Trix Solier (2) - Odyssee im Orient

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Die Halbdämonin findet ihr Erbe"

Seit sie 8 Jahre alt ist, weiß Jael, dass sie anders ist als ihre Mitschülerinnen. So verschieden, dass sie ihr Vater, der sie nach dem frühen Tod der Mutter aufzieht, immer wieder zwingt, alle Brücken hinter sich abzubrechen, umzuziehen und in einer neuen, natürlich streng katholischen Schule neu anzufangen. Freunde hat sie dank der Furcht und der Flucht, zu der sie ihr Vater zwingt, keine. Immer, wenn sie irgendwo heimisch wurde, kam unweigerlich der Augenblick, alles hinter sich zu lassen und zu gehen. Kein Wunder, dass sie, wenn auch zaghaft, rebelliert.

Dabei würde ihr die Wahrheit sowieso niemand glauben: Ihre Mutter war ein Sukkubus, eine Dämonin aus der tiefsten Hölle, eine ebenso versierte wie gnadenlose Verführerin, die sich, um ihre Tochter zu schützen, opferte.
Doch darüber will ihr Vater nicht sprechen. Nie erzählt er ihr von ihrer Mutter, von der Zeit, als sie sich kennen und lieben lernten, oder von der Verbindung aus Mönch und Dämonin, der sie entsprang.

Zu ihrem sechzehnten Geburtstag bekommt sie ein Geschenk. Nicht etwa, wie sonst üblich, etwas Praktisches. Keine Jeans, ja nicht einmal ein Shampoo, mit dem sie ihre wild wuchernde Haarpracht in den Bann bekommen könnte. Nein, viel besser noch: Ein Amulett mit einem tiefroten Stein, der besondere Kräfte in sich birgt. Und plötzlich drehen sich Jungs nach ihr um, die sie bislang noch nicht einmal wahrgenommen haben. Der Stein selbst gewährt ihr Visionen aus der Vergangenheit ihrer Eltern, und sie lernt einen Verwandten kennen: Dagon, den einstigen Gott der Fische und jetzt Großbäcker der Hölle.
Damit nicht genug, verliebt sie sich in einen Mitschüler und taucht, als sie ihre dämonischen Kräfte akzeptiert und erstmals nutzt, plötzlich auf dem Radar des Mörders ihrer Mutter auf. Der Dämon Belial ist ihr seit 16 Jahren auf der Spur. Nun hat er sie gefunden, doch Jael ist beileibe kein williges Opfer, denn sie hat noch ein Hühnchen mit dem Mörder ihrer Mutter zu rupfen.

Urban Fantasy mit ein wenig mehr Tiefgang als üblich

Im großen Kanon der Urban Fantasy-Romane reiht sich vorliegendes Erstlingswerk zunächst nahtlos ein. Wir haben unser Halbblut - Tochter einer Dämonin und eines Mönchs -, das sich in der uns bekannten technologischen Welt vor ihren Häschern verbirgt. Dann bricht das Übernatürliche über sie herein. Es kommt zu Kämpfen, zu Niederlagen, aber auch zu Triumphen.

 

Das Erfolgsrezept - und ein wenig mehr

Beigegeben hat der Autor uns dazu die erfolgserprobten Zutaten der Jugendbuch-Bestseller: Erste Liebe, der Kampf mit dem Schulstoff, den mehr oder minder engagierte Lehrer zu vermitteln versuchen, ein wenig Zickenkrieg von Neiderinnen und die Auseinandersetzung mit dem autoritärem Elternhaus.
Insoweit spricht Skovron alltägliche Probleme um das Erwachsenwerden an. Die Leserinnen und Leser können sich und ihre Probleme hier mühelos wiederfinden.

