Young Sherlock Holmes - Der Tod liegt in der Luft (1)

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Fischer, 2010, Titel: 'Young Sherlock Holmes 1: Death Cloud', Originalausgabe

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Bruder Mycroft zwingt den jungen Sherlock Holmes, die Sommerferien über bei seiner Tante in Farnahm zu wohnen. In dem großen Anwesen und kleinen Dorf allein gelassen, bringen nur seine Treffen mit dem Streunerjungen Matty ein wenig Abwechslung in den tristen Alltag. Bald darauf wäre Sherlock um eine Ruhepause froh. Sein neuer Hauslehrer Amyus Crowe hält ihn mit Logikrätseln auf Trab, um seinen Verstand zu schulen; dessen Tochter Virginia strapaziert die Gefühle des Jungen. Als dann der Gärtner des Anwesen mit seltsamen Beulen am Körper tot aufgefunden wird und von einer geheimnisvollen Todeswolke die Rede ist, beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Sherlock und seine Freunde werden in die düsteren Machenschaften des Baron Maupertuis hineingezogen, die sich weit über die Grenzen des kleinen Dorfes erstrecken.

Autor Andrew Lane nimmt sich der Vorgeschichte des allseits bekannten Meisterdetektivs Sherlock Holmes an. Lane lässt Sherlock, anders als im Original, schon mit 14 Jahren seinen ersten Fall ermitteln.

Sherlock wirkt am Anfang des Buches nicht so, wie man den großen Detektiv in Erinnerung hat: Er zeigt kaum Interesse am Lernen und ist manchmal regelrecht begriffsstutzig. Oft stellt er Fragen, die selbst der mittelschlaue Leser schon beantwortet hat. Zudem hegt Sherlock romantische Gefühle für die junge Virginia. Diese Charakterzüge sind kaum mit dem exzentrischen, sozial uninteressierten und emotional schwankenden Helden Doyles zu vereinen. All das stößt dem Sherlock-Fan zwar sauer auf, ist dennoch zu erklären: Der Held wird in den Büchern langsam entwickelt; sein Lehrer Amyus Crowe beispielsweise bringt ihm die logischen Gedankengänge bei, die den Detektiv später berühmt machen werden. Andere Verweise zu den Original-Geschichten werden ebenfalls gelegt: Seine Liebe zu Bienen, London und Drogen finden ihre erste Erwähnung. Man kann sich trotz allem der Vorstellung nicht erwehren, dass Sherlock Holmes nur titelgebender Held ist, um Marketingzwecken zu dienen.

Einige der Ungereimtheiten des Buches können auch auf den Autor zurückgeführt werden. Wenn Sherlock ein Gespräch belauscht, in dem Wint beschuldigt wird, Kleidung geklaut zu haben – warum fragt er sich dann zwanzig Seiten später, was Wint gestohlen hat? Er schafft es außerdem, sich zweimal entführen zu lassen. Und flieht immer auf demselben Weg, was auch seinen Gegnern keine hohe Intelligenz bescheinigt. Dadurch wirkt die Handlung manchmal ideenarm und unglaubwürdig.

FAZIT

Der Kriminalfall ist nichtsdestotrotz solide und spannend, an manchen Stellen aber zu übertrieben und zu eintönig. Der Schreibstil ist leicht und gut zu lesen, leider wiederholt der Autor oft Schlussfolgerungen, die daraufhin abgedroschen wirken. Das hat auch Auswirkungen auf die Figur des Sherlock Holmes, die dadurch geistig schwerfällig wirkt. Wer die Geschichten Doyles kennt, wird Schwierigkeiten haben, den Detektiv Holmes in diesem Buch wiederzuerkennen. Das lässt sich eventuell mit der Charakterentwicklung erklären, ist aber trotzdem schade, weil die typisch Holmes'sche Atmosphäre fehlt. Ein Fan von Sherlock Holmes wird kaum begeistert sein; wem die Originale nicht geläufig sind, kann mit dem Jugend-Krimi durchaus seinen Spaß haben.

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