The Hate U Give von Angie Thomas

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel The Hate U Give, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei cbj / cbt , 512 Seiten. ISBN 3-570-16482-9.

ab 14 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Julian Hübecker: Es ist cool, schwarz zu sein, bis es schwer wird, schwarz zu sein.

Starr muss mit ansehen, wie ihr bester Freund Khalil von einem Polizisten erschossen wird. Seitdem leidet sie nicht nur unter Schuldgefühlen, sondern hat auch ständig Angst um ihre Liebsten, die in einem Viertel leben, in dem Gewalt zum Alltag gehört. Als immer mehr Menschen auf die Straße gehen, um für Khalil zu kämpfen, entscheidet sie sich dagegen und glaubt, ihre schwarze Seite damit zu verraten.

Wie zwei scheinbar verschiedene Welten aufeinanderprallen, ausgelöst durch den Tod eines Unschuldigen

Starr ist sechzehn und lebt mit ihrer Familie in dem Schwarzenviertel Garden Heights. Dieses ist geprägt durch Armut und Gewalt, vor allem zwischen zwei rivalisierenden Banden, die auch oft in Auseinandersetzungen mit Schusswaffen enden. Als Starr noch ein Kind ist, wird bei einem solchen Konflikt ihre beste Freundin vor ihren Augen erschossen. Das Trauma sitzt noch tief, als etwa zehn Jahre später eine ähnliche Tragödie sie in tiefe Verzweiflung stürzt: Nach einer Party wird sie gemeinsam mit ihrem besten Freund Khalil von einem Polizisten angehalten. Die Sache eskaliert, als Khalil sich nicht so kooperativ zeigt, wie der Polizist dies verlangt. Khalil wird mit drei Schüssen niedergestreckt und stirbt in Starrs Armen.

Von da an sieht sie sich mit ständiger Schuld konfrontiert, ob sie etwas hätte anders machen können. Schlimmer noch erwarten viele von ihr, Mut zu zeigen, und für eine gerechte Sache zu kämpfen. Doch wie soll sie für so etwas kämpfen, wenn sie sich stets als Verräter Khalil gegenüber fühlt? Denn obwohl sie in dem Viertel aufgewachsen ist, geht sie auf eine privilegiertere Schule, die fast nur Weiße besuchen. Hier versucht sie, anders zu sein, hat einen weißen Freund und will ihr »Ghetto«-Leben nicht heraushängen lassen. So wissen ihre Freunde und ihr Freund Chris nichts von ihrem inneren Kampf. Ist die weiße und schwarze Welt miteinander vereinbar?

Während die Demonstrationen in den Straßen von Garden Heights immer heftiger und lauter werden und die Gerichtsverhandlung gegen den Polizisten laufen, muss Starr einen Weg finden, ihre beiden Leben miteinander in Einklang zu bringen.

Eine perfekte Umsetzung eines strittigen und hoch aktuellen Themas

Immer wieder gibt es Berichte aus Amerika, wo schwarze US-Bürger von Polizisten erschossen werden, ohne eine Gefahr darzustellen. Dieses kontroverse Thema, das eine Kluft zwischen die schwarze und weiße Bevölkerung zu treiben droht, wird mit viel Eindringlichkeit von Angie Thomas behandelt und schmerzvoll umgesetzt.

Allein der Anfang des Buches bereitet einem eine Gänsehaut, als Khalil von einem Polizisten angehalten wird. Als Leser weiß man Dank des Klappentextes, dass der sympathische Junge diese Begegnung nicht überlebt. Aber über das fast schon brutale und kalte Vorgehen des Polizisten zu lesen, macht einen wütend und hilflos zugleich. Ganz nach dem Motto »erst schießen und dann fragen« war Khalil in dem Moment kein Mensch mit Träumen, Hoffnungen und Perspektiven, sondern ein möglicher Verbrecher, über dessen Leben einfach so bestimmt werden darf.

Alles in allem war das Buch eine runde Sache, das mit sehr vielen Emotionen gespickt war und ebenso viel ausgelöst hat. Alle Protagonisten waren klar herausgearbeitet und ihre Aktionen stimmig inszeniert. Der in Garden Heights verwendete »schwarze« Slang wurde überzeugend übersetzt sowie die Unterschiede zwischen der schwarzen und weißen Bevölkerung herausgearbeitet. Dabei wurde Rassismus sehr behutsam angegangen, der vor allem auch in kleinen Bemerkungen, die auf den ersten Blick als harmlos erachtet werden können, und ernst genommen werden sollte.

Etwas, das vielleicht gefehlt hat, aber zum Ablauf der Geschichte nicht zwingend gepasst hätte, wäre die Sichtweise des Polizisten. Schließlich bleiben verschiedene Fragen zurück: Was hat der Polizist in den Moment oder aber danach gedacht? Unter welchem Druck stehen Polizisten, die ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen und gleichzeitig wissen, dass sie ständig im Licht der Öffentlichkeit stehen? Wie werden diese ausgebildet? Und warum kommt kaum ein Polizist vor Gericht und wird angeklagt?

Ein Buch, das diese Fragen thematisiert, wäre wünschenswert und Angie Thomas ist eine perfekte Kandidatin, die dies mit der nötigen Professionalität umsetzen könnte.

Fazit:

Ein Buch, das schockiert, einen nachdenklich und wütend zurücklässt, aber auch mit viel Bewunderung für ein Mädchen, das bereits so viel Schlechtes miterleben musste und so stark daraus hervorgeht. Angie Thomas ist eine erstklassige Autorin und absolut weiterzuempfehlen!


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