Kallisto - Reiterin der Wüste

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Das Ende einer Ära"

Wenn ein Buch wie dieser vierte Teil der "Eragon"-Saga schon vor seinem Erscheinen derart hoch gehandelt wird, muss man beim Lesen und Besprechen aufpassen, nicht voreingenommen zu sein. Ein Fazit möchte ich deshalb gleich an den Anfang stellen: Christopher Paolini hat sein erzählerisches Niveau auf jeden Fall gehalten – aber auch nicht weiter gesteigert. Das ist bei einem derartigen Epos sicher auch schwierig, die Erwartungen von Fans und Kritikern sind immens hoch. Vergleiche mit anderen Autoren und deren Werken halte ich persönlich übrigens für wenig hilfreich, sie werden weder dem einen noch dem anderen auch nur annähernd gerecht. Paolini hat seinen ganz eigenen Stil, auch wenn er diverse Elemente in seinen Büchern verwendet, die er aus der Fantasy-Literatur anderer Autoren entnommen hat. Aber er kupfert nicht ab, und das ist das Wichtigste dabei.

Schließlich kann nicht alles immer neu erfunden werden, und so bietet auch dieser vierte Band über Eragon und seine Mitstreiter im Kampf um die Macht in Alagaësia zunächst nicht viel Neues. Die bekannten Kämpen sind an Eragons Seite zu finden. Sein Cousin Roran zeichnet sich durch neue Heldentaten aus, Arya und die anderen Elfen sind für den Drachenreiter unverzichtbar. Eragons ganz persönliches Verhältnis zu Arya ist allerdings nach wie vor ungeklärt, was ihn zunehmend belastet. Ich will hier auf keinen Fall vorgreifen -  aber es wird noch komplizierter als geahnt.
Wer die ersten drei Bände gelesen hat – und nur dann kann man dieses Buch wirklich genießen – weiß längst, dass sich Elfen, Menschen, Zwerge und Urgals verbündet haben, um den grausamen Herrscher Galbatorix zu stürzen. In den Kämpfen um die verschiedenen Städte, die von den Verbündeten nach und nach erobert werden, gibt es wieder spannende und listenreiche Kämpfe, aber immer mehr schiebt sich die Frage in den Vordergrund, wie Eragon und sein Drache  Saphira den scheinbar übermächtigen König besiegen können, wenn sie ihm irgendwann gegenüberstehen werden. Denn Galbatorix besitzt die Macht vieler Drachen, deren Seelenhort, den Eldunarí, er in seinen Besitz gebracht hat. Der vierte Band der Saga bietet also nicht wirklich viel Neues, aber dennoch hat Christopher Paolini einige kreative Einfälle zu Papier gebracht und vermag seine Leser doch noch zu überraschen.

Die Eragon-Bücher sind nicht zuletzt deshalb so lesenswert, weil der Autor es wirklich versteht, den Leser sofort "zu Hause" zu begrüßen. Man ist gleich mittendrin in der Erzählung, in diesem Buch erfährt man auch vieles aus der Vorgeschichte der Saga, und lose Fäden werden plötzlich überaus elegant zusammengeführt. Der Kreativität von Christopher Paolini ist es zu verdanken, dass es zur Drachenmagie und zur Geschichte seiner Fantasie-Welt noch einige neue, spannende Aspekte gibt. Aber es gibt auch Kritisches anzumerken, weshalb ich nur 8 Punkte vergeben kann. Die Eragon-Fans werden jede zusätzliche Seite bejubeln, aber mir ist "Das Erbe der Macht" um einiges zu lang geraten. Sicher, das Buch ist spannend, und man liest es mit Genuss in einem Rutsch durch. Aber an etlichen Stellen ist zu merken, dass Christopher Paolini sehr ausschweifend wird, wo er sich hätte kürzer fassen können, ohne dass es weniger spannend geworden wäre. So manche Teil-Episode ist zu langatmig geraten, Reisen werden um das Fabulierens willen ausgedehnt, Räumlichkeiten zu weitschweifig beschrieben.
Konkret gesagt: 750 Seiten wären besser und völlig ausreichend gewesen. Dennoch ist auch der vierte Teil der Eragon-Saga ein lesenswertes Buch. Gespannt bin ich auf die Debatte darum, ob der Autor noch weitere Teile schreiben wird. Denn zu Ende erzählt wirkt die Geschichte der Drachenreiter aus Alagaësia noch keineswegs.

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
12345678910

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 10
0 x 9
0 x 8
0 x 7
0 x 6
0 x 5
0 x 4
0 x 3
0 x 2
0 x 1
B:100
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":1}

Zentralasien 104 v. Chr.: In der fiktiven Stadt Erschi im Ferghana-Tal lebt das 13jährige Mädchen Kallisto. Sie ist die Tochter eines reichen griechischen Kaufmanns und einer Nomadin und ehemaligen Sklavin. Der Nomadensohn Batu und die Nachbarstochter Lila  sind Kallistos engste Freunde.  Kallisto ist ein pummeliges schüchternes Mädchen, das oft vor Aufregung stottert. Nur im Umgang mit Pferden wirkt sie sicher und überlegen, und sie ist trotz ihrer Jugend schon eine sehr erfahrene Reiterin. Zu ihrer weißen Stute Schwan hat Kallisto ein ganz besonderes Verhältnis.