Dabei schlüpft man gerne in die Haut der sympathisch gezeichneten Hauptperson. Sie ist ehrlich, hat den Bonus, dass sie ohne Mutter und mit einem schwierigen, strengen und verschlossenen Vater aufwächst und trotzdem eine liebevolle, verlässliche und offene Art an sich hat. Das Glück scheint ihr nicht eben hold zu sein, und doch ist sie positiv gestimmt. Solch ein Charakter übt auf den Leser naturgemäß einen Reiz aus.

Eine Person zwischen den Kulturen

Man kann das Buch aber auch in einem anderen, meines Erachtens noch interessanteren Kontext sehen, nämlich als einen Roman über ein Kind aus einer Mischehe. Bricht man den Plot einmal herunter, so entdecken wir mit und in Jael ein Kind, das aus einem Elternhaus stammt, dessen Vertreter aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen.
Mönch/ Kirche hier, die Hölle dort - das lässt sich mühelos auf Kinder übertragen, bei denen ein Elternteil aus einer fremden Kultur stammt. Ihre Probleme und ihre Haltlosigkeit, zu welcher Abstammung sie sich nun bekennen sollen, und wo sie hingehören, spiegeln sich im Text entsprechend wider.

FAZIT

Jon Skovron bietet in "Misfit – Jael und das Amulett der Dämonen" eine spannend aufgezogene Handlung, die Ansatzpunkte für eine Fortsetzung bieten würde.
Den Leser erwartet hier ein Roman, der nicht nur mit phantastischen Kämpfen gegen Dämonen und ein wenig Herzschmerz punktet, sondern auch ernstzunehmende Probleme und Nöte Jugendlicher thematisiert. 

Couch-Wertung:

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Carsten Kuhr
Trix Solier ist wieder da!

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Apr 2012

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Trix Solier ist wieder da!"

"Nur wer ständig über vertane Jahre jammert, der verschwendet sein Leben. Denn, wie immer dein Leben aussieht, es ist nie vertan." (Seite 146)

Es ist schon ein Kreuz mit dem Leben. Da hat unser Trix, immerhin angehender Meistermagier voller Fehl und Adel, doch tatsächlich die Prinzessin gerettet, dabei den bösen Verräter Gavar Villaroy auf den Boden des Meeres geschickt und so nebenbei noch die Invasion der Untoten von den Kristallenen Inseln verhindert - und wie wird er dafür belohnt?
Sein Meister, der ehrwürdige Zauberer Radon Sauerampfer, lässt ihn zum Neujahrsfest alleine im Zaubererturm zurück. Da kommt es geschickt, dass Ilin Badulla Mummrich, ein junger Drache, dort landet und die Einlösung einer Ehrenschuld verlangt.

Da kann unser Trix ja dann wirklich nichts dafür, wenn er der Ehre des Zauberers folgend, den Turm in Richtung Samarschan verlassen muss. Dass dabei immerhin mal wieder ein Abenteuer winkt, ist nun wahrlich nicht seine Schuld. Auf dem Rücken von Illin - aber nicht weitersagen, denn Drachen befördern niemals Menschen, und wenn doch, muss dies ein Geheimnis bleiben – macht er sich, begleitet von der Blumenfee Annette, auf gen Süden.

Und was soll unser junger Held dieses Mal richten?

Abrakadasab, der Mineralisierte Prophet, hat es sich auf seine Fahnen geschrieben, zunächst das Wüstenreich Samarschan und anschließend die Lande von König Marcel anzugreifen und zu erobern. Er, der sich selbst den größten Magier der Welt nennt, will nicht weniger als die Herrschaft über alle Reiche der Erde an sich reißen.

Ein Plan wird geschmiedet, der den Mineralisierten Propheten ausschalten soll. Trix verbündet sich dabei nicht nur mit seinen alten Freunden, den Schauspielern, sondern auch mit einem ehemaligen Gegner. Doch selbst mit Hilfe des Vitamanten Gavar Villaroy scheint Abrakadasab nicht zu bezwingen zu sein. Trix findet sich im Herzen der Hölle wieder.

Kann Lukianenko lustige Fantasy? Er kann - und wie!

