Wir können alles verlieren. Oder gewinnen.

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

Der Terror den Juden gegenüber nimmt überhand, als sie während der Reichskristallnacht in Deutschland gejagt, gefoltert und eingesperrt werden. Die Halbjüdische Familie Finkelstein schafft es, im letzten Moment mit dem Schiff nach Shanghai zu fliehen. Weniger als ein Jahr später beginnt Deutschland den Zweiten Weltkrieg. Die Familie schafft es, in Shanghai zu überleben: Der Vater findet eine Anstellung in einer deutschen Konditorei, die Tochter Inge findet in dem chinesisch-deutschen Jungen Sanmao einen Spielgefährten, Chinesischlehrer und Kunfu-Meister. Für die Eltern ist Shanghai nur ein Versteck, für Inge wird die fremde Stadt bald zur Heimat. Doch der Krieg holt sie auch hier ein: Die japanische Besatzung verfrachtet die Juden in einen abgeriegelten Stadtteil, ins Ghetto. Der Kampf ums Überleben beginnt erneut.

Die Autorin Susanne Hornfeck ist Sinologin - also Expertin für China, seine Gebräuche und Sprache. In ihrem zweiten Roman beschreibt sie das ferne China mit all seinen bunten Facetten. Dabei lässt ihr detailgetreues Wissen das Bild der Stadt aufleben. Der Leser kann Inge auf ihren Streifzügen in den Tempel, in das Freilichtkino des internationalen Hotels und zu den zahlreichen Fressbuden am Straßenrand so gut folgen, als würde er ihr dabei über die Schulter schauen. Obwohl ihr Leben im Ghetto von anstrengender Arbeit und ständiger Angst vor dem Krieg geprägt ist, verliert sie nie ihre Neugierde auf die fremde Kultur. Inge schafft sich unter schweren Bedingungen eine eigene, spannende Welt und lernt, das Gute auch in schweren Zeiten zu sehen. Der Leser sieht Inge vom Kind bis zur Erwachsenen heranwachsen und erlebt ihre Jugend in Shanghai mit.
Eine wunderschöne Liebesgeschichte fehlt dabei natürlich auch nicht.

FAZIT

Ein schöner, sehr bildreich geschriebener Roman, der Geschichte zum Abenteuer werden lässt. Das Buch ist nämlich nicht nur unterhaltsam, sondern auch informativ – ohne dabei belehrend zu wirken. Man erfährt, welch große Wellen der Zweite Weltkrieg schlug – bis nach China und Japan. Anders als im Geschichtsunterricht ist die Erzählung trotz des ernsten Hintergrundes aber nie trocken, sondern äußerst lebendig. Dafür sorgt vor allem die zuversichtliche Hauptfigur Inge, die dem Leser schnell ans Herz wächst.

Couch-Wertung:

8

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Yvonne Schulze
Jeder muss selbst entscheiden, ob er mir glaubt

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Mär 2012

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Jeder muss selbst entscheiden, ob er mir glaubt"

Der zwölfjährige Taifun ist eigentlich ein netter Junge, nur manchmal etwas gedankenlos. Er reißt gern mal von zu Hause aus, fährt ohne Ticket mit dem Zug, sprüht Graffiti und liebt sein Skateboard. Damit er jedoch nicht völlig auf die schiefe Bahn gerät, bringen ihn seine Eltern in das "Haus der Möglichkeiten", eine besondere Schule, in der Problemschüler eine letzte Chance bekommen und davor bewahrt werden sollen, auf die schiefe Bahn zu geraten. Doch diese Schule ist ein wahrer Alptraum, denn hier herrschen sehr strenge Regeln und kleinste Vergehen werden hart bestraft. Für Taifun beginnt eine schwere Zeit, und als dann auch noch seine Eltern verschwinden, wird die Situation für ihn unerträglich. Doch irgendetwas geht an dieser Schule nicht mit rechten Dingen zu, und als Taifun einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur kommt, flüchtet er in eine verlassene Fabrik, wo er dem geheimnisvollen Mädchen India begegnet. India nennt sich selbst die Wächterin und ist Anführerin einer kleinen Gruppe von in Ungnade gefallener Kinder, die im Verborgenen leben. Gemeinsam mit India nimmt Taifun den Kampf gegen das "Haus der Möglichkeiten" auf.

