Pampa Blues

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Hanser, 2012, Originalausgabe

Couch-Wertung:

8

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Yvonne Schulze
Nach Wingroden kommt kein Schwein, nicht einmal ein Einbrecher

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Mär 2012

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Nach Wingroden kommt kein Schwein, nicht einmal ein Einbrecher"

Wingroden? Nie gehört! Wo ist das denn? Naja, wenn man die Buchstaben einfach mal in eine andere Reihenfolge bringt, wird "Nirgendwo" daraus. Und mitten im Nirgendwo spielt sich auch diese Geschichte ab, genauer gesagt in einem kleinen gottverlassener Ort mitten in der Pampa, wo sich kaum ein Fremder hin verirrt und wo es außer einer maroden Tankstelle samt heruntergekommener Werkstatt, einem Dorfladen der zugleich Friseurladen ist, und einer alten verfallenen Gärtnerei nur noch die Dorfkneipe gibt, Dreh- und Angelpunkt sozialen Lebens für die Handvoll Einwohner, die in dieser Einöde leben, in der die Zeit stillzustehen scheint.

Und zu diesen Einwohnern gehören auch der 16-jährige Ben und sein Großvater Karl. Ben lebt erst seit kurzer Zeit bei seinem Großvater, in dessen Gärtnerei er eigentlich eine Ausbildung machen soll. Dabei wäre Ben doch viel lieber Mechaniker geworden. So bastelt Ben in seiner Freizeit eifrig an einem alten VW-Bus, denn sein Traum ist es, irgendwann mal nach Afrika abzuhauen, wo vor einigen Jahren sein Vater starb. Doch momentan sitzt  Ben erst einmal in Wingroden fest. Seine Mutter, die als Jazz-Sängerin durchs Land tingelt, ist so gut wie nie daheim, und so muss sich Ben neben seiner Ausbildung auch noch um den an Demenz erkrankten Großvater kümmern. Emotionalen Halt findet er bei den Dorfbewohnern, vor allem bei seinem väterlichen Freund Maslow.

Maslow ist der Visionär des Dorfes. Sein Äußeres und sein Auftreten lassen auf einen windigen Mafioso schließen, doch hinter dieser Fassade steckt ein großzügiger, hilfsbereiter und netter Typ. Er hängt an dem Dorf, unterstützt die Dagebliebenen finanziell, damit sie nicht wegziehen, und er denkt sich ständig irgendwelche neuen Projekte aus, um Wingroden aus dem Dornröschenschlaf zu reißen und zur Touristenattraktion zu machen, wobei keiner seiner Pläne bisher von Erfolg gekrönt war. So kommt er eines Tages auf die wahnwitzige Idee, ein UFO in Wingroden landen zu lassen und den Ort damit zur Pilgerstätte für UFO-Besessene zu machen. Amerika und Roswell lassen grüßen.

Als die junge Lena in dem Kaff strandet, vermutet jeder, dass es sich hier um eine getarnte Journalistin handelt, und Maslow sieht sich schon am Ziel seiner Wünsche. Und dann kommen eines Tages wirklich Journalisten und Polizei nach Wingroden, jedoch nicht wegen des UFO-Phänomens, sondern weil es einen Mord gegeben hat.

Rolf Lappert ist bisher als Autor von Drehbüchern und Romanen für Erwachsene bekannt geworden, mit "Pampa Blues" liegt jetzt auch sein erster Jugendroman vor, eine unaufgeregt erzählte und mit feinem Humor gespickte Geschichte mit tollen Charakteren. Wingroden wird von Männern dominiert, allesamt wunderbar skurrile Figuren und sympathische Looser. Lena und die Friseurin Anna sind die einzigen weiblichen Figuren, die in dieser Geschichte eine größere Rolle spielen. Es wird über Autos und Technik gefachsimpelt und in der Dorfkneipe werden Männergespräche geführt.

Ben ist eindeutig die stärkste Figur, da er hier auch zugleich der Ich-Erzähler ist. Man erfährt viel über sein Gefühlsleben, seine Gedanken und Träume, man spürt seine unterschwellige Gereiztheit, seinen Frust darüber, in diesem Kaff festzusitzen und die unausgesprochene Wut auf seine Mutter, von der er sich im Stich gelassen fühlt. Um seinen demenzkranken Großvater kümmert er sich rührend, auch wenn er mit dieser Verantwortung so manches Mal schlichtweg überfordert ist.

Die Geschichte braucht anfangs etwas, um in Gang zu kommen, denn im ersten Teil passiert nicht viel, und die ganze Geschichte bewegt sich im ruhigen Fahrwasser, genauso wie das Leben in Wingroden. Das verschafft dem Leser Zeit, ein Gefühl für die Stimmung und die Figuren in diesem Roman zu entwickeln. Erst als Lena in Wingroden auftaucht und das Dorf samt seinen Bewohnern mit ihrer quirligen Art aufzumischen beginnt, nimmt auch die Handlung Fahrt auf. Überbordende Action darf man aber trotzdem nicht erwarten. Dass der Autor zugleich auch Drehbücher schreibt, lässt sich nicht von der Hand weisen, denn er hat ein Gespür für die richtige Dramaturgie.

Grenzwertig ist allerdings der permanente Alkoholkonsum in dieser Geschichte und selbst Ben als Sechszehnjähriger ist ständig mit einer Bierflasche in der Hand anzutreffen, als ob dies etwas ganz Selbstverständliches wäre. In einem Jugendroman ist so etwas schlichtweg verantwortungslos.

FAZIT

"Pampa Blues" ist eine durch und durch sympathische Geschichte mit einem ebenso sympathischen Helden, wunderbaren Charaktere, einer gut durchdachten und logischen Handlung, die auch mit der einen oder anderen unerwarteten Wendung überraschen kann. Ein schönes und anspruchsvolles Jugendbuch, das trotzdem leicht und flott zu lesen ist und vom Verlag liebevoll und passend zum Inhalt ausgestattet wurde.

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