Jungs auf Skype

  • Baumhaus
  • Erschienen: Januar 2010
  • Baumhaus, 2010, Originalausgabe
Jungs auf Skype
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Corinna Abbassi-Götte
8

Jugendbuch-Couch Rezension von Corinna Abbassi-Götte Nov 2010

eine besondere Freundschaft

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "eine besondere Freundschaft"

Brieffreundschaft-Romane waren gestern …
Heute kommunizieren Jugendliche per SMS, chatten oder schreiben sich E-Mails. Dass man anhand dieser diversen moderneren Kommunikationsmöglichkeiten wunderbare Geschichten erzählen kann, ist längst klar, und so basiert "Jungs auf Skype" nicht unbedingt auf einer neuen Idee.
Und doch fällt diese Freundschaftsgeschichte aus dem Rahmen, denn selten liest man trotz dieser speziellen Erzählweise – chatten über Skype und damit überwiegend kurze Nachrichten - über eine engere Freundschaft zwischen zwei Jungs.

Erfreulich ist, dass die beiden Jungs aus unterschiedlichen Verhältnissen kommen.
Auf der einen Seite ist da der 13jährige Überflieger Jens, dessen Familie wenig Geld hat, der dementsprechend "nur" einen alten Aldi-Computer hat, und sich schließlich mit einem Nebenjob ein wenig hinzuverdient.
Auf der anderen Seite steht der Industriellensohn und mittelmäßige Schüler Victor, 14 Jahre alt, der natürlich mit der neuesten Technik ausgestattet ist, dieses aber nicht wichtig nimmt.
Jens und Victor unterhalten sich tagtäglich per Skype über alles, was ihnen gerade wichtig ist: Schule, Familie, Hobbys, Pläne, Mädchen und viel mehr.
Einzelne Themen werden dabei meist nicht bis ins kleinste Detail ausdiskutiert; oft werden auch nur Fakten genannt oder ein kurzes Statement gegeben.
Dass sie sich gegenseitig "zuhören" und nicht vergessen, was der andere erzählt hat, wird vor allem deutlich, wenn Nachfragen gestellt werden, an ein Tage zuvor angeschnittenes Thema angeknüpft oder ein Detail einfach noch einmal erwähnt wird.
Sie wissen sehr gut, wie es im Leben des anderen gerade aussieht, und zeigen Interesse.
Auf diese Weise erkennt man als Leser, wie eng die Freundschaft der beiden ist.
Sie kennen sich sehr genau und müssen eben nicht alles erklären, und vor allem können sie auch über sensible und unangenehme Dinge sprechen, vertrauen sich voll und ganz. Und wenn sich der eine einmal nicht beim anderen zurückmeldet, kommt irgendwann die Sorge, dass etwas passiert ist.

Da es sich zudem um inhaltsreiche und alles andere als oberflächliches Gespräche handelt, ist es interessant und macht Spaß, ihnen zu folgen.
Dabei vergisst man recht schnell, dass beide vor einem Computer sitzen und sich "nur" relativ kurze Nachrichten schreiben. Im Hintergrund eröffnet sich durch wenige Informationen die volle Bandbreite des Lebens, das beide führen, und hier gibt es selbstverständlich diverse schwerwiegende Veränderungen.
Während Jens endlich seinen Vater kennenlernt und sich die finanzielle Situation der Familie extrem verbessert, lassen sich Victors Eltern scheiden, und bei ihm muss plötzlich gespart werden. Gerade während dieser nicht gerade leicht wegzusteckenden, einschneidenden Veränderungen zeigt sich wieder, wie wichtig beiden ist, sich dem anderen mitteilen zu können – im Vertrauen, mit ehrlicher Offenheit, immer der eigenen Meinung und ohne Angst, sich selbst eine Blöße zu geben.
Und wenn es nötig ist, tritt der andere in Aktion, um zu helfen.

Besonders erwähnenswert ist also, dass Bärbel Körzdorfer es schafft, allein durch Chat-Gespräche und hin und wieder eine nur um weniges längere E-Mail ein komplexes Bild sowohl der Freundschaft der Jungs als auch ihrer Lebenssituationen zu schaffen.
Dass sich die beiden in ihrer Freizeit regelmäßig treffen, natürlich zur Schule gehen und diverse Hobbys betreiben, ist von Anfang an klar, so dass nicht eine Sekunde lang der Eindruck entsteht, sie würden von morgens bis abends nur vorm Computer sitzen.
Zum Schmunzeln gibt es ebenfalls genug, ob es sich nun um spontane Listen zu den verschiedensten Themen handelt, um einen der vielen Sprüche, die natürlich fallen, oder um kuriose Schulerlebnisse, die erzählt werden.

FAZIT

Bärbel Körzdörfer erzählt mit "Jungs auf Skype" von einer bewundernswert engen Freundschaft zwischen zwei überaus sympathischen Jungs. Dass spannende Bild dieser Freundschaft entfaltet sich allein über die Kommunikation per Skype, was der Komplexität keinen Abbruch tut. Im Gegenteil! Dass Jens und Victor über alles reden können und sich vorbehaltlos vertrauen, wird auf diese Weise umso deutlicher, und neben Mitlachen und Mitleiden hofft man, dass jeder Leser einen sogenannten abfel (= allerbester Freund fürs ewige Leben) besitzt.

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