Durchgebrannt

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2011, Originalausgabe

Couch-Wertung:

9
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Rita Dell'Agnese
Vom Wunsch nach Normalität

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2011

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Vom Wunsch nach Normalität"

Florian hatte sich so auf das Fußballcamp an der Nordsee gefreut. Und nun das! Weil seine Schwester Sarah im Krankenhaus gegen ihren Krebs kämpft, ist kein Geld für das Camp mehr da. Dabei wollte Florian im Camp doch seinem Schwarm Ricarda näher kommen. Und ein paar unbeschwerte Tage ohne das sich ständig ums Krankenhaus drehende Thema erleben. Denn Florian leidet darunter, dass seine Eltern ihn nicht mehr wahrnehmen, seit Sarah krank ist. An Sarahs 18. Geburtstag versammelt sich die ganze Familie im Krankenhaus. Florian sieht, dass es seiner Schwester nicht gut geht und flüchtet. Kurz entschlossen haut er ab und fährt ins Camp. Aber er kann sich von seinen Sorgen um Sarah nicht lösen.

Es ist eine Geschichte, die viele erleben: Plötzlich dreht sich alles um eine bestimmte Person. Dass Florian seine Schwester liebt und ebenfalls unter ihrer Krankheit leidet, geht in der Sorge der Eltern unter. Florian fühlt sich allein gelassen und auch überfordert. Davon, dass er nicht weiß, wie es mit Sarah weiter geht. Und auch davon, dass ihm etwas fehlt, was bei seinen Freunden da ist: Normalität. So ist sein Wunsch, ins Camp zu fahren und dort Party zu feiern, absolut verständlich. Und doch muss Florian erkennen, dass er seinen Gefühlen nicht davonlaufen kann. Das hat Kristina Dunker in ihrem Roman sehr gut aufgefangen. Sie zeigt den Prozess auf, den Florian durchmacht.

Aber in "Durchgebrannt" geht es nicht nur um die Geschichte von Florian. Es geht auch um die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher, die sich gegen einen Einzelnen verschliesst und diesen mobbt. Lennart stellt sich aber auch zu doof an, in den Augen der Anderen. Nicht nur, dass er ständig Essen in sich hinein stopft, er versucht auch ständig, bei allem mit dabei zu sein. Und verrät außerdem die Gruppe an die Campleiter. Ganz abgesehen davon, dass er auf dem Fußballplatz eine schlechte Figur macht. Erst als Florian erkennt, welche Dynamik in der Gruppe herrscht und wie schnell es passieren kann, vom Mittelpunkt an den Rand geschoben zu werden, sieht er die ganze Sache mit anderen Augen.

Der Roman über den sich nach Normalität sehnenden Jungen vereinigt verschiedene Facetten. Es sind die Gefühle, die jeder von sich selber kennt, denen ein grosser Stellenwert zukommt: Das Gefühl, von den Eltern im Stich gelassen zu werden, die Schwärmerei für Ricarda und das Selbstbewusstsein, beliebt zu sein, das plötzlich einen Dämpfer bekommt. Auch das schlechte Gewissen gegenüber Sarah und den Eltern, die Zerrissenheit zwischen verschiedenen Empfindungen und der Wunsch nach Normalität gehören dazu. Kristina Dunker beschreibt sehr eindrücklich, wie sehr Florian unter diesem Gefühlschaos leidet.

Eine weitere Facette ist die Gruppendynamik im Camp, die sehr gut herausgearbeitet ist. Freundschaft, Liebe und Feindschaft oder Ablehnung spielen eine wichtige Rolle. Und auch die Erkenntnis, dass manche Menschen hinter ihrer Fassade oft einige nicht ganz so schöne Wesenszüge verbergen, andere dafür umso attraktivere.

FAZIT

So ist "Durchgebrannt" letztlich ein feinfühliger Roman, der das Gefühl gibt, auch einmal nicht so gut drauf sein zu dürfen. Und der zeigt, dass man niemals vor sich selber weglaufen kann – man nimmt seine Gedanken immer mit.

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