Boot Camp

Erschienen: Juni 2007

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel Boot Camp; aus dem Englischen von Werner Schmitz; Taschenbuch, 288 Seiten

ISBN: 9783473582556

Couch-Wertung:

7

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Yannic Niehr
Ein unterhaltsamer und spannender Jugendthriller

Buch-Rezension von Yannic Niehr Aug 2010

„Deine Eltern haben dich nach Lake Harmony geschickt, weil sie dich lieben!“

Herausgerissen aus seinem Leben: Connor Durrell wird von seinen Eltern nach Lake Harmony zwangsverfrachtet. Dabei handelt es sich um eine „Besserungsanstalt“ für sozial auffällige Jugendliche. Eigentlich hat Connor sich verhältnismäßig wenig zuschulden kommen lassen – doch ist sein Verhältnis mit der 10 Jahre älteren Lehrerin seinen Eltern (ein erfolgreicher Rechtsanwalt und eine Krisenmanagerin mit eigener Firma, hohe Tiere also) ein Dorn im Auge.

Schnell wird klar, dass es sich bei Lake Harmony um ein knallhartes Bootcamp handelt. Misshandlungen physischer wie psychischer Natur sind an der Tagesordnung, die schlimmsten Züchtigungen werden von den Aufsehern zum Selbstschutz an die bravsten (heißt: bereits hirngewaschenen) Insassen delegiert. Dabei scheinen die tatsächlichen Vergehen der Jugendlichen bzw. die moralische Rechtfertigung der extremen Strafmaßnahmen keine große Rolle zu spielen – solange die Eltern fleißig die Gebühren zahlen, fühlen sich die Aufseher (allen voran der sadistische Joe) verpflichtet, die Kids unter Zwang zu brechen, umzupolen, von „Fehltritten“ zu überzeugen und als die Menschen zurück nach Hause zu schicken, die Mama und Papa haben wollen.

Die kaum auszuhaltende Situation treibt Connor mehr und mehr an den Rand der Verzweiflung. Einzig der schwächliche (und damit eine perfekte Zielscheibe abgebende) Pauly, der glaubt, die Torturen nicht mehr lange überstehen zu können, sowie die „unverbesserliche“ Sarah, die bereits jahrelang in Lake Harmony ist, ohne sich den brachialen Methoden auch nur einen Deut zu fügen, werden zumindest zu Vertrauten. Bald schon stellt sich die Frage, ob man alles weiter hinnehmen will – oder an Flucht denken sollte…

„Du bist verantwortlich für das, was du tust!“

Morton Rhue ist für viele Jugendthriller mit Message bekannt, die auch gut als Diskussionsgrundlage im Schulunterricht dienen können – sein bekanntestes Werk ist wahrscheinlich das auf wahren Begebenheiten beruhende Die Welle. So erhebt auch Bootcamp einen ähnlichen Anspruch (die erschütternde Info, dass auch solche Bootcamps für Jugendliche u.a. in den USA zuhauf wirklich existieren, spart sich Rhue fürs Nachwort auf). Die flüssig zu lesende, weder zu komplexe noch zu simple Sprache richtet sich ganz klar an Jugendliche, und die Spannung der Story hält einen in Atem, sodass man recht flott durch das Buch fliegt.

Dabei sind die zentralen Fragen durchaus für Jugendliche interessant und wichtig: ist es ausnahmslos richtig, Autoritätspersonen unhinterfragt zu gehorchen? Und was gehört dazu, sich nicht den eigenen Willen brechen zu lassen? Zwischen dem Martyrium der Jungen und Mädchen in Lake Harmony und der Frage, ob ihre Eltern wirklich wissen, was das Beste ist, oder vielleicht einfach nur den eigenen Ruf wahren und ihr Kind zu dem Verhalten verbiegen wollen, das sie von ihnen erwarten - notfalls mit Gewalt -, besteht ein allgegenwärtiges Spannungsverhältnis. Der Roman regt somit auch zum Nachdenken an über die Rechte, die Minderjährigen im Vergleich zu Erwachsenen abgesprochen werden, und ob es vertretbar ist, dass sie den Entscheidungen ihrer Eltern schutzlos ausgeliefert sind. Über die Unmenschlichkeit und Sinnlosigkeit von Folter kann man sich zwischen den Zeilen noch Gedanken machen. Bei einer derartigen Themenlage verwundert es nicht, dass das Buch am Ende einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.   

Leider bedient sich Rhue einiger Klischees, manches wirkt arg schwarz-weiß gedacht und plakativ. Auch Jugendlichen kann man da oft schon Vielschichtigeres zutrauen. Großer Pluspunkt ist die Zeichnung der Figuren, die überraschend gut gelungen ist. Besonders Connor ist aufgrund seiner Selbstlosigkeit für andere und seiner Intelligenz, mit der er Lake Harmony sofort durchschaut, ein Protagonist, mit dem man als Leser bereitwillig mitleidet, um sich im Nachgang auf die Denkanstöße, die das Buch zu bieten hat, einzulassen.

Fazit

Trotz aller Stärken mangelt es Boot Camp stellenweise ein wenig an Substanz. Auch verliert Rhue sich gelegentlich zu sehr in den Gewaltdarstellungen (dies wirft auch die Frage auf, ob „ab 14 Jahren“ wirklich angemessen ist). Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen unterhaltsamen und spannenden Jugendthriller, der wichtige Themen sehr bewusst anschneidet und damit sowohl als Unterrichtsmaterial als auch zum privaten Lesevergnügen zu empfehlen ist.

 

 

 

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