Ein Königreich für Eljuscha

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

"Wo Nacht und Norden enden, liegt über Nebeln die Feste der Schneekönigin". So beginnt Kai Meyers "Frostfeuer" und schickt einem damit gleich eine Gänsehaut über den Rücken. Nur ein paar Zeilen später ist man schon mitten in die Geschichte und tief in das Reich der Schneekönigin eingetaucht.

Die Schneekönigin hat ein Herz aus Eis, das sie in einer Kammer in ihrem Palast aufbewahrt. Noch nie ist jemand bis zu der Kammer vorgedrungen. Bis ein Schneeadler einen Zapfen von dem Eisherz bricht und damit flieht und der Schneekönigin damit einen teil ihrer Macht raubt.

Wenig später in St. Petersburg: wir schreiben das Jahr 1893. Ein alter Kutscher und eine seltsame junge Frau treffen sich. Der Mann ist Väterchen Frost. Die Frau ist die Magierin Tamsin Spellwell. Ein besonders kalter Winter sucht St. Petersburg heim. Das ist die Rache der bösen Schneekönigin, denn niemand anderes als Tamsin Spellwell hat den Zapfen aus ihrem Herzen gestohlen. Gemeinsam mit Väterchen Frost will Tamsin die Herrschaft der Schneekönigin beenden. Doch ihnen bleiben nur wenige Tage.

Zur gleichen Zeit lernen wir Maus kennen, die im Hotel Aurora in St. Petersburg arbeitet und dort nachts die Schuhe der Gäste putzt. Maus ist ein Mädchen, auch wenn sie wie ein Junge aussieht. Maus ist ziemlich klein und ziemlich ängstlich. Die anderen Pagen hänseln sie ständig. Und Maus ist eine Diebin. Sie stiehlt nichts Großes. Bisher ist es immer gut gegangen. Doch einer ahnt, dass sie ein geheimes Versteck hat: der Rundenmann des Hotels. Nur Kukuschka passt auf Maus auf und hilft ihr, wenn der Rundenmann sie wieder fast erwischt hat.

Ob es Zufall oder Schicksal ist, dass Maus an diesem Abend vor den Pagen aus dem Hotel flieht und fast erfriert, und ob es Zufall oder Schicksal ist, dass ausgerechnet Tamsin Spellwell Maus rettet, und ob es Zufall oder Schicksal ist, dass die Schneekönigin geradewegs auf St. Petersburg zusteuert und im Hotel Aurora absteigt – wer weiß. Schon bald überschlagen sich jedenfalls die Ereignisse und Maus muss weit über sich hinauswachsen.

Die Handlung überrascht immer wieder mit spannenden und unerwarteten Wendungen. Die Charaktere sind eigenwillig und mit ihren Eigenheiten und kleinen Macken gleichzeitig liebenswert. Frostfeuer lebt nicht zuletzt von der sympathischen Antiheldin Maus, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird.

Sprachlich wunderschön zu lesen sprüht das Buch vor Ideen, die einen beim Lesen manchmal zum Lachen und manchmal zum Weinen bringen. Frostfeuer ist ein weiteres Abenteuer aus der Feder von Kai Meyer, der wieder einmal seinem Ruf als großer deutscher Fantasy-Schriftsteller gerecht wird. Frostfeuer ist eine gelungene Mischung aus einem Märchen aus vergangenen Tagen und einer Geschichte mit Gegenwartsbezug.

FAZIT

Gerade zu Weihnachten ist Frostfeuer ein tolles Buch, mit dem man sich bei Wind und Wetter wunderbar auf das Sofa zurückziehen und die Welt um sich herum vergessen kann. Kai Meyer lädt auf eine Reise ins winterliche, märchenhafte St. Petersburg ein und macht Geschichten aus der Kindheit lebendig– unbedingt lesen und mitreisen!

