Zweilicht

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • cbj / cbt, 2011, Originalausgabe

Couch-Wertung:

9

Leser-Wertung

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Anja Helmers
Grandioses Kopfkino

Buch-Rezension von Anja Helmers Okt 2011

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Grandioses Kopfkino"

Eines Nachts führt Night die beiden Mondmädchen Mo und Cinna in ein Haus, um ihnen einen schlafenden Menschenjungen zu zeigen. Die Ältere will den erst einen Sommer alten Mädchen die Gefährlichkeit von Menschen und ihren Träumen vor Augen führen. Die Anschauungsstunde entwickelt sich nicht wie geplant. Anstatt Nights Lektion zu verinnerlichen, dass es ratsam ist, sich von ihnen fernzuhalten, fühlt Mo sich unwiderstehlich von dem Jungen angezogen. Nur mit Gewalt kann Night sie zwingen, das unheimliche Haus wieder zu verlassen und sich zu ihren wartenden Gefährten zu begeben.

Der siebzehnjährige Jay ist erst seit einigen Tagen in New York. Als deutscher Austauschschüler ist er ein Exot an der Highschool in Brooklyn, der sich erst eingewöhnen muss. Von allen Mitschülern interessiert ihn besonders die geheimnisvolle Madison mit ihren dunklen Indianeraugen. Hartnäckig verfolgt er sein Ziel, ihr näher zu kommen, und ist glücklich über erste kleine Erfolge, als sie ihm ihre Telefonnummer gibt und bereit ist, mit ihm ins Kino zu gehen.

Er wohnt bei seinem Onkel Matt und seinem Cousin Aidan in einem typischen Männerhaushalt, in dem Jay sich meistens sich selbst überlassen ist. Doch Jay ist froh, seiner Mutter entronnen zu sein, und plant, nie wieder nach Deutschland zurückzukehren. Er liest weder ihre SMS noch ruft er sie an, denn sie hat ihn lange genug mit Vorwürfen gequält, er wäre ebenso wie sein Vater. Sein Vater, ein abgedrehter Freak, der sich selbst Zweiherz nannte, und der vor wenigen Monaten bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Jay hat seinen Vater kaum gekannt, ihn als Zehnjähriger einmal gesehen, und nun hat er als Andenken nur ein Bündel Postkarten, die Zweiherz ihm während der letzten drei Jahre geschickt hatte. Wirre Postkarten, mit unverständlichen, düsteren Texten. In der Letzten wiederholen sich die Worte "wenn Wendigo über die Seele siegt", und sie endet mit den Sätzen: "Es geht immer um das Abschiednehmen, Sohn. Wir müssen lernen, die Abschiede zu umarmen."

Auf den ersten Blick ist nicht ersichtlich, was Mo, Cinna und Night, ganz offensichtlich Wesen aus einer anderen Welt, mit der normalen, realen Welt Jays zu tun haben. Nina Blazon ist eine Meisterin des Erzählens, es ist einfach grandios, wie es ihr gelingt, die beiden unterschiedlichen Stränge miteinander zu verknüpfen. Das Buch beginnt mit aktions- und dialogreichen, schnellen Szenenwechseln, die spannend sind, einen aber etwas verwirrt dastehen lassen. Jays Schulalltag, seine Verliebtheit, sein Leben in der chaotischen Werkstatt-Wohnung seines Onkels Matt, sein gespaltenes Verhältnis zu seinem Cousin Aidan, alles erscheint normal, bis man dann über Stellen oder Details stolpert, an denen man denkt: "Okay, was soll das jetzt? Sehr merkwürdig!"

Aber das übergeht man, weil es so spannend ist, liest zügig weiter, ohne ernsthaft zu grübeln. Dann wird das ganze Verwirrspiel nochmals ein Stufe höher geschraubt, als ein fremdes Mädchen namens Ivy auftritt und Jays Gefühle durcheinander bringt. Mit Ivys Auftauchen geschehen immer seltsamere Dinge, und Jays Realität bekommt solche Risse, dass er anfängt, an seinem Verstand zu zweifeln.

Leser, die eine gradlinige, epische Fantasygeschichte erwarten, kommen damit vielleicht nicht so gut klar, aber wer überraschende Wendungen und facettenreiche Geschichten mag, ist hier bestens aufgehoben. Alle Fäden werden zusammengeführt, Stolpersteine finden eine Erklärung. Im Laufe der Handlung ergeben sich einige unglaubliche Aha-Effekte, die alles in einem gänzlich anderen Licht erscheinen lassen und zeigen, wie intelligent die Autorin die Geschichte konzipiert hat.

Neben dem spannenden Konzept bieten vielschichtige, authentische Charaktere sowohl bei den Haupt- wie bei den Nebenfiguren einen großen Leseanreiz. Jay, groß, sportlich, eher der schweigsame Typ, aber zu Ausrastern neigend. Madison, geheimnisvoll, zurückhaltend, aber eigenständig, verweigert sich den üblichen Normen, denn sie hat weder ein Handy, noch ist sie in einem der Social Media Netzwerken vertreten. Ivy, die kratzbürstige Kämpferin,verhält sich überaus seltsam in Jays Augen.
Da Jay und Madison beide Science-Fiction-Filme lieben, können Anhänger dieses Genres einige Anspielungen auf mehr oder weniger bekannte Werke des Kinos entdecken.
Sehr gelungen ist der Autorin auch die Vermischung von indianischer Mythologie und der Faszination eines so bekannten Schauplatzes wie New York. Mythen und Märchen ziehen auch heute noch viele Leser in ihren Bann, und New York ist die Stadt der Träume und Sehnsüchte. Eine Stadt, die automatisch Assoziationen auslöst, die Stadt mit der unverwechselbaren Skyline, die Stadt der Wolkenkratzer und Penthäuser, aber auch der Obdachlosen, der Spinner und Träumer. In "Zweilicht" wird die Stadt all ihrer Pracht beraubt, sie ist verfallen, überwuchert, und trotzdem immer noch großartig. Dämonisch prachtvoll und im Winter eiskalt erstarrt.

Nina Blazon schafft wundervolle Bilder, ohne auswälzende Beschreibungen. Sie schreibt durchdacht bis ins Detail, dabei atmosphärisch packend. Sie entwirft in einer brutalen, menschenfeindlichen Zukunft eine dramatische Liebesgeschichte mit anrührenden Momenten   und inmitten aller Düsternis Lichtblicke der Schönheit.
"Zweilicht" ist ein herausragender dystopischer Roman, der ein breite Leserschaft im All Age-Bereich verdient hat. Ganz großes Kopfkino, das zum wiederholten Lesen reizt.

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