Blutrote Schwestern

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • PAN , 2010, Titel: 'Sisters Red', Originalausgabe

Couch-Wertung:

7

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Carsten Kuhr
Märchenvorlage an die heutige Zeit angepasst

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Nov 2011

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Märchenvorlage an die heutige Zeit angepasst"

Sie kennen die Gebrüder Grimm und ihre Märchen, die diese aus Volkssagen und Überlieferungen zusammengetragen haben? Generationen von Kindern wurden von Hexen und Wölfen erschreckt, haben sich in den Schlaf geweint. Nun aber, im Zeitalter der Ego-Shooter und Rollenspiele, der Horror-Romane und B-Movies, scheint die Zeit der Frage "Großmutter, warum hast du so große Zähne?"vorbei, schlicht nicht mehr zeitgemäß zu sein.

Jackson Pearce hat sich in ihrer Fairytales Retellings-Reihe die Aufgabe gestellt, die Märchen zu modernisieren und in eine der heutigen Zeit entsprechenden Fassung zu bringen. Als erstes Thema hat sie sich "Rotkäppchen" auserwählt, in Kürze wird ihre Bearbeitung von "Hänsel und Gretel" herauskommen.

Nun hat Pierces Roman recht wenig mit dem kleinen Mädchen, dem bösen Wolf und der gefressenen Oma zu tun.

Im Prolog lernen wir ein Geschwisterpaar kennen. Ihre Mutter hat sie verlassen, kümmert sich lieber um ihre Libido, die Männer und ihre Drogen. Sie wachsen behütet in einem kleinen Dorf bei ihre Großmutter auf.

Eines Tages wird ihr kleindörfliches Idyll jäh gestört. Ein Mann spricht sie an, ein Mann, der sich nicht nur gewaltsam Eintritt in ihr ärmliches Zuhause verschafft, sondern der sich auch verwandelt. Haare sprießen ihm, die Fingernägel verwandeln sich in tödlich scharfe Klauen, und schon fällt der Fenris über ihre Großmutter her. Nur dem tapferen Einsatz Scarletts, der älteren der Schwestern, ist es zu verdanken, dass die beiden Kinder überleben.

Seitdem treibt die damals schwer verwundete Scarlett nur noch ein Gedanke an – sie will die Fenrisse zur Strecke bringen, koste es, was es wolle. Zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Rosie und ihrem Freund aus Kindertagen begibt sie sich auf die Pirsch. Dass sie, die von Narben gezeichnet ist und nur noch ein Auge besitzt, dabei nichts anderes als die Jagd im Kopf hat, macht es für die sechzehnjährige Rosie nicht eben leicht. Zwar ist auch sie im Anlocken der Fenrisse versiert, weiß mit Axt und Messer umzugehen, doch regt sich in ihr der Wunsch nach mehr in ihrem Leben. Sie will Dinge ausprobieren, Kurse belegen, sich umschauen und austesten, ja sich vielleicht sogar verlieben. Doch all dies muss zurückstehen, weil sie ihre Schwester, der sie nicht nur ihr Leben verdankt, sondern die sie auch aufgezogen hat, schlicht dankbar ist und sie nicht allein lassen will. So zieht sie sich ihr rotes Mäntelchen an, sprüht sich mit Parfum ein und begibt sich dorthin, wo junge hübsche Mädchen, noch dazu alleine, nichts zu suchen haben – an einsame Ecken, in Wälder und Niederungen oder den Großstadtdschungel Atlantas, um den Lockvogel zu spielen....

In Details brutale, aber auch packende Werwolfgeschichte

Märchen waren und sind immer brutal in der Art und Weise, wie sie ihre Geschichte erzählen. Das war bei den Gebrüdern Grimm so, und dies ist bei Jackson Pearce nicht anders. So sind die Wölfe, vorliegend geschickt und passend nicht als Werwölfe, sondern als Fenris bezeichnet, beileibe keine weichgespülten Gestaltwandler, die dem Guten verpflichtet über die Sicherheit ihrer Angebeteten wachen, sondern sie sind Bestien! Tiere, die von ihrer animalischen Gier nach Blut und nach dem Reißen der Beute getrieben und bestimmt werden. Und genau so handeln sie auch. Da werden Gliedmaße abgerissen, Bäuche aufgeschlitzt, Blut geschlürft und Innereien verspeist. Das hat Gewaltpotenzial, ist in der Ausführung deutlich, ja schonungslos, und sicherlich eher für nicht allzu zartbesaitete Leser geeignet.

Neben dieser in sich überzeugenden Zeichnung der Bestie Fenris aber, und das ist das Besondere an diesem Buch, gelingt es der Autorin, eine ergreifende Geschichte einzuflechten. Dabei beziehe ich mich weniger auf die sich anbahnende Love-Story um Rosie, sondern um die Art und Weise, wie Pierce die Beziehung der Schwestern zueinander darstellt. Obwohl, vielleicht aber auch gerade weil sie so verschieden sind, und sicherlich auch, weil sie allein in einer feindlichen Welt aufwachsen, ist die Bindung der Schwestern zueinander sehr tief.

Jede der beiden, und das kommt bei der Lektüre klar heraus, ist bereit, für die Schwester ihr Glück und ihr Leben zu opfern, sich selbst zurückzunehmen bis hin zur Selbstverleugnung. Die fast manisch zu nennende Besessenheit Scarletts, die nur durch die erfolgreiche Jagd befriedigt werden kann, droht diese Nähe zu zerstören. Obwohl Scarlett dies weiß, kann sie von ihrer Sucht, der Jagd nach den Wölfen, nicht lassen. Gerade im Höhlengleichnis von Platon, das beide Schwestern für sich selbst jeweils ganz unterschiedlich auslegen, wird deutlich, dass sie sich weiterentwickeln müssen, dass Abstand und die Suche nach eigener Erfüllung unabdingbar dafür sind, dass ihre Liebe zueinander weiterbestehen kann. Diese leisen Zwischentöne prägen bei all den packenden, blutigen Kämpfen das Buch.

Einzig das dem Buch zugrunde liegende Rätsel offenbart sich dem Leser ein wenig zu früh, ist letztlich ab der Mitte des Romans absehbar, auch wenn unsere Schwestern viel länger als wir benötigen, die Lösung zu finden. So wartet ein spannender, blutiger Roman auf den Leser, der gerade durch die familiären Zwischentöne zu überzeugen weiß.

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