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Corinna Abbassi-Götte
ein eindringliches Gedankenexperiment

Buch-Rezension von Corinna Abbassi-Götte Mär 2011

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "ein eindringliches Gedankenexperiment"

Nach "Nichts – was im Leben wichtig ist" bietet Janne Teller erneut ein eindringliches Gedankenexperiment: "Krieg – Stell dir vor, er wäre hier".
Durch einen schlichten Perspektivenwechsel zeigt die dänische Autorin, was es bedeutet, ein Kriegsflüchtling zu sein.

Ursprünglich unter dem Titel "Wenn Skandinavien im Krieg läge" als fiktiver Essay für eine Lehrerzeitschrift entstanden und bereits 2004 in Dänemark als Buch veröffentlicht, ist "Krieg – Stell dir vor, es wäre hier" erst 2011 - nach dem Erfolg des vieldiskutierten "Nichts – was im Leben wichtig ist" - in Deutschland erschienen.

Im Gegensatz zur Ursprungsfassung lässt Janne Teller den Krieg in der deutschen Fassung in Deutschland beginnen und hat als Kriegsauslöser den wirtschaftlich-sozialen, nationalistischen Zusammenbruch der Europäischen Union gewählt.
Wie bereits in der dänischen Fassung führt sie dem Leser vor Augen, wie dessen eigenes, sicheres Leben durch einen Krieg im eigenen Land zerstört werden kann. Und damit konzentriert sie sich in erster Linie auf die Auswirkungen des Krieges auf den Menschen, erzählt am Beispiel eines 14jährigen Jungen und seiner Familie.
Janne Teller beginnt mit einer Lawine aus Fragen an den Leser, die diesen innerhalb kürzester Zeit auf recht eindringliche Weise mitten hinein in das heimatliche Kriegsgebiet und damit in die Situation des 14jährigen führen.
Die Stadt ist zerstört, der Bruder hat sich gegen den Willen der Eltern der Milizia angeschlossen, die Mutter ist krank und wird den kommenden Winter nicht überstehen, die Schwester wurde durch Granatsplitter verletzt und liegt im Krankenhaus, in dem es an allem fehlt, die Großeltern sind umgekommen. Es gibt keine Heizung, kein Essen, kein Wasser. Heckenschützen lauern zwischen den zerstörten Häusern und die Angst um das eigene Leben, die Freunde und die Familie ist allgegenwärtig.

In einer Mischung aus abgeklärter Darlegungsweise und deprimierender Darstellung der Empfindungen des 14jährigen legt Janne Teller im weiteren Verlauf den Weg der gesamten Familie dar, die zwar das Glück hat, dem Krieg im eigenen Land zu entkommen, deren Leidensweg damit jedoch noch lange nicht endet. Auf nüchterne, ungeschönte Weise, und daher umso beklemmender, erfährt der Leser, welche hauptsächlich seelischen Auswirkungen das Flüchtlingsleben mit sich bringt. Vom Leben im Wohlstand und vor allem mit Würde ist nicht viel übrig im fernen Ägypten als Mensch dritter Klasse, der sich zwar irgendwann an die gänzlich andere Lebensweise anpasst, aber nie heimisch wird.

Janne Teller lässt dem Leser gar keine andere Chance, als sich voll und ganz auf ihr Gedankenexperiment einzulassen. Die nicht einmal 60 Seiten umfassende Lektüre, die wie ein Reisepass gestaltet und mit eindrucksvollen Illustrationen von Helle Vibeke Jensen versehen ist, regt eindeutig zum Nachdenken an.
Ob der Krieg nun wie in der Ursprungsfassung in Dänemark ausbricht oder wie im vorliegenden Buch in Deutschland – Janne Tellers "Krieg – Stell dir vor, er wäre hier" lässt sich selbstverständlich auf jedes Land beziehen und ist nicht überall Fiktion.

Im Nachwort erzählt Janne Teller, dass Migration das Thema des Buches ist, die Begegnung der Kulturen und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen. Ob man sich als Gast oder als Gastgeber sieht, durch "Krieg – Stell dir vor, er wäre hier" wird deutlich, wie schnell sich diese Position ändern kann. Als Einladung an das Vorstellungsvermögen, als Einladung, das Leben der anderen nachzuvollziehen, sich also ein Schicksal vorzustellen, das hoffentlich nie das eigene sein wird, bezeichnet Teller ihr Werk und zeigt, dass alle Menschen gleich geschaffen wurden und jeder die Menschen so behandeln soll, wie er selbst von ihnen behandelt werden will.

FAZIT

Vom Gastgeber zum Flüchtling, vom Wohlstandsbürger zum Menschen dritter Klasse – Janne Teller bietet dem Leser mit "Krieg – Stell dir vor, er wäre hier" ein beklemmendes Gedankenexperiment und gleichzeitig ein Plädoyer für mehr Respekt!
Sich aus sicherer Position nur einmal vorstellen, wie es wäre, wenn Krieg ausbricht und man selbst zum Flüchtling wird - auf nicht einmal 60 Seiten zwingt Janne Teller dem Leser förmlich die Rolle des 14jährigen Flüchtlings auf, und lässt ihn auf nüchterne Weise, dafür aber umso eindringlicher spüren, wie es ist, nicht nur seine Heimat, sondern ebenso seine Würde zu verlieren. Eine erschreckende Vision!

 

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