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Corinna Abbassi-Götte
ein märchenhaftes Wüstenabenteuer

Buch-Rezension von Corinna Abbassi-Götte Jul 2011

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "ein märchenhaftes Wüstenabenteuer"

[Jugendbuch des Monats - Juli 2011]
Als die junge Finja den charismatischen Chalil auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt das erste Mal sieht, fühlt sie sich sofort zu ihm hingezogen. Zu ihrer Überraschung entpuppt sich Chalil als Student ihres Vaters, der ihre Gefühle zu erwidern scheint. Doch unglücklicherweise entstammt er einer reichen Scheichfamilie aus Dubai, und sein Deutschlandaufenthalt nähert sich dem Ende.
Als ihr Vater einer Einladung nach Dubai folgt, um dort den Bau von Solaranlagen zu begleiten, besucht Finja ihn über die Weihnachtsfeiertage. Doch es ist vor allem die Aussicht, Chalil wiederzusehen, die ihr Herz höher schlagen lässt.
Kaum in Dubai angekommen muss sie jedoch erkennen, dass Chalil vielleicht nicht der ist, für den sie ihn gehalten hat, und dass er als ältester Sohn und zukünftiger Scheich strengen Regeln unterworfen ist, die eine Beziehung zu Finja unmöglich machen.

Bereits das erste Zusammentreffen von Finja und Chalil hat es in sich. Trotz des lebhaften Weihnachtsmarktes, trotz des Trubels und der vielen Lichter um sie herum, sticht Chalil durch seine überlegende Gelassenheit aus der Masse hervor und bringt Finjas Welt für einen Moment ins Stocken. Sein gutes fremdländisches Aussehen tut sein übriges, um ihn in Finjas Vorstellung zu ihrem Wüstenprinzen zu machen. Äußerst attraktiv beschreibt Christine Lehmann Chalil, und als Leser kann man Finjas Gefühle voll und ganz nachvollziehen.
Vor allem im direkten Vergleich mit den anderen Studenten ihres Vaters liegt Chalil durch seine intelligente und tolerante Art weit vorn, und mehr und mehr wird er auch in der Vorstellung des Lesers zu einem arabischen Helden, wie man ihn in den Märchen aus 1001 Nacht gern findet.

Als deutlich wird, dass Chalil sich auch zu Finja unwiderstehlich hingezogen fühlt, scheint sicher zu sein, dass das kurze Zusammentreffen auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt nicht nur Zufall war, sondern für beide zukunftsbestimmend ist.
In Dubai erlebt Finja dann jedoch eine große und nicht wirklich freudige Überraschung.

Während man gemeinsam mit Finja in diese völlig fremde Welt eintaucht, ja nicht nur eine andere Kultur, sondern zugleich unermesslichen Reichtum kennenlernt, wartet man gespannt darauf, wie es mit den beiden weitergeht.
Doch zunächst geht es eben nicht weiter.

Bewundernswert ist, wie Christine Lehmann es schafft, die farbenprächtige Welt Dubais vor den Augen des Lesers aufzubauen. Nach und nach fließen sämtliche Informationen ein, die man zum Verständnis braucht und die für Finjas und Chalils Zukunft entscheidend sind. Deutlich wird dabei, wie anders die arabische Kultur und wie traditionsbewusst dieses Land noch immer ist. Es gibt viele schöne Dinge dort, aber eben auch viel, das dringend einer Modernisierung bedarf. Durch Finja verliert man jedoch nie den Bezug zur deutschen Kultur. Erst langsam, dann aber immer intensiver, stellt sich heraus, wie stark und selbstbewusst Finja ist. Ihre Bereitschaft, Kompromisse einzugehen und sich anzupassen, kommt völlig authentisch daher. Hilfreich ist hier sicherlich ihre schon immer existierende Liebe zu den arabischen Märchen. Ein Buch über die "Märchen aus 1001 Nacht" ist ihre persönliche Bibel – und trotzdem besitzt sie kein verklärtes Bild von Chalil und seinem Leben. Dies ist auch gar nicht möglich, da sie durch Chalils Schwester Funda und ihren Vater auf die unterschiedlichen Probleme im Land hingewiesen wird. Vor allem ihr Vater raunt ihr immer wieder den ein oder anderen Tipp zu, durch die man sehr deutlich merkt, wie versiert er mittlerweile in angemessenem Verhalten ist. Dass er nicht begeistert ist, als er die Tragweite von Finjas Gefühlen erkennt, kann man ihm nicht vorwerfen.
Und egal, aus welcher Sicht man gerade etwas über Dubai erfährt, Christine Lehmann verfällt nie in Klischees oder Vorurteile. Durch sämtliche Personen und ihre Meinungen und Handlungen offenbart sich ein komplexes und interessantes Bild des Landes.
Finja scheint die Einzige zu sein, die sich hin und wieder in Vorurteilen verliert, was sehr amüsant ist, denn dies geschieht immer nur dann, wenn sie wütend oder enttäuscht ist.

Seit man weiß, dass Chalil der erstgeborene Sohn und damit das nächste Oberhaupt seiner Familie mit sämtlichen Verpflichtungen sein wird, macht man sich Gedanken darüber, ob die beiden es schaffen, zusammen zu sein.
Die Lösung, die Christine Lehmann findet, stimmt durch ihre Authentizität versöhnlich.
Zeit ist hier das Zauberwort. Es gibt für alles die richtige Zeit.

Über weite Strecken des Buches hat man das Gefühl, selbst ein Märchenbuch in der Hand zu haben. Ob es um die Königin von Saba geht, um Scheherezade, um Salah und die tödlich schöne Prinzessin Morgan, oder um die Geschichte des Mädchens Abra, die Chalil liebt, oder um Chalil selbst – Geschichten, die in "Die Rose von Arabien" erzählt werden, werden stets als Märchen zelebriert – ob sie es nun sind oder nicht. Dazu die Wüste Dubais, in der der größte Teil der Handlung stattfindet, der Hauch von Gefahr und Gefühl, Gefühl, Gefühl.

Abschließend muss hier unbedingt noch die wunderschöne Aufmachung des Buches erwähnt werden. Vor allem die gewählten Schriftarten - Esprit book und Vineyard – fallen überaus positiv auf.

FAZIT

Ein wenig "Aschenputtel", ein wenig "Es waren zwei Königskinder", ein wenig "Romeo und Julia" – "Die Rose von Arabien" bietet alles, was man von einer tiefgründigen Liebesgeschichte erwartet: Herzschmerz, Sehnsucht, das Aufeinanderprallen zweier sehr unterschiedlicher Kulturen, ein starkes junges Mädchen und ein höllisch attraktiver junger Mann in einem märchenhaften Umfeld.

 

Mehr Informationen zu "Die Rose von Arabien" gibt es im Interview mit Christine Lehmann!

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