Von ihrer Mutter, einer erfolgreichen Pferdezüchterin, lernt Kallisto nicht nur den Umgang mit Pferden und das Kriegerreiten, sie lernt von ihr auch Freiheitsliebe und Naturverbundenheit. Doch Kallistos Zukunft sieht weniger rosig aus. Bereits als kleines Kind wurde sie von ihrem Vater mit dem Sohn eines reichen und einflussreichen Mannes verlobt. Kallisto denkt mit Grauen an ihre Zukunft als Frau eines unsympathischen und arroganten Mannes, den sie kaum kennt, gefangen in seinem Haus und getrennt von ihren geliebten Pferden.

Doch dann fallen die Truppen des chinesischen Kaisers im Ferghana-Tal ein. Der Kaiser hat es auf die edlen Achal-Trekkiner abgesehen, die rassigen und hochgewachsenen Pferde des Ferghana-Tals, die der Legende nach angeblich fliegen können und Blut schwitzen. Und diese "Himmelspferde" will der Kaiser unbedingt haben. Er belagert die Stadt Erschi, und Kallisto muss auf einmal ganz allein die Verantwortung für Haus und Hof und die wertvollen Zuchtstuten ihrer Mutter übernehmen, denn der Vater ist geschäftlich auf Reisen, und die Mutter, die kurz vorher in den Bergen von einem Leoparden überfallen wurde, liegt schwerverletzt auf dem Krankenbett.

Und dann entführt Kallistos Verlobter auch noch ihre geliebte Stute Schwan, und Kallisto muss sich auf eine abenteuerliche und gefährliche Suche begeben.  

Dieser Roman hebt sich erfreulich  aus der breiten Masse der Pferderomane heraus, denn hier schreibt jemand über Pferde, der auch etwas von der Materie versteht und nicht nur irgendwelche unausgegorenen Halbwahrheiten und Märchen über diese Tiere verbreitet.

Doch in diesem Roman geht es um viel mehr als nur um die Freundschaft zwischen Pferd und Mädchen. Es ist nicht nur eine spannende Abenteuergeschichte mit unerwarteten Wendungen und jeder Menge Mythologie, es ist auch ein gut recherchierter historischer Roman, in dem so manches Ereignis steckt, das sich auch tatsächlich zugetragen hat. Natürlich weiß man über diese Zeit heute nicht mehr sehr viel, aber diese Lücken füllt die Autorin gekonnt mit Phantasie und viel Gespür für diese Zeit und das Leben der sagenumwobenen Reitervölker Zentralasiens.     

Die Charaktere in dieser Geschichte sind allesamt sehr glaubwürdig. Kallisto ist keine Überheldin, sondern ein sympathisches Mädchen mit Ecken und Kanten, das in der Not über sich hinauswächst und erkennt, dass es sich lohnt, um etwas zu kämpfen. Sie überwindet ihre Schüchternheit, lernt aus ihren Fehlern und wird so im Laufe der Geschichte reifer und selbstbewusster. Damit wird sie für junge Leserinnen zum Vorbild. Doch auch Kallistos treue  Freunde Lila und Batu sind sehr sympathische Charaktere, die sich im Laufe der Geschichte weiterentwickeln.

Die Autorin hat ein enormes Wissen, was Pferde betrifft, und dieses Wissen lässt sie in ihre Geschichte mit einfließen. Und hier liegt dann leider auch der berühmte Hund begraben. Die Autorin verliert sich teilweise in viel zu detaillierten Beschreibungen, sie lässt sich seitenweise über irgendwelche Nebensächlichkeiten aus, was das Lesen des Buches teilweise zur Geduldsprobe werden lässt und bei weniger pferdebegeisterten Lesern schnell zu Langeweile führen könnte. Doch auch Speisen, Stoffe, Düfte usw. werden von der Autorin teilweise sehr weitschweifig beschrieben, wobei sie bei ihren Beschreibungen sprachlich oftmals über das Ziel hinausschießt. Dann leuchtet ein Pferdemaul schon mal "wie goldener Brokat" und ist "weich wie Samt aus Samarkand". Diese Detailverliebtheit der Autorin stört leider nicht nur den Lesefluss, sondern geht auch oft auf Kosten der Spannung.

 FAZIT

Eine flott erzählte und mit Abstrichen spannende Abenteuergeschichte mit einer liebenswerten Heldin. Ein anspruchsvoller und trotz seiner hier und da vorhandenen Längen sehr lesenswerter Jugendroman, der nicht nur Pferdenarren begeistern dürfte. Und mit einer guten Portion Ausdauer und Geduld beim Leser lassen sich auch die etwas langatmigeren Passagen locker meistern. 

Deine Meinung zu »Kallisto - Reiterin der Wüste«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Buch.