Das Gegenteil von fröhlich

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Thienemann, 2011, Originalausgabe

Couch-Wertung:

8

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Rita Dell'Agnese
Sanfte Annäherung an ein Tabu-Thema

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2012

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Sanfte Annäherung an ein Tabu-Thema"

Nelli ist fünfzehn und verknallt in Sam. In der Schule läuft es ganz gut. Eigentlich könnte die Welt für Nelli in Ordnung sein. Wenn da nicht die Mutter wäre, die sich vor ein paar Tagen ins Bett verkrochen hat und sich um nichts mehr kümmert. Denn plötzlich muss Nelli auf ihre kleine Schwester Mira aufpassen. Von Bruder Emil kann sie keine Hilfe erwarten. Seit ihr Vater zu einem Auslandsemester in die Niederlande gefahren ist, ist Emil irgendwie seltsam. Und lässt sich von niemandem mehr etwas sagen. Mehr und mehr gerät Nellis Welt aus den Fugen, denn Mutter wird immer seltsamer. Sie weigert sich, zum Arzt zu gehen und ist kaum ansprechbar. Wenn Nelli nicht daheim ist, betrinkt sich Mutter auf der Dachterrasse. Mit ihren Freundinnen Clara und Lou kann Nelli nicht darüber sprechen, was bei ihr zu Hause gerade passiert. Zum Glück gibt’s da aber den seltsamen Jungen aus dem Park, Elias. Er hört sich an, wie es Nelli geht. Plötzlich aber überschlagen sich die Ereignisse.

Die Autorin Katrin Stehle hat ein Thema aufgegriffen, über das meist nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird: Die Mutter ist depressiv und kann sich nicht mehr um ihre Kinder kümmern. Das älteste Kind versucht, den Alltag so lange wie möglich zu meistern und für seine Geschwister da zu sein. Doch diese Situation überfordert alle Beteiligten. Genau das passiert mit Nelli. Von ihrem Vater darf sie zunächst kein Interesse erwarten. Wenn er anruft, hört er Nelli gar nicht richtig zu. Mit der Beschwichtigung, dass sie das schon schaffen werde und dass man an den Herausforderungen wachsen würden, nimmt er dem Mädchen jede Möglichkeit, rechtzeitig um Hilfe zu bitten. Je länger sich die Mutter in ihrer Depression verkriecht, desto schwieriger wird die Situation für Nelli und ihre Geschwister. Sie folgen jedes ihrem ganz eigenen Instinkt: Nelli zieht sich zurück und versucht, die wahren Verhältnisse vor dem Vater geheim zu halten. Denn Emil hat ihr die Augen geöffnet: Ihr Vater hat eine Geliebte. Damit er Mutter nicht verlässt, soll er nicht wissen, wie schlecht es ihr wirklich geht. So lädt sich die 15-Jährige noch mehr auf die Schultern. Emil hingegen, der mitten in der Pubertät steckt, lehnt sich gegen die ohnehin wacklige Autorität seiner älteren Schwester auf. Und das Küken Mira, gerade einmal im Vorschulalter, klammert sich an Nelli, weil es nicht verstehen kann, was mit der Mutter geschieht. Diese an sich typische Verhaltensweise aller drei Kinder wird von außen nicht richtig wahr genommen. Selbst Nellis Freundinnen erkennen nicht, dass in der Familie gerade etwas extrem schief läuft.

Die Autorin erzählt die an sich tragische Geschichte mit sehr viel Humor. Das nimmt der Situation zwar vordergründig die Schärfe, vermag aber nicht zu verhehlen, dass Nelli völlig überfordert ist und sich die Depression der Mutter wie ein dunkler Schatten über die Kinder legt. Obwohl der Vater in der ganzen Geschichte eine wenig rühmliche Rolle spielt, hebt Katrin Stehle aber nicht den Mahnfinger. Ohne Wertung schildert sie den Alltag, den die 15-Jährige plötzlich zu bewältigen hat. Für all die Sachen, die eine 15-Jährige sonst tun würde, bleibt keine Zeit. Für Nelli bedeutet das aber auch, dass sie mit ihrem Kummer alleine bleibt und sich je länger desto weniger ihren Freundinnen anvertrauen kann.  Der Teufelskreis lässt sich erst spät durchbrechen.

FAZIT

"Das Gegenteil von fröhlich" ist – obwohl mit einer großen Priese Humor gewürzt – ein beklemmendes Buch. Es fordert dazu auf, genauer hinzusehen und nachzufragen. Es könnte Kinder, die sich in einer ähnlichen Situation wie Nelli befinden, durchaus Anregung sein, sich früher Hilfe zu holen und nicht alles auf die eigenen Schultern zu packen. Oder auch Anleitung, aufzuhorchen, wenn die Freundin etwas Ähnliches schildert. Ungeachtet des brisanten Hintergrunds ist der Roman aber auch erfrischend zu lesen und verleitet da und dort zu einem Schmunzeln. Katrin Stehle hat eine ideale Mischung aus Problemthema und leichter, eingängiger Schreibweise gefunden.

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