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Carsten Kuhr
Eine Bestie erschüttert das Reich des Sonnenkönigs

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Mär 2012

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Eine Bestie erschüttert das Reich des Sonnenkönigs"

Wir schreiben das Jahr 1764. In der Auvergne geht die Angst um. Zwar sind die Menschen von dem seit Jahren andauernden Krieg gegen die Briten und die damit verbundenen Verluste viel gewohnt, dass eine wilde Bestie ihre Frauen, Mädchen und Kinder reißt, löst jedoch Panik aus.
Der König im fernen Versailles entsendet Adelige und gestandene Jäger, aber die Bestie lässt sich nicht aufspüren. Immer wieder finden die verängstigten Bauern ihre Liebsten mit heruntergerissenem Kopf, grausam zugerichtet und angefressen auf ihren Feldern.

Zusammen mit der hochherrschaftlichen Abordnung Louis XV. kommt auch ein junger, vielversprechender Forscher in den Landstrich. Eigentlich sollte Thomas Auvray als Schüler der königlichen Zeichenakademie und Assistent des Naturforschers de Buffon lediglich wissenschaftliche Studien rund um das wolfsähnliche Tier betreiben, das man als Täter jagt. Doch dann wird er immer tiefer in die Geschehnisse verstrickt. Bei seinen Nachforschungen stößt er schnell auf Ungereimtheiten. Zu oft schlägt die Bestie an verschiedenen, weit voneinander entfernten Orten zu und lässt die Beute liegen.
Wer steckt wirklich hinter den Morden? Ein Tier, ein Werwolf - oder vielleicht ein Mensch? Die Spuren führen ihn auf Schloss Morangiès, wo er eines der Opfer, die bezaubernde Isabelle, kennen und lieben lernt …

Sorgfältig recherchierte, gelebte Geschichte

Die zwischen 1765 und 1767 in der Auvergne und dem Gévaudan begangene Mordserie hat schon einige Male die Fantasie der Autoren angeregt.
Nina Blazon gehört jedoch zu denen, die ausgiebig Recherche und Studien betrieben haben. Sie bereiste die Gegend, sprach mit Forschern und sachkundigen Autoren, zog Zeitdokumente ebenso hinzu wie moderne Forschungen zum Thema. Dabei konnte sie auf ein weites Feld an Veröffentlichungen zurückgreifen, da das Thema in Frankreich sehr populär ist und sogar immer wieder für Dissertationen herangezogen wird.
So gelingt es Nina Blazon mit leichter Hand und in ihrem bekannt unauffälligen und dennoch so versiert und angenehm zu lesenden Stil, unzählige Fakten über das Leben in der damaligen Zeit, über historische Personen und nicht zuletzt über die Verbrechen in ihre Handlung einfließen zu lassen.
Und sie erzählt uns eine ergreifende Geschichte. Zusammen mit dem Leser begibt sich unser sympathischer Erzähler nicht nur vom königlichen Hof kommend in eine ihm unbekannte Welt des ländlichen Frankreichs. Er macht sich auch voller Interesse und Neugier daran, das faszinierende Rätsel zu untersuchen und aufzuklären.
Das hat seine gefährlichen, ja gruseligen Momente, wobei die Gewaltdarstellung immer dezent bleibt, den Leser nie überfordert oder allzu sehr schockiert.

Die Schwerpunkte hat die Autorin dabei auf die Zeichnung ihrer Gestalten gelegt, die sie lebensecht und vielschichtig porträtiert. Das sind eben keine Abziehbilder, das sind lebende Wesen mit all ihren Ecken und Kanten. Menschen, die Fehler machen, die ungerecht sind, die lieben, hoffen, fürchten und hassen. Schnell kann man sich in ihre Haut hineinversetzen, bangt mit ihnen, bewundert aber auch ihren Mut und ihre Opferbereitschaft.

FAZIT

"Wolfszeit" ist einmal mehr ein ganz eigener historischer Roman von Nina Blazon - voller Dramatik und Gefühle und mit überzeugenden Figuren. Und nebenbei wird dem Leser noch viel Wissenswertes über die Zeit vermittelt.

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