Numbers (1) - Den Tod im Blick

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Chicken House, 2009, Titel: 'Numbers', Originalausgabe

Couch-Wertung:

8

Leser-Wertung

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Almut Oetjen
Orte, die man nur im Buch aufsucht

Buch-Rezension von Almut Oetjen Aug 2010

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Orte, die man nur im Buch aufsucht"

Es heißt, die Augen seien das Fenster zur Seele. Jem trägt eine furchtbare Last mit sich. Sobald sie einem Menschen in die Augen schaut, bildet sich in ihrem Gehirn eine Folge aus drei Zahlen: das Datum seines Todes.
Die fünfzehnjährige Jem war sieben Jahre alt, als ihre heroinabhängige Mutter an einer Überdosis starb. Ihren Vater kennt sie nicht. In Pflegefamilien wurde sie durchgereicht und leidet darunter, dass ihr Leben kein Ziel hat.
Eine Hausaufgabe zum Thema "Mein schönster Tag" beendet sie mit den Worten: "Gelangweilt wie immer.(...) Zeit vergeudet. Gestern das Gleiche, aber vorbei ist vorbei. Morgen wird es vielleicht nie geben.Es gibt nur heute. Dies ist der schlimmste und schönste Tag."

Dann tritt Terry, genannt Spinne, in ihr Leben. Er ist ein blasser Junge, schwarz und 1,95 Meter groß. Sie ist weiß und anderthalb Meter groß. Ein auffälliges Paar. Spinne verbringt wenig Zeit im Unterricht. Jem weiß, dass seine Tage gezählt sind, er noch knapp drei Monate zu leben hat. Jem und Spinne haben Spaß in London, bis sie vor dem Riesenrad "London Eye" auf eine Menschengruppe treffen, in deren Augen Jem das heutige Datum sieht. Sie und Spinne verlassen den Ort fluchtartig, unmittelbar bevor eine Explosion das Riesenrad zerstört und viele Menschen zu Tode kommen. Die beiden werden von Überwachungskameras aufgenommen, geraten unter Terrorverdacht und werden über die Medien als "Zeugen" gesucht. Spinnes Großmutter Val erkennt die Besonderheit Jems, weil sie in der Lage ist, in Form von Farbmustern die Aura eines Menschen zu sehen. Jem mag Val und hätte gerne auch einen Menschen, der sie liebt und sich um sie sorgt. Spinne bewegt sich ständig am Rande der Illegalität. Irgendwann will er das große Geld, arbeitet als Drogen- und Geldkurier für einen Gangster. Seine letzte Geldlieferung behält er einfach als Starthilfe für ein neues Leben.
Auf der Flucht vor den Behörden und den Gangstern werden Spinne und Jem ein Liebespaar. Die Tatsache, dass Jem und wir Leser vom baldigen Tod Spinnes wissen, verleiht der Liebe zusätzliche Dramatik.

Der Blick auf die Ereignisse in Numbers ist konsequent Jems. Sie erzählt uns mit ihren Worten, oft schnodderig und rüde, wie sie die Welt um sich herum wahrnimmt. So unterschiedlich Jem und Spinne auf den ersten Blick wirken, so viele wichtige Gemeinsamkeiten haben sie. Beide wachsen ohne wirkliche Unterstützung und jemanden, dem sie vertrauen können, auf. Gegen innere Widerstände lernen sie, sich einander zu öffnen und zu vertrauen.

Bei einer Gelegenheit will Spinne wissen, was sein Schicksal ist. Jem verweigert ihm die Antwort. Später denkt Jem, die Zahlen seien sie und sie sei die Zahlen, fragt sich, ob die Zahlen ohne sie überhaupt existieren würden. Was ist die nahe liegende Folge einer solchen Überlegung? Wenn sie sich das Leben nimmt, werden dann all die Todesdaten der Menschen verschwinden?

Jem hat viele Fragen. Einige werden beantwortet, aber der Roman ist realistisch erzählt, weshalb am Ende Fragen offen bleiben. Jem ist zudem im Verlauf der Handlung gezwungen, mehr Menschen zu vertrauen, als sie je für möglich gehalten hätte. Dadurch lernt sie viel über sich, muss aber einen Preis zahlen.
Jem wird mit Unterstützung der Medien durch die Polizei gesucht und ist so etwas wie "Staatsfeindin Nummer 1". Wie hoch in einer derartigen Situation die Wahrscheinlichkeit ist, so vielen hilfsbereiten Erwachsenen zu begegnen, wie Jem gegen Ende des Romans das Glück hat, das mag jeder für sich entscheiden.

Zum Teil ist der Ausgang der Erzählung natürlich bekannt. Während des Lesens glaubt man oft zu wissen, was als nächstes passiert, wird dann aber doch vom Gang der Handlung überrascht. Numbers erzählt eine Geschichte, die in ihrem Verlauf eine Vielzahl von Richtungen einschlagen könnte und deshalb spannend bleibt. In Rachel Wards Debüt wird den beiden Hauptfiguren Spinne und Jem nichts geschenkt. Den Sinn ihres Lebens stellen sie häufig in Frage. Das Leben auszuhalten lohnt sich trotz allem, weil es das wichtigste ist, was sie haben.

In der Welt von Numbers gibt es das Schicksal und die Wahlmöglichkeiten. In dem Moment, in dem das Schicksal das Leben der Menschen bestimmt, haben sie nur noch eine eingebildete Wahlmöglichkeit. Wie sehr sie sich auch bemühen, es geschieht, was geschehen soll, und sie können allenfalls ein paar Kleinigkeiten beeinflussen. Aber um so mehr kommt es auf diese Kleinigkeiten an.

"Numbers" besteht aus 39 durchnummerierten, meist kürzeren Kapiteln und einen Abschnitt mit der Überschrift "Fünf Jahre später". Die 39 Kapitel erzählen eine in sich geschlossene düstere Geschichte. Das letzte Kapitel hat einen völlig anderen Ton und bringt für die Leserinnen und Leser, denen das alles zu dunkel ist, sehr viel Licht in die Erzählung.

FAZIT

Beim Lesen stellen sich pulsierende Spannung und in Momenten Langeweile ein, wenn manches zu sehr gedehnt wird. Die Nähe zu den Ereignissen erzeugt Rachel Ward insbesondere durch die Erzählerin, der wir gegenüberzusitzen glauben. Trotz mancher Schwächen ein lesenswerter Roman, der vor allem dadurch punktet, dass er eine weitgehend realistische Welt zeichnet, eine Großmutter vorweist, für die der Begriff "Political Correctness" ein Fremdwort ist, und die beiden Liebenden auf der Flucht nachvollziehbare Charaktere sind.

zum Hörbuch-Tipp

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