Whisper Island - Sturmwarnung

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Egmont INK, 2011, Titel: 'The Edge of Nowhere', Originalausgabe

Couch-Wertung:

7
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Almut Oetjen
Eine Gabe und ein Fluch

Buch-Rezension von Almut Oetjen Nov 2011

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Eine Gabe und ein Fluch"

Die vierzehnjährige Hannah Armstrong aus San Diego in Kalifornien kann die Gedanken anderer Menschen hören. Sie umgeben sie als ständiges Flüstern. Nur auf dem Friedhof hat sie Ruhe, weil dort niemand mehr denkt; oder wenn sie ihre AUD-Box trägt, die mit ihrem Rauschen das Flüstern überdeckt. Ihr Stiefvater Jeff Corrie benutzt Hannahs Gabe, um arglose Anleger um Millionen Dollar zu betrügen und dann seinen Geschäftspartner zu ermorden.

Als Hannah dies merkt, ist ihr Leben in Gefahr. Ihre Mutter Laurel hat eine alte Freundin auf Whidbey Island am anderen Ende des Landes, bei der sie sich unter dem Namen Becca King verstecken soll, bis Laurel in Kanada ein neues Zuhause für sie beide geschaffen hat. Doch als Becca auf der Insel eintrifft, ist die Freundin tot und Laurel auf dem Handy nicht mehr erreichbar.

Becca ist auf sich allein gestellt. Die Motelbesitzerin Debbie Grieder nimmt sie bei sich auf, auch der junge Seth Darrow und die Hundebesitzerin Diana Kinsale helfen ihr. Aber alle haben ein Geheimnis, trauen kann sie niemandem, auch Derric nicht, in den sie sich verliebt. Die Mädchen in der Schule schwärmen für ihn, vor allem die schreckliche Jenn, mit der Becca schon seit der Überfahrt auf der Fähre ewige Feindschaft verbindet. Seth hasst ihn, weil er denkt, seine Freundin Hayley habe ihn mit Derric betrogen.

Als Derric nach einem Sturz im Koma liegt, glaubt sein Adoptivvater Sheriff Dave Mathieson an einen Mordversuch. Er will unbedingt denjenigen finden, der den Krankenwagen gerufen hat. Das bringt Becca, die den Täter zu kennen glaubt, in Gefahr.  

Auch normale Teenager haben Probleme

US-Autorin Elizabeth George, die mit ihren Kriminalromanen um Inspector Thomas Lynley und Sergeant Barbara Havers seit mehr als zwanzig Jahren in den Beststellerlisten steht, legt mit "Whisper Island" ihr erstes Jugendbuch vor. Darin erzählt sie eine Geschichte, die anfangs den Eindruck vermittelt, man habe es mit einem Kriminalroman für Jugendliche zu tun, mit Becca als Mini-Havers. Tatsächlich benutzt George Elemente des Kriminalromans für Gesellschaftskritik und die Schilderung eines Teenagerlebens.

Erzählt wird lange Zeit aus der Perspektive der Heldin Becca, um danach zu Seth und dessen Ex-Freundin Hayley zu wechseln. Alle Menschen auf der Insel haben etwas zu verbergen, wie Becca am Flüstern erkennt. Doch da sie immer nur Bruchstücke hört und vieles nicht zuordnen kann, erfährt sie dadurch nichts Konkretes.

Wie in ihren Lynley-Havers-Romanen erzählt George nicht nur die "große" Geschichte ihrer Heldin, sondern verwebt sie mit den Geschichten ihrer Nebenfiguren zu einem komplexeren Ganzen. Das erfolgt in bewährter Manier durch vage Andeutungen, die zunächst für Verwirrung beim Leser sorgen, der sich fragt, wohin das führen soll und ob es überhaupt zu etwas führt, denn zeitweise gerät darüber die Hauptgeschichte ins Stocken. Doch George ist eine Erzählerin, der man vertrauen kann: sie weiß, was sie schreibt. Becca wird zunehmend in das Leben ihrer neuen Freunde hineingezogen, beeinflusst es und wird selbst beeinflusst, weil man nicht in einem Vakuum lebt, sondern immer Mitglied einer Gemeinschaft ist, auch wenn man sich isolieren und verstecken will. Die Handlung gewinnt wieder an Fahrt, am Ende werden Erzählstränge kunstvoll verknüpft, viele der Fragen beantwortet.

George schildert das Alltagsleben von Teenagern vor realem Hintergrund. Bis auf Becca sind es gewöhnliche Jugendliche, alle haben mit teils dramatischen familiären Problemen,  eigenen Schwächen und Orientierungsschwierigkeiten oder Vorurteilen anderer zu kämpfen. George gelingt es, ihre alltäglichen Probleme anzusprechen und Auswege aufzuzeigen. Nicht nur ihre anfangs pummelige, überforderte Heldin macht in einem harten Prozess einige wichtige Erkenntnisse fürs Leben.

Die Beschreibung der Insel mit ihrer Beschaffenheit, Vegetation, Witterung und ihren tierischen Bewohnern ist außergewöhnlich anschaulich, was nicht verwundert, da George seit Jahren auf Whidbey Island lebt und ihre Beschreibungen der Umgebungen steht präzise sind.  

Die Sprache des Romans ist einfach, klar und verständlich, mitunter aber stören formelhafte Wiederholungen von Fakten,  beispielsweise Ausführungen zur AUD-Box, mit der Becca das Flüstern übertönt. Der Stil ist mitunter etwas holprig, was an der Übersetzung liegen mag, die ein beschränktes Vokabular oder seltsame Formulierungen verwendet und zumindest einmal einen Name verwechselt: aus Carol Quinn wird Carol King (S.242) 

FAZIT

"Whisper Island" ist ein düsterer Roman mit wenigen Hoffnungsschimmern, der Jugendliche und ihre Probleme realistisch darstellt und ernst nimmt. Am Ende ist die Geschichte um Becca King noch nicht auserzählt: weitere Bände sind in Planung.

Whisper Island - Sturmwarnung

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