Versehrt

  • Fischer
  • Erschienen: Januar 2011
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  • Fischer, 2009, Titel: 'Purple Heart', Originalausgabe
Versehrt
Versehrt
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Soldat Matt Duffy wird mit einem Schädel-Hirn-Trauma ins Lazarett in Bagdad eingeliefert. Er hat Schwierigkeiten, sich an den Anschlag zu erinnern, bei dem er verletzt wurde. Mit gerade mal 18 Jahren ist Matt für die amerikanische Armee in den Irak-Krieg gezogen. Das Buch "Versehrt" spielt während Matts Zeit im Lazarett. Langsam versucht er, den Tathergang des Anschlags zu rekonstruieren, bei dem er verwundet wurde; immer lassen ihm sein lückenhaftes Gedächtnis und das seltsame Verhalten der Offiziere dabei straucheln und zweifeln.

"Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer", sagte der griechische Dicher Aischylos und erkannte, was der Hauptcharakter dieses Buches, Matt, schmerzlich lernen muss. Denn nach dem Unfall sind die Obrigkeiten an seiner schnellen Heilung, nicht aber an der wahrheitsgetreuen Aufklärung der Schießerei interessiert, in die er verwickelt war. Das Buch stellt seine Suche nach der Wahrheit dar, gedrängt von dem Wunsch, so schnell wie möglich in den Mikrokosmos seiner Einheit zurückzukehren.

Durch das Schädel-Hirn-Trauma verwirrt, sind seine Gedanken durcheinander, lassen ihn die Ereignisse nur noch wie Puzzleteile erscheinen. Die Autorin unternimmt in dem Buch keine Anstrengung, aus diesem Mosaik an Erfahrungen, Träumen und Dialogen ein übersichtliches Bild des Zustandes im Irak zu bauen – denn Krieg, und das ist ihre Aussage, ist kein Risiko-Spielfeld.

Das vielleicht Grausamste des Buches sind seine Erinnerungen an zu Hause – die Gespräche mit der Mutter, die Briefe an die Freundin, in der sie über ihren "Riesenbammel" vor der nächsten Bio-Klausur erzählt und sein Jahrbuch mit der Theater-AG und dem Rhetorik-Club. In den täglichen Grenzsituationen des Krieges sind solche Erinnerungen geradezu unwirklich, auch wenn sie der erst 18-jährige Soldat äußert. Die alltägliche Welt ist ihm im heißen Sand Iraks, zwischen Kinderleichen und Zitate aus 80er Jahre Action-Filmen, schon lange abhanden gekommen.

FAZIT

Autorin Patricia McCormick verfasst mit "Versehrt" ein Buch, dass die Schrecken und die Undenkbarkeit des Krieges anhand eines Einzelschicksals greifbar macht. Es geht ihr nicht um das große Ganze des Irak-Krieges, sondern das Leben eines einzelnen Soldaten und welche Probleme er zu bewältigen hat. Eine schockierende und traurige Darstellung, ergreifender und realitätsnäher als jeder Korrespondentenbericht aus einem Fünf-Sterne-Hotel.

Versehrt

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