Schicksal - Unter dem Vampirmond (4)

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Und ewig ruft die Begierde - selbst wenn man alle Zeit der Welt hat"

Finnland. In der ewigen Nacht des Polarkreises fühlen sich Rentiere, Wölfe und eine Spezies, über die das Biologie-Lehrbuch nichts auszusagen weiß, wohl. Im Land der Lappen regieren die Lykaner - Vampire, die sich von der Zivilisation losgesagt haben, die ganz ihre Triebe ausleben. Bei der Jagd auf Elche und Wölfe finden sie ihre Erfüllung.

Einem aber genügt die Tierjagd nicht: Gunnar, Jahrhunderte alter Vampir und Sippenältester, ist ein Sadist. Selbst unter den Lykanern nimmt er eine Sonderstellung ein. Und ausgerechnet ihn hat sich Peter zum Feind gemacht. In den einsamen Wäldern hat er den wichtigsten Gefolgsmann und gleichzeitig Vampirbruder Gunnars getötet.

Nachdem Peters Blutbindung zu Alice, die gerade einmal vor drei Wochen gewandelt wurde, durch das neue Blutsband zu Alices Lover Jack abrupt gekappt wurde, sucht Peter regelrecht das Vergessen im Tod. In Finnland will er sich sehenden Auges opfern. Dass Ezra und Alice ihm folgen, war nicht eingeplant.

Kaum haben die beiden Peter gerettet, spitzen sich die Ereignisse zu Hause zu. Jane, Alices beste Freundin aus menschlichen Tagen gibt sich als Bluthure in der Diskothek jedem Vampir hin, der sie will. Dass sie dabei immer weniger wird, dass sie droht, leergesaugt und sterbend zurückgelassen zu werden, stört sie dabei nicht sonderlich. Zu überwältigend ist die Sucht nach den Endorphinen, die die Blutaufnahme durch Vampire begleitet.

Während Jack und Peter weiter aneinander geraten, Alice zwischen den so ungleichen Brüdern emotional hin- und hergerissen ist, plagen Mae Sorgen um ihre Nachfahren. Ihre Urenkelin ist unheilbar erkrankt. Sie zur Vampirin zu wandeln lehnt Ezra, der Vorstand der Sippe, kategorisch ab. Kein Kind hat die Wandelung jemals geistig überstanden. Wenn Mae das Kind wirklich wandeln will, muss sie die Familie verlassen. Und dann wird Jane entführt, und Alice trifft auf alte Bekannte. Bekannte, die auf der Jagd nach dem gefährlichsten Wild des Planeten sind. Nein, nicht Menschen werden gehetzt, auf Vampire haben sie es abgesehen.

Routiniert verfasste Mischung aus "Bis(s)"-Elementen und Verwicklungen, die wir aus Daily Soaps kennen - für Fans suchtgefährdend

Amanda Hocking macht das wahrlich nicht ungeschickt. Nachdem sie uns in den ersten beiden Romanen ihrer Reihe um ihre Ich-Erzählerin Alice diese, ihr Umfeld und letztlich ihre Vampir-Werdung vorgestellt hat, versetzt sie die Handlung im ersten Drittel des Buches zunächst einmal ins Europäische Ausland.

Auch wenn die Autorin hier doch recht oberflächlich bleibt, wir über die interessanten Abtrünnigen der Lykaner so gut wie nichts erfahren, gelingt es ihr so, Alices Schwierigkeiten, sich mit ihrem neuen Leben anzufreunden, näher zu zeichnen. Wer hier allerdings auf große Actionszenen hofft, der sieht sich enttäuscht. Keine Jagden durch die ewigen Wälder Lapplands, keine Kämpfe. Alles bleibt fast klinisch rein.

Nachdem alle Beteiligten ins Nest heimgekehrt sind, gibt es dort neue Verwerfungen. Alices schwuler Bruder hat seinen ersten Liebhaber mit nach Hause gebracht, sie aber will weiter glucken, ihn beschützen und sieht seine Bindung mit Argwohn.
Es geht darum, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu akzeptieren, auch die fleischliche Lust ihres Bruders zu dulden.
Dazu kommt, dass sie selbst sich immer mehr Jack öffnet, ihrem ersten Mal förmlich entgegen fiebert. Wie wird es sein, das erste Mal überhaupt mit jemandem Liebe zu machen, mit Jack zu schlafen?

In dieses emotionale Sprengfass voller Verwicklungen, Verlangen und Schuld mischt sich dann etwas abrupt der aus Finnland angereiste Gunnar ein. Ihm geht es allein um Rache, darum, sich im Kampf zu bewiesen, seine Feinde zu vernichten.
Was sich anschließt ist ein Showdown, der an Rasanz und Action nichts zu wünschen übrig lässt.

Allerdings passen die so unterschiedlichen Teile nur schwer zueinander. Auf der einen Seite die durchaus glaubwürdig aufgebaute Gefühlsebene, die in ihrer mannigfaltigen Ausführungen an Telenovelas und Daily Soaps erinnert. Auf der anderen Seite ein Kampf, der einem Actionfilm gut zu Gesicht stände. Fans temporeicher Auseinandersetzungen werden sich zum Buch bis zum Finale langweilen, die Leser aber, die eher die Gefühlswelt ihrer Erzähler betrachten wollen, sehen sich unvermittelt einer Blutorgie der Gewalt ausgesetzt. Das fordert dem Leser viel ab, überfordert sicherlich so manchen der Leser.