Gelungene Mischung aus Reality, Fantasy und Abenteuer

Düster und beklemmend ist der Jugendroman der finnischen Autorin Seita Parkkola, dabei beginnt die Geschichte doch zuerst ziemlich harmlos. Die anfangs strukturierte Erzählweise wechselt bald in ein leichtes Wirrwarr aus Zeitsprüngen und willkürlichen Ortswechseln. Hier die Übersicht zu behalten, erfordert aufmerksames Lesen. Wer sich daran jedoch nicht stört und keine Probleme damit hat, wird mit einem interessanten Plot, großartigen Protagonisten und einer - besonders im letzten Drittel – sehr spannenden Geschichte belohnt. 

Taifun ist ein trotz aller Fehler sehr sympathischer Junge, den man sofort ins Herz schließt. Da er als Ich-Erzähler seine Geschichte selbst erzählt, nimmt man unmittelbar an seiner Gedanken- und Gefühlswelt teil. Etwas in den Schatten gestellt wird er allerdings von der quirligen India, aus der man oft nicht so richtig schlau wird. Die Aura des Geheimnisvollen, die dieses Mädchen umgibt, macht sie als Figur interessant. Sie ist wie von Zauberhand immer dann zur Stelle, wenn Taifun sie braucht.

Hinter dem "Haus der Möglichkeiten" verbirgt sich ein totalitäres System, das man nur als beklemmend bezeichnen kann und man wünscht sich, dass eine derartige Institution das Produkt der Phantasie der Autorin bleibt und niemals Realität wird. Das Leben der Schüler im "Haus der Möglichkeiten" unterliegt der totalen Kontrolle. Schon kleinste Regelverstöße werden mit strengen und oft aberwitzigen Strafen geahndet. "Galgenmännchen" - ein eigentlich harmloses Buchstabenspiel - wird im "Haus der Möglichkeiten" zur Bestrafung eingesetzt. Anfangs rebelliert Taifun gegen die strengen Regeln, und so dauert es nicht lange, bis er seine erste Strafe bekommt. Die Korruption unter den Schülern ist massiv, das Erschreckende dabei ist aber vielmehr, dass sie auch noch gefördert wird. Es ist ein düsteres und beklemmendes Szenario, das die Autorin in ihrem Roman zeichnet. 

Befremdlich an dieser Geschichte ist die Rolle der Erwachsenen, unter denen es keine wirklich positive und charakterstarke Figur gibt. Selbst Taifuns Eltern sind schwache und leicht zu beeinflussende Charaktere, die sich von diesem System vor den Karren spannen lassen. Die Erwachsenen werden zum Feindbild in dieser Geschichte gemacht. Allen voran die Schulpsychologin Ira Frost, eine bitterböse und manipulative Person. Sie ist die Freundin von Taifuns Vater und letztendlich auch dafür verantwortlich, dass Taifun im "Haus der Möglichkeiten" landet. Sie spielt Taifuns Eltern gegeneinander aus, verdrängt sie letztendlich ganz und schafft es, die Vormundschaft für Taifun an sich zu reißen und ihm auf perfide Art und Weise das Leben zur Hölle zu machen. 

FAZIT

"Jeder muss selbst entscheiden, ob er mir glaubt" - das sind Taifuns Worte am Schluss dieses Romans, dessen Grenzen zwischen Realität und Scheinwelt fließend sind. Was könnte sich wirklich so abgespielt haben und was gehört eher ins Reich der Phantasie? Nun, das muss jeder Leser letztendlich für sich selbst entscheiden. Spannend und flott erzählt ist dieser Jugendroman eine gelungene Kombination aus Reality, Fantasy und Abenteuergeschichte mit einem versöhnlichen Ende, das noch genügend Raum für eigene Interpretationen lässt.   

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