Dunkle Wasser

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Coppenrath, 2011, Titel: 'The River', Originalausgabe

Couch-Wertung:

7
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Almut Oetjen
Die dunkle Seite des Landlebens

Buch-Rezension von Almut Oetjen Aug 2011

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Die dunkle Seite des Landlebens"

Veronica Severance, genannt Ronnie, zieht mit ihren Eltern aus dem abwechslungsreichen und schnelllebigen Portland/Oregon in das verschlafene Nest Hoodoo. Dort betreiben die Eltern einen Landgasthof am Ende einer Sackgasse, tief in den Wäldern, am Fluss Santiam. Ronnies Mutter, die in Portland eine eigene Kochshow hatte, führt den Gasthof. Ronnie ist unglücklich, ihr Leben spielt sich ab zwischen dem neuen Zuhause und der High School mit den von ihr wenig gemochten Hinterwäldlern. Abwechslung bringt ihr das Laufen in der Natur. Bei dieser Gelegenheit lernt sie die zehnjährige Karen kennen. Sie arbeitet manchmal als Babysitter für Karen und freundet sich mit ihr an. Karen vermittelt Ronnie einen völlig neuen Blick auf die Welt, die plötzlich faszinierend, mysteriös und abenteuerlich wird. Eines Tages findet Ronnie den leblosen Körper Karens im Fluss. Die Autopsie ergibt, dass Karen ermordet wurde. Während Sheriff McGarry und die Kriminalpolizei den Fall bearbeiten, läuft das Leben in Hoodoo normal weiter. Bis Ronnie sich unwissentlich in den Mordfall verstrickt.

Mary Jane Beaufrand hat mit "Dunkle Wasser" einen stimmungsvollen Thriller geschrieben. Die Naturbeschreibungen sind wirkungsvoll. Der Fluss und die Wälder sind voller Geheimnisse und wichtige Bestandteile der Handlung. Wie sich der Fluss durch die Landschaft zieht, so ist die Gegenwartshandlung mit Rückblicken durchzogen. Legenden aus der Vergangenheit beeinflussen die Sicht der Menschen auf den Fluss, dessen Geräusche für Ronnie zu einer Stimme werden, die ihr Botschaften zuflüstert. Die Menschen haben Probleme und träumen von einer besseren Zukunft. Ronnies Eltern wagen einen Neuanfang jenseits der hässlichen Seiten Portlands, der drittgrößten Stadt des Pazifischen Nordwestens. Ronnies Vater war dort Pflichtverteidiger und wollte nach einem Zusammenbruch in Folge der Verteidigung zu vieler übler Zeitgenossen sein Leben ändern. Ronnies Freundin Gretchen ist drogenabhängig und jobbt, um sich das Geld für ein Studium zusammenzusparen.

Karens Wasserleiche wird schon zu Beginn der Handlung gefunden, und Karen spielt in der Folge nur in den Erinnerungen Ronnies eine Rolle. Erzählt wird die Geschichte in einfachen Worten von Ronnie. Sie ist sofort zu verstehen, ohne dass man weiter über sie nachdenken muss. Ronnie ist oberflächlich beschrieben. Wir erfahren wenig mehr über sie, als dass sie läuft, welche Musik sie hört, welchen Film sie gerne sieht. Dies ist vermutlich eine Folge der konsequenten Ich-Perspektive, aber es hätte mehr Möglichkeiten gegeben, Ronnie indirekt mit weiteren Eigenschaften zu versehen. Zu einem sehr geringen Teil geschieht dies auch, aber als Identifikationsfigur, die uns Leser durch die Handlung führt, ist es etwas wenig. Der Lesegenuss ergibt sich allein aus der stimmungsvollen Erzählung.

Ein wenig irritierend könnte für manche Leser sein, dass die Geschichte um Karens Tod im Mittelteil des Romans hinter den anderen Ereignissen zu verschwinden droht. Ronnie himmelt Keith an, der mit Gretchen befreundet ist, Tomás ist in Ronnie verliebt. Es kommt zu der bekannten Situation des Mädchens zwischen zwei Jungen, die sich irgendwann als Rivalen eine Schlägerei liefern. Keith und Gretchen verhalten sich eigenartig.

Zu Beginn der Geschichte ist Ronnie eine Memme. Sie leidet unter dem Wegzug von ihrem geliebten Zuhause, fühlt sich in Hoodoo isoliert, macht aber dann doch eine Entwicklung durch, die sie reifen lässt.

FAZIT

Der clever konstruierte Thriller ist spannend erzählt, erst am Ende wird die Frage nach Täter und Motiv geklärt. Die Ermittlungsarbeit durch die Polizei läuft weitestgehend im Hintergrund ab. Die Aufklärung ist ein wenig verstörend, aber dennoch unproblematisch.  

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