Elefanten sieht man nicht

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Carlsen, 2012, Originalausgabe

Couch-Wertung:

9

Leser-Wertung

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Rita Dell'Agnese
Niemand will hinsehen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jun 2012

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Niemand will hinsehen"

[Jugendbuch des Monats - Juni 2012]
Max ist sieben. Und er ist dick. Deshalb wird er auf dem Spielplatz ständig gehänselt. Selbst seine große Schwester Julia kann das nicht ändern. Sie ist schon neun. Und sie hat viele blaue Flecken. Mascha weiß, woher die Flecken kommen. Sie möchte es ihren Großeltern erzählen, bei denen sie die Ferien verbringt. Oma und Opa wollen aber nicht zuhören. Sie wischen Maschas Schilderungen vom Tisch. Auch die Polizei will nicht zuhören. Da beschließt Mascha, zu handeln. Sie will Julia und Max helfen, notfalls mit unkonventionellen Mitteln. Das kommt aber bei den Erwachsenen nicht gut an. Es kommt zu einem riesengroßen Chaos.

Was ist Privatsache und wann muss ich genauer hinsehen? Diese Frage wirft Autorin Susan Kreller in ihrem Jugendroman "Elefanten sieht man nicht" auf. Das Leid von Julia und Max wird in der Siedlung, in der Maschas Großeltern leben, konsequent ausgeblendet. Schließlich stammen die Kinder aus einer guten Familie, tragen stets saubere Kleidung. Und die Eltern sind gut angesehen, waren auch schon Fasching-Prinzenpaar. Die Erwachsenen, bei denen sich Mascha versucht Gehör zu verschaffen, behüten also ihre "heile Welt", indem sie ignorieren, was nicht sein darf. Beispielsweise Gewalt in der Familie. Susan Krellers Roman ist ein Plädoyer für genaueres Hinsehen und die Bereitschaft, einzuschreiten. Obwohl letztlich jene Erwachsene, die mutig genug waren, zu intervenieren, klein beigeben mussten. So etwa die ältere Nachbarin, die von den anderen rücksichtslos ausgegrenzt wurde, als sie es wagte, die Idylle mit ihren Behauptungen zu stören.

Geschrieben hat die Autorin ihren Roman als Jugendbuch, auch wenn es sich mindestens genau so stark an die Erwachsenen richtet. Und Susan Kreller hat sich sehr gut in die Situation von Mascha hinein versetzt. Das Mädchen, in seiner Einsamkeit ohnehin in einer Außenseiterrolle, handelt spontan und unüberlegt. Genau deshalb erleidet sie auch mit verschiedenen Aktionen Schiffbruch. Sie verstrickt sich in Situationen, deren Tragweite sie nicht überblicken kann und die ihr schnell mal über den Kopf wachsen. Dadurch wird Mascha absolut glaubwürdig.

Überzeugend webt Susan Kreller das Bild einer Siedlung, in der es nichts geben kann, was sich außerhalb eines seriösen Kleinbürgertums bewegt. Nicht als Entschuldigung, aber als Erklärung zeigt die Autorin auf, welche Beweggründe etwa Maschas Großeltern haben, den Erzählungen ihrer Enkelin keinen Glauben zu schenken. Dabei verzichtet Susan Kreller auf jede Form von Moralpredigt. Es reicht vollkommen, dass sie Zusammenhänge präsentiert und hintergründig die Frage in den Raum stellt, wie man selbst auf die Situation reagieren würde. Eine Gewissensfrage, die jeder nur für sich allein beantworten kann.

FAZIT

Hinsehen und Handeln sollte selbstverständlich werden: Dafür steht Susan Krellers berührender Jugendroman "Elefanten sieht man nicht". Die Autorin geht sehr geschickt mit dem Thema Gewalt um – und gibt ihm gleich zwei Gesichter. Zum einen ist es Mobbing unter den Kindern, Opfer ist dabei der übergewichtige – also aus der Norm fallende – Max. Zum anderen geht es um Gewalt gegen Kinder, ausgeübt von jenen, die die Kinder eigentlich beschützen müssten. Und letztlich steht auch die Aufforderung im Raum, genauer hinzuhören, wenn ein Kind oder Jugendlicher von schlimmen Szenen berichtet. In diesem Sinne legt die Autorin einen brandaktuellen und zum Nachdenken animierenden Roman vor.

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