Sergej Lukianenko hat den Deutschen Buchmarkt zunächst mit seinen Urban Fantasys erobert. Die "Wächter"-Romane (Heyne Verlag) erklommen die Bestsellerlisten, Science Fiction Werke schlossen sich an.
Für seinen ebenfalls bei Beltz & Gelberg erschienen Roman »Das Schlangenschwert« wurde 2007 mit dem CORINE als bestes Jugendbuch ausgezeichnet.
Dann, vor gut zwei Jahren legte Beltz & Gelberg mit »Trix Solier – Zauberlehrling voller Fehl und Adel« ein Buch vor, das die Leser und Kritiker überraschte.

Lukianenko und Fantasy, noch dazu humorvolle Fantasy? Das von einem Autor, der zwar immer augenzwinkernd, aber auch mit viel Bezug zur Realität seine Bücher mit dem Hier und Jetzt verband. Kann der das, fragte ich mich zu Beginn der Lektüre - und wurde positiv überrascht.

Alte Bekannte gesellen sich zu neue Gestalten

Nun also die Fortsetzung. Und, wie dies bei Fortsetzungen mittlerweile gängige Übung ist, dürfen die alten Bekannten nicht fehlen. Ian, der als Ritterknappe erste Sporen verdient hat, ist ebenso mit dabei wie Tiana und Klaro. Damit nicht genug, gibt es auch ein Wiedersehen mit Gavar Villaroy, dem fiesen Vitamanten, und einige neue Gestalten zu entdecken.

Der Orient ruft in all seiner exotischen Pracht

Ganz bewusst hat sich der Autor dafür entschieden, den Handlungsort zu wechseln. Statt das heimische Königreich dient nun ein orientalisches Sultanat als Schauplatz der turbulenten Geschehnisse.
Geschickt verwebt der Autor hier Vorlagen aus Tausendundeiner Nacht mit Eigenkreationen, stellt uns die bekannten Versatzstücke entsprechender Werke vor.
Kamele, Bazare, die sprichwörtliche Gastfreundschaft der Araber, aber auch Sklaverei, die Kunst des Handels und der alles überlagernde Ehrbegriff des Orients mischen sich in die Handlung.
Mit dem umtriebigen, aber nicht sonderlich erfolgreichen Händler Wasab, der nach wie vor nur eine einzige Lieblingsfrau sein Eigen nennt und seine beiden Töchter noch nicht verheiraten konnte, stellt er uns einen ebenso quirligen, wie schlitzohrigen Einheimischen vor. Der übermütige Drache Illin, aber auch ein durchtriebener Dschinn, eine Nixe und Wüstengnome (Zwerge) mischen als übernatürliche Wesen mit.

Herrliche Anspielungen und unauffälliger, hintergründiger Humor

Das hat Pepp und Tempo, ist zwar manches Mal in sich nicht ganz logisch, erweist sich dabei aber als überraschend gewaltarm - so stirbt niemand – und ist gesättigt von Lukianenkos unauffälligem, aber so herrlich augenzwinkerndem Humor.

Immer wieder gibt es, von der kongenialen Übersetzerin Christiane Pöhlmann herrlich übertragene Anspielungen auf bekannte Werke und moderne Errungenschaften. Dabei wirken die Verweise und Zitate auf den "Herrn der Ringe" oder "Harry Potter" nicht etwa aufgesetzt, sondern als integraler Bestandteil des Romans.

Die Geschichte selbst ist geradlinig erzählt, kommt, wie schon erwähnt, mit einem Mindestmaß an Gewaltdarstellung aus, so dass sich das Buch für Leser aller Altersgruppen eignet. Um den oftmals hintergründigen Humor Lukianenkos wirklich würdigen zu können, sollte man sich aber schon ein wenig ins Genre eingelesen haben.

FAZIT

Trix Soliers zweites Abenteuer "Odyssee im Orient" ist ein tolles, lustiges und packendes Buch. Ein echter Lukianenko eben!

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