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Eljuscha Posniak ist fünf Jahre alt als der zweite Weltkrieg Polen erreicht. Hals über Kopf flieht er mit seinen Eltern, seinen beiden Schwestern und seinem kleinen Bruder aus dem schönen Haus in dem sie wohnen. Und damit ist nichts mehr wie es vorher war. Auf einmal ist Eljuscha nicht mehr der Sohn des angesehenen Polizeibeamten Posniak, der im Wohlstand lebt. Auf einmal ist er ein Jude auf der Flucht und nur zu überleben zählt.

Eljuscha sieht, wie seine Mutter überfallen und ausgeraubt wird. Gemeinsam mit anderen Flüchtlingen kauert er im Straßengraben um einem Luftangriff der Deutschen zu entgehen und muss zusehen, wie Menschen erschossen werden, die es nicht rechtzeitig geschafft haben. Die Familie flieht nach Kiew, wo Eljuscha, seine Mutter und seine Geschwister einen Zug nach Kasachstan besteigen. Eljuschas Vater aber muss zur Front und die Familie wird erstmals getrennt.

Eine harte Zeit beginnt. Das Leben in Kasachstan ist so ganz anders, als das Leben, das Eljuscha kennt. Hier sind alle Muslime, es gibt Kamele, dafür aber kein fließendes Wasser und keine Toilette. Die Familie leidet oft Hunger und alle schlafen auf dem Ofen in ihrer kleinen Hütte statt in Betten. Und doch gibt es immer wieder Hoffnung: die Nachbarn helfen wo sie können, Eljuscha lernt seine Familie zu versorgen, findet Freunde und lernt die Steppe Kasachstans kennen und lieben. Der Krieg scheint weit weg zu sein, bis die Nachricht kommt, dass Eljuschas Vater gefallen ist.

Wieder macht sich die Familie auf den Weg, zurück nach hause, doch davon ist nicht viel übrig. Und so beschließt Eljuschas Mutter mit ihren Kindern nach Israel zu gehen. Doch bis sie dort ankommen liegt noch ein weiter Weg vor ihnen.

Die Geschichte über Eljuscha und seine Familie bewegt, nicht nur, weil es eine wahre Geschichte ist. Uri Orlev schreibt in klaren, bescheidenen Worten und entwickelt dabei eine Kraft, der man sich nur schwer entziehen kann. Orlev erzählt auf eine leise, einfühlsame Art. Seine Geschichte versucht nicht zu beeindrucken, beschönt nichts und bauscht nichts auf. Und gerade deshalb fiebert man mit Eljuscha mit, bangt mit ihm was als nächstes passieren wird. Man freut sich mit ihm über die kleinen, seltsamen Wunder, die immer wieder geschehen. Orlev beschreibt nicht nur das Leid im Krieg anschaulich. Er erzählt auch immer wieder von großen Akten der Menschlichkeit unter den Flüchtlingen und berührt damit zutiefst.

Ein Königreich für Eljuscha ist auch deshalb etwas Besonderes, weil der Weg der Familie sie in einen Teil der Welt geführt hat, von dem man seltener liest, wenn es um den 2. Weltkrieg geht. Kasachstan ist weit weg von Deutschland. Es zeigt aber auch, welch große Kreise, dieser Krieg gezogen hat und wie er das Leben so vieler Menschen beeinflusst hat. So wie Eljuschas, der mit seiner Familie auf der Suche nach seinem Platz im Leben ist. Einem Leben, das ständig die Frage aufwirft: "was wäre gewesen, wenn…"

FAZIT

Ein Königreich für Eljuscha ist ein Buch, das leise daher kommt. Es gibt viele Bücher, die über den 2. Weltkrieg erzählen, auch viele die wahre Begebenheiten schildern. Orlev schafft es aber seine Geschichte auf eine besondere, sanfte Art zu erzählen. Inmitten von Leid und persönlichen Tiefschlägen geschehen auch immer wieder kleine Wunder der Menschlichkeit. Orlev hat ein Buch über den Krieg geschrieben. Er hat aber auch ein Buch über die Menschen geschrieben, das Hoffnung macht. Definitiv lesenswert!

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