tessa, wie es wirklich zur Beziehung zwischen ihr und Hardin kam und Hardin scheinbar ein falsches Spiel mit ihr gespielt hat. Enttäuscht trennt sie sich von ihm, da sie ihm nicht mehr vertrauen kann und merkt, dass sie nicht mehr sie selbst ist und sich in eine Richtung verändert hat, die sie nicht möchte.

Aus und vorbei?

Nachdem in Teil eins für Tessa durch Hardins falsches Spiel eine Welt zusammengebrochen ist, sagt ihr ihr Verstand, dass es für sie das Beste wäre, mit Hardin einen Schlussstrich zu ziehen und ihm aus dem Weg zu gehen. Doch sowohl sie als auch Hardin haben weiterhin starke Gefühle zueinander. Dann kommt auch noch Hardins Mutter zu Besuch, die nichts von der Trennung weiß, sodass Tessa ihr zuliebe nochmal „glückliche Beziehung“ spielt. Ob Tessa Hardin in Teil zwei wohl eine erneute Chance geben wird?

Buchbestseller als Film

Die Filme zu „After Passion“ und „After Truth“ basieren auf den gleichnamigen Büchern von Anna Todd, die in Deutschland beide im Jahr 2015 veröffentlicht wurden. Insgesamt gehören sie zu einer vierteiligen Reihe, die zusätzlich noch um drei weitere Bände erweitert wurde, in denen jedoch nicht Tessa, sondern Hardin oder Landon im Fokus der Erzählung stehen.

Auch Teil drei mit dem Titel „After Love“ wurde inzwischen als Film veröffentlicht und Teil vier soll im August 2022 folgen, da beide Teile zusammen gedreht wurden und er somit bereits im Kasten ist. Auch die Filme zu Hardins Vorgeschichte und der gemeinsamen Zukunft der beiden sind bereits geplant, wobei selbst Kenner der Bücher noch Neues vorfinden sollen, da die Zukunft der beiden im Epilog von „After Forever“ nur relativ kurz erzählt wurde und somit erweitert wird.

Ein deutlicher Unterschied zu den Büchern zeigt sich im Bereich der Zielgruppe. Richteten sich die Bücher, die tendenziell in Richtung erotischer Literatur gehen, eher an ältere Jugendliche oder auch junge Erwachsene, handelt es sich bei den Filmen um Teenie-Filme, die auf 12-16jährige Zuschauer ausgelegt sind. Dies spiegelt sich auch in der Altersfreigabe wider, die mit 0 beziehungsweise 12 Jahren angegeben ist. Bei einer Buchlänge von um die 20 Stunden (bezogen auf die Audio-Version) ist jedoch von der Ursprungsversion viel verloren gegangen, sodass sich die Romanvorlage sicherlich ohne große Schwierigkeiten in das passende Format kürzen ließ. Hierin besteht auch der Hauptkritikpunkt. Aufgrund der starken Anpassung an den Filmrahmen wurde die Erzählung so stark gekürzt, dass von der ursprünglichen Erzählung gefühlt nur noch die wesentlichen Eckpunkte übriggeblieben sind und auch die Charaktere viel von ihrer eigentlichen Tiefe verloren haben. Wer die Romane gelesen hat, sollte sich die Filme somit nicht mit zu hohen Erwartungen anschauen.

Liebesglück forever?

Die Filme selbst sind jeweils gut 100 Minuten lang. Die weibliche Hauptrolle wird durch die aktuell noch eher unbekannte Josephine Langford besetzt, die mit der Figur der Tessa Young ihre erste große Hauptrolle spielt. Hero Fiennes Tiffin hat schon etwas mehr Erfahrung und spielte unter anderem als Tom Riddle den jungen Lord Voldemort in „Harry Potter und der Halbblutprinz“. Wie bereits erwähnt, sprechen die Filme eher ein junges Publikum an. Die Hauptstory ist schnell erzählt, Bad Boy und braves Mädchen verlieben sich, alles scheint zunächst toll, doch dann kommt die „böse“ Überraschung und das junge Liebesglück wird zerstört. Doch da beide nicht ohne den anderen sein können und weiterhin Gefühle füreinander haben, ist es mit einer endgültigen Trennung nicht so einfach.

Gerade für Tessa hat die Beziehung etwas Toxisches, doch gleichzeitig gibt sie die Hoffnung nicht auf, Hardin aus seinen dekonstruktiven Stimmungen retten zu können. Große Gefühle und viel Herzschmerz machen den Film emotional und lassen den Zuschauer mitfiebern. Dadurch, dass beide Protagonisten in Szenen ohne den anderen gezeigt werden, hat der Zuschauer mehr wissen als die beiden, sodass es schwerfällt für einen der beiden Partei zu ergreifen und wissend um die vielen Missverständnisse und Intrigen mit den beiden mitleidet. Durch die jungen Hauptfiguren und die einfache Story hat die Verfilmung alle Zutaten, die ein erfolgreicher Teenie-Film braucht. Durch die starke Kürzung der Romanvorlage kann es passieren, dass bei der ein oder anderen Szene die Frage aufkommt, warum sie ausgerechnet so in der Handlung erscheint, da der Zusammenhang zum Rest nicht immer ganz deutlich wird. Auch die Charaktere bleiben flacher und einige Persönlichkeitsmerkmale wirken im Vergleich zum Buch verändert. Da die Filme alle aufeinander aufbauen, ist man quasi zum Weiterschauen „verurteilt“, wenn man die Bücher nicht gelesen hat und wissen will, wie es mit den beiden weitergeht.

Teenie-Romanze mit viel Herzschmerz

Insgesamt sprechen die Filme „After Passion“ und „After Truth“ eher nicht die Leser der erfolgreichen Romanreihe an und richten sich nun an eine neue und jüngere Zielgruppe. Vom ursprünglichen Genre der erotischen Literatur ist nicht mehr viel übrig, sodass zumindest Teil eins guten Gewissens als „Teenie-Film“ zu bezeichnen ist, den Eltern ihre Kinder ohne Bauchschmerzen anschauen lassen können. Die Filme selbst sind relativ vorhersehbar, sprechen aufgrund der emotionalen Handlung und der großen Gefühle jedoch vor allem weibliche Teenager stark an. Wer sich Teil eins anschaut, sollte jedoch damit rechnen, anschließend auch die weiteren Filme sehen zu wollen, da sich am Ende echt fiese Cliffhanger befinden und es sich um eine zusammengehörige Reihe aus vier Teilen handelt, die alle aufeinander aufbauen.

Fazit

Ein netter Teenie-Film mit allen Zutaten, die eine erfolgreiche Herz-Schmerz-Romanze braucht!

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Bilder: © Universal Pictures

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