Versuchung - Unter dem Vampirmond (1)

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • cbj / cbt, 2010, Titel: 'My Blood Approves', Originalausgabe

Couch-Wertung:

6

Leser-Wertung

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Carsten Kuhr
Auf den Spuren von Twilight, Vampire Diaries und Aschenputtel

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Jan 2012

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Auf den Spuren von Twilight, Vampire Diaries und Aschenputtel"

Siebzehn Jahre ist Alice nun alt, und immer noch Jungfrau. Geht es nach ihrer Freundin Jane, ein untragbarer Makel, so dass sie einmal mehr versuchen, sich mit gefälschten Ausweisen in eine Disco zu schmuggeln. Dass es nicht klappt, wissen vor allem Alices Füße, die sie in zu enge High Heels gepackt hat. Als sie dann von einer Gruppe Betrunkener verfolgt werden, kommt ihr die Schuhwahl allerdings erneut in die Quere. Nur dem selbstlosen Eingreifen eines jungen Fremden verdanken die beiden Partygirls, dass nicht Schlimmeres passiert. Während Jane von dem Unbekannten fasziniert ist, findet Alice ihn zwar nett, aber so ein Getue um ihn zu veranstalten, wie ihre Freundin, das scheint doch zu viel des Guten. Genau dies aber fesselt Jack. Während ihn sonst alle Frauen – auch Alices Mutter ist später oberpeinlich natürlich davon betroffen - und homosexuelle Männer anschmachten, wahrt Alice Distanz, er kann sich mit ihr ganz normal, ohne erotische Anzüglichkeiten, unterhalten. Auch wenn sie aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen stammen – Jack taucht im Lamborghini seiner Bruders auf, Alice wohnt mit ihren jüngeren Bruder und ihrer alleinerziehenden, frustrierten Mutter in einer kleinen Wohnung – finden sie eine gemeinsame Basis. Sie treffen sich häufiger, Alice lernt Jacks Familie kennen – und bemerkt, dass etwas merkwürdig ist im Staate Dänemark.

Warum nur sind sich die Brüder äußerlich so unähnlich? Warum sind sie alle nachtaktiv, meiden das Sonnenlicht, essen nie etwas? Woher kommt das viele Geld, das palastähnliche Anwesen und die Luxusautos?

Als sie Jacks Bruder kennenlernt, ist es scheinbar um sie geschehen. Eine unstillbare Sehnsucht nach Peter überfällt sie, so etwas hat sie noch nie erlebt, zumal sie sich doch eigentlich eher zu Jack hingezogen fühlt.
Dass Jacks Familie sich als Vampir-Sippe entpuppt, ist da kaum mehr ein Schock. Dass Peter sie vehement ablehnt, dagegen schon, zumal ihr Jack seine Liebe gesteht.
Vor Jahrhunderten hat Peter sich bereits einmal an eine Seelenverwandte gebunden und diese verloren. Eigentlich, so die allgemein gültige Erfahrung der Bluttrinker, findet man seine Seelenpartnerin nur einmal im unsterblichen Leben, und bislang waren es auch immer nur Vampire, die einander fanden – bis Alice die scheinbar festgefügten Überzeugungen über den Haufen wirft …

Lockerer und flüssiger Lesespass

Einmal mehr eine Vampirserie mit viel Gefühl, die sich an die Zielgruppe der 13- bis 16-jährigen Mädchen wendet, so dachte ich nach der Lektüre des Waschzettels. Und wirklich erwartete mich eine Mischung aus Aschenputtel, Vampire Diaries und Twilight – aber, und das ist selten, der Roman las sich flüssig und locker auf einen Rutsch durch. Dazu mag der Ich-Erzählstil der Autorin beigetragen haben, aber auch der der Handlung innewohnende Humor trug zum Lese-Amüsement bei.
Stripped-down erwartet den Leser eine moderne Variante des Aschenputtel-Motivs. Aus einfachen, ja ärmlichen Verhältnissen stammend, hält das Schicksal das große Los für unsere Erzählerin bereit.
Luxuskarossen, ein hochherrschaftliches Anwesen, Geld und Macht, ja die Unsterblichkeit winken.
Natürlich muss es dabei Hindernisse geben, die es zu überwinden gilt, ein paar Gefahren kommen auch ganz geschickt des Weges, doch der Pfad in eine glückliche Zukunft scheint sich deutlich abzuzeichnen.
Im Grunde genommen passiert im Buch recht wenig. Alice lernt die Vampire kennen, verliebt sich – der Kopf sagt Jack, der Bauch und die unteren Körperregionen wenden sich eher Peter zu – und kann sich doch nicht recht entscheiden, was sie mit ihrem Leben zukünftig machen will.
Das trifft die Zielgruppe. Der frustrierende Stress in der Schule, der Drang, auszuflippen, sich von den elterlichen Vorgaben zu lösen, Party nonstop zu machen und einfach zu leben, wird deutlich thematisiert. Meine 13-jährige Tochter hat mir das Buch förmlich aus den Händen gerissen, findet sich bestens in den Gestalten wieder.
Letztere blieben relativ flach, Figuren wie etwa Alices Mutter oder ihr Bruder, der sich selbst seine homosexuelle Neigung zunächst nicht eingestehen will, die oberflächliche Freundin, die so gar nichts mit unserer Erzählerin gemein hat – sie alle wirken stereotyp und diffus.

Hocking, die ihre Romane zunächst im Internet im Eigenverlag vertrieb und damit ein Millionenpublikum ansprach, bevor die etablierten Verlage auf den bereits fahrenden Zug aufsprangen, liefert den Leserinnen ein oberflächliches Bild dessen, was sie selbst kennen, und reichert es geschickt mit einer Love-Story an, die in eine Dreiecksgeschichte zu münden scheint. Zwar keine große Literatur, aber angenehm zu lesende Unterhaltung.

Versuchung - Unter dem Vampirmond (1)

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