FAZIT

Im dritten Teil der Serie "Unter dem Vampirmond" bietet sich erstmalig kein ausgewogenes Verhältnis aus Action und Gefühl. Dennoch besticht "Verlangen" durch die eindrucksvolle Fähigkeit der Autorin, die Gefühlswelt ihrer Figuren plastisch darzustellen und den Leser ganz in diese eintauchen zu lassen.

Couch-Wertung:

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Carsten Kuhr
Ein Serienmörder geht um in Minneapolis – ein Täter, der Jagd auf Bluthuren macht 

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Apr 2012

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Ein Serienmörder geht um in Minneapolis – ein Täter, der Jagd auf Bluthuren macht"

 

Im dritten Band von »Unter dem Vampirmond« kam es zum Zerwürfnis zwischen Ezra und Mae. Entgegen allen Warnungen hat Mae ihre todkranke, fünfjährige Urenkelin zum Vampir gewandelt. Zu einem Babyvampir, der, so zeigt die leidvolle Erfahrung, eine Gefahr für alle, die mit ihm zusammen sind, darstellt.

Zusammen mit Peter, für den Alice immer noch mehr als brüderliche Gefühle empfindet, zog Mae sich in australische Outback zurück. Hier, weitab von allen Menschen, ist der Babyvampir in Sicherheit, und, was noch wichtiger ist, sind die Menschen in Sicherheit vor dem Baby.

Just als Alice und ihr Bruder Mae in Down Under besuchen, erhält Alice eine schreckliche Nachricht: Ihre beste Freundin Jane wurde von einem Serienkiller ermordet aufgefunden. Kaum in Minneapolis zurück macht Alice sich auf die Suche nach dem Täter. Steckt ein Mensch hinter den Taten, oder ist es ein Vampir, der seine blutige Spur auf den Gehwegen hinterlässt?

Immer deutlicher wird Alice dabei, dass sie anders ist als die anderen Vampire. Ihre Wandlung verlief vergleichsweise mehr als unproblematisch, ihre Kräfte sind für einen neuen Vampir schlicht zu groß.

Während sie ein wenig haltlos in ihrer nun unsterblichen Existenz umhertaumelt, nicht recht weiß, was sie wirklich mit ihrem Leben anfangen will, spitzt sich die Situation zu, als Mae zusammen mit Peter und dem Babyvampir zurückkehrt.
Gnadenlose Vampirjäger heften sich auf ihre Spur, das Vampirkind gerät außer Kontrolle, sie trifft ihren Vater, doch das alles ist noch gar nichts - denn Jack trennt sich von ihr.

Hocking - und mit ihr Alice - wird erwachsen

Auch im vierten Band der zunächst im Internet veröffentlichten Urban Fantasy Serie geht es wieder hoch her. Dramatik pur ist angesagt. Nicht nur der Mord an Alices Freundin ist aufzuklären, auch ihre Familienverhältnisse lassen grüßen. Dazu kommen emotionale Verwirrungen und Irrungen zuhauf.

Man merkt Alice an, dass sie mit sich nicht im Reinen ist. Hat sie wirklich die richtige Entscheidung für sich getroffen, als sie eingewilligt hat, zum Vampir zu werden? Selbstzweifel suchen sie heim. Was nur will sie mit ihrem jetzt unendlichen Leben anfangen?

Es geht viel um Selbstfindung, darum einen Sinn in seinem Leben zu suchen und zu finden und sich danach auszurichten. Insoweit merkt man dem Roman an, dass die Autorin älter und reifer geworden ist.
Standen die ersten drei Titel ganz im Bann der Einführung ihrer übernatürlichen Welt und der Vorstellung der Personen, so findet Hocking nun den Raum, tiefer zu gehen. Und dies tut der Serie gut.

Natürlich stehen die Gefühle nach wie vor im Vordergrund, doch haben sich auch diese gewandelt. Statt des Verliebtseins und der Neugier treiben Alice, Jack und Co. nun mehr Selbstzweifel an.
Das liest sich interessanter, einfach auch, weil sich die Figuren endlich weiterentwickeln und lebensechter werden. Es gilt, Niederlagen einzustecken, sich einzugestehen Fehler gemacht zu haben und neuen Lebensmut und einen Lebensinhalt zu finden.

Dabei spricht die Autorin sehr deutlich auch Problembereiche wie etwa die Drogensucht an, warnt eindringlich, aber ohne erhobenen Zeigefinger, vor den Abhängigkeiten, die der Genuss von Drogen mit sich bringt. Das wirkt, gerade weil es integraler Bestandteil der Handlung ist, nicht etwa aufgesetzt, sondern erschreckend intensiv und real.

FAZIT

Mit "Schicksal", dem vierten Band der Reihe "Unter dem Vampirmond", legt Amanda Hocking einen deutlich erwachseneren Roman vor, der sich, den Handlungsträgern aber auch den Lesern Fragen stellt, sie zum Nachdenken anregt und die ganze Reihe auf ein neues Level hebt.

Schicksal - Unter dem Vampirmond (4)

Schicksal - Unter dem Vampirmond (4)

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