Auf einmal ist alles anders

  • Klopp
  • Erschienen: Januar 2012
  • Klopp, 2012, Originalausgabe
Auf einmal ist alles anders
Auf einmal ist alles anders
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Rita Dell'Agnese
7

Jugendbuch-Couch Rezension vonJun 2012

Lebensfreude trotz Behinderung?

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Lebensfreude trotz Behinderung?"

Für Hanna ist nichts mehr so, wie es einst war. Seit einiger Zeit hat sie im rechten Arm und Bein anfallartige Schmerzen, die immer schlimmer werden und ihr die Kraft rauben. Dazu kommen rasende Kopfschmerzen und das Gefühl, ersticken zu müssen. Keiner der bisher konsultierten Ärzte weiß, was Hanna fehlt. Und einen Spezialisten darf sie nicht aufsuchen, die Krankenkasse will für die Kosten nicht aufkommen. Weil sie in der Schule immer öfter fehlt, soll sie nun in eine Spezialschule für junge Menschen mit Behinderung. Hanna fühlt sich abgeschoben und jeder Lebensfreude beraubt. Auch dass sie nun im Rollstuhl sitzen soll, sieht sie nicht ein. Denn zwischen den Anfällen scheint sie sich immer wieder zu erholen. Auf das Schicksal des Mädchen wird schließlich der Journalist Thomas Seifert aufmerksam. Mit einem dramatischen Aufruf in der Zeitung will er das Geld für die Behandlung in Berlin zusammen bringen…

Die Situation, plötzlich aus dem gewohnten Leben gerissen und mit einer unheimlichen Krankheit konfrontiert zu werden, nimmt den größten Platz in diesem Roman ein. Die 15-jährige Hanna, mitten in der Pubertät und mit denselben Dingen beschäftigt, wie alle anderen jungen Mädchen in ihrem Alter auch, will sich dieser Situation am liebsten gar nicht stellen. Sie versucht möglichst lange, an der einstigen Normalität festzuhalten. Die Autorin Heidi Hassenmüller kann sich gut in das Mädchen hinein versetzen. Sie zeigt die Ängste und Hoffnungen der 15-jährigen auf, beleuchtet aber auch gnadenlos die Umgebung, die sehr unterschiedlich auf die neue Situation reagiert. Während Hannas Eltern zwar zusammen mit ihrer Tochter leiden, aber gleichzeitig versuchen, ihr den Rücken zu stärken, wenden sich andere von ihr ab. Allen voran die Verantwortlichen der Schule, die Hanna mit ihrer unheimlichen Behinderung als nicht mehr tragbar einstufen. Hier nimmt Heidi Hassenmüller kein Blatt vor den Mund. Sie stellt auch unmissverständlich klar, was sie über diese Haltung denkt.

Gepeinigt von ihren Schmerzen – mindestens gleich stark aber auch von Selbstmitleid – weigert sich Hanna zunächst, sich der veränderten Realität zu stellen. Auch dies ist ein durchaus nachvollziehbarer Charakterzug der Protagonistin. Schrittweise geht die Autorin auf die Schwierigkeiten Hannas ein, sich etwa ihren neuen Schulkameraden zu öffnen, die alle ebenfalls unter einer Behinderung leiden. Mit großer Empathie schildert die Autorin die verschiedenen Persönlichkeiten, die das Schicksal in dieser Schule zusammen gebracht hat. Doch tritt hier auch eine der Schwächen des Buches zutage: Die handelnden Personen sind etwas zu stark in ein Schema gepresst und lassen sich mühelos in Gut und Böse sortieren. Angesichts des brisanten Themas und der feinfühligen Art, sich in die Denkweise der Jugendlichen hinein zu versetzen, eine bedauerliche Oberflächlichkeit.

Die Autorin Heidi Hassenmüller nutzt ihren Roman schließlich auch, um die Elo-Hunde bekannt zu machen. Hier handelt es sich um eine speziell für diesen Zweck gezüchtete Hunderasse, die Menschen mit Behinderung nicht nur den Alltag verschönern sollen, sondern auch dazu abgerichtet werden, kleine Hilfsdienste zu erledigen. Die Informationen über die Hunde sind durchaus interessant, wenn auch Heidi Hassenmüller hier ganz und gar durch eine rosafarbene Brille zu sehen scheint und die Entwicklung der Handlung eine intensive Süße bekommt. Das ist höchst bedauerlich, stimmt doch der Grundtenor der Geschichte nach wie vor.

FAZIT

"auf einmal ist alles anders" bietet Raum zum Nachdenken über Normalität. Und darüber, wie schnell es gehen kann, aus dieser Normalität heraus zu fallen. Es ist das feinfühlige Portraits eines jungen Mädchens, das sich einer ungewissen Zukunft stellen muss und dabei ausgerechnet Hilfe von anderen Benachteiligten bekommt. Würde sich die Autorin nicht im letzten Teil des Buches zu sehr in einer zuckersüßen Entwicklung verlieren, wäre dieser Roman außergewöhnlich intensiv und stark. So müssen jedoch leider ein paar Abstriche gemacht werden.

Auf einmal ist alles anders

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