Die Mühle von Elisabeth Hermann

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2018 deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei cbj / cbt , 448 Seiten. ISBN 3-570-31192-9.

ab 14 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Julian Hübecker: Über der Mühle stand die scharfe Sichel des Mondes und das letzte Abendlicht ließ ihre Konturen wie einen Scherenschnitt vorm Abendhimmel erscheinen

Sieben Einladungen führen eine Gruppe von jungen Erwachsenen zu einer einsamen Mühle inmitten eines tschechischen Waldes. Anfangs noch euphorisch über das unverhoffte Wiedersehen, verschwindet einer nach dem anderen. Was passiert mit ihnen und wer ist für all das verantwortlich? Nur Lana scheint die Gefahr zu begreifen – doch da ist es für einige bereits zu spät.

Eine Gruppe junger Erwachsener – ein Geheimnis das sie alle verbindet

The Court – dies war die Schülerelite, zu der jeder gehören wollte. So auch Lana, die zwei Stufen unter diesen unantastbaren Sieben zur selben Schule ging. Immer hat sie sich als unzulänglich empfunden und auch Jahre später, mit Anfang 20, hat sich dieser Schleier nicht gelegt. Daher fühlt sie sich rasch in die Vergangenheit zurückversetzt, als sie in der Uni Johnny begegnet. Besonders ihn hatte sie immer angehimmelt, und nun fällt eben jener die Treppe runter direkt vor ihre Füße. Als sie ihn im Krankenhaus besucht, um verlorengegangene Sachen vorbeizubringen, offenbart er ihr, dass The Court am nächsten Tag ein Gruppentreffen in Karlsbad, Tschechien, abhalten wird. Er bietet ihr an dort seinen Platz einzunehmen und seine Abwesenheit zu erklären. Ihre Faszination siegt über ihre Vernunft, daher fährt sie kurzentschlossen hin.

Von den anderen argwöhnisch aufgenommen, fühlt sich Lana in die Rolle der Außenseiterin zurückversetzt. Alle scheinen über ihr zu stehen: Joshua, der Frauenheld; die stets eifersüchtige Franziska; die narzisstisch veranlagte Siri; die alkoholsüchtige Cattie; der arrogante und egozentrische Tom; sowie der nerdige Stephan. Schnell gerät Lana jedoch in den Hintergrund, da bei allen die Neugierde über den unbekannten Gastgeber überwiegt. Dieser hält sich bedeckt, sorgt aber für großzügige Überraschungen: Übernahme der Hotelkosten, reichhaltiges Picknick, Limousinenfahrt in die Berge. Doch Letzteres erweist sich als eine Reise ohne Wiederkehr, als die Gruppe über eine Hängebrücke gelockt wird, die hinter ihnen einstürzt. Nun, auf dem bewaldeten Bergmassiv gefangen, beginnt für die Teilnehmer ein Kampf ums Überleben. Eine einsame Mühle verspricht zu Anfang Rettung, doch spielt sie eine wichtigere Rolle, als alle ahnen. Und auch eine schreckliche Lüge aus der Vergangenheit holt The Court ein.

Ein Thriller mit wenig Blut, dafür umso mehr psychologischer Raffinesse

Ein Jugendthriller ganz nach meinem Geschmack – wenig Blut, aber dafür umso mehr Atmosphäre auf psychischer Ebene. Elisabeth Herrmann hat es geschafft, die Mühle als zentrales Element gruselig und beschützend zugleich wirken zu lassen. Ihre Symbolik erschließt sich dem Leser zwar erst zum Ende hin, doch geht von ihr stets etwas Geheimnisvolles aus. Denn das ist etwas, was die Autorin kann: Atmosphäre schaffen. »Die Mühle« ist eines der wenigen Bücher, die es geschafft haben, mich so sehr gruseln zu lassen, dass ich das Buch zur Seite legen wollte, gleichzeitig jedoch das Verlangen hatte, weiterzulesen.

Eine Gruppe Jugendlicher an einem entlegenen Ort und einer nach dem anderen verschwindet – dies ist nicht neu. Dennoch funktionieren solche Geschichten mit den passenden Rahmenbedingungen immer wieder. Allerdings konnte ich mich mit einigen der Protagonisten nicht anfreunden. Dabei will ich mich nicht über Stereotypen beschweren, die hier mehr als offensichtlich waren. Ich empfinde dies sogar oftmals als angenehm, da ich so die Protagonisten klarer vor Augen habe und sie besser unterscheiden kann. Sie waren auch nicht zu stark überzogen. Doch waren ihre Charakterzüge sehr unbeständig, sodass sie manchmal geradezu schizophren wirkten. Dadurch wurde mir die Möglichkeit genommen, mich gänzlich auf sie einzulassen. Auch konnte ich mit dem Ausgang der Geschichte nicht viel anfangen. Die Auflösung war zwar nachvollziehbar, doch war das Auftauchen eines gewissen Charakters so weit hergeholt, dass es mir die finale Auseinandersetzung vermiest hat und ich lange über meine Bewertung nachdenken musste. Schließlich habe ich mich aber zum Positiven hin für 8 Punkte entschieden, da mich der Thriller im Ganzen sehr gut unterhalten hat.

Fazit:

Ein stimmungsvoller Jugendthriller mit Gruselmomenten, der trotz zum Teil nerviger Charaktere und paradoxem Ende all das liefert, was zu einem guten Thriller gehört: ein undurchsichtiger Schauplatz, ein unbekanntes Motiv und ein im Hintergrund agierender Täter.


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