Die Masche Liebe

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "schöne neue Welt"

Dies ist die Geschichte von Nadie und Tom. Im Jahr 1586 bringen englische Kolonialisten die 14jährige Indianerin Nadie nach Plymouth. Dort verliebt sie sich in den jungen Schmied Tom. Hin- und hergerissen zwischen zwei Kulturen bleibt ihr schließlich nur eine Wahl: Sie muss zu ihrem Volk zurückkehren. Und Tom begleitet sie in ihre Heimat.
Doch die "neue Welt" entpuppt sich für die weißen Siedler als Hölle, und Nadie und Tom müssen sich trennen.

Tom und Nadie erzählen uns parallel ihre Geschichte. Anfangs fühlt man sich ein wenig an Pocahontas erinnert: Die indianische Lebensweise, die damalige Zeit, das Aufeinanderprallen zwei unterschiedlicher Kulturen. Man ist fasziniert und freundet man sich zudem überaus leicht mit Nadie und Tom an. Ihre langsam aufkeimenden Gefühle füreinander sind nachvollziehbar geschildert, obwohl der letzte Funke leider nicht überspringt.
Ein wenig verwundert es schon, wie leicht sich Nadie an die englische Lebensweise gewöhnt. Für Tom wäre sie sogar in England geblieben, obwohl sie als gute Tochter dem Grab ihrer Mutter Ehre erweisen müsste. Doch dann wird sie gezwungen, in ihre Heimat zurückzukehren, und Tom begleitet sie, mit einem völlig falschen Bild ihrer Heimat.

Faszinierend ist hier, dass Pauline Francis das Geheimnis der verschwundenen Roanoke Kolonie andeutet. Bis heute ist ungeklärt, was mit den Menschen geschehen ist - wahrscheinlich ein unbekannteres Rätsel der Geschichte, doch ähnlich faszinierend wie beispielsweise das Bermuda Dreieck oder die Prophezeiungen des Nostradamus.
Leider nimmt der Unterhaltungswert des Buches rapide ab, als Nadie und Tom sich trennen müssen. Natürlich ist interessant, was ihnen widerfährt, und natürlich erschreckend, nervenaufreibend und spannend, doch der Lesespaß will so recht nicht mehr aufkommen.
Während sich Pauline Francis anfangs eher auf ihre Hauptcharaktere Tom und Nadie konzentriert und diese mehr oder weniger frei in historische Begebenheiten einfügt, wirkt die genaue Darstellung der Ereignisse mitsamt seiner furchtbaren Seiten am Ende zu viel.
Nadie schien in England weniger bis gar keine Probleme gehabt zu haben, während Tom in ihrer Welt nur knapp überlebt.
Das Ungleichgewicht zwischen der Konzentration auf die historischen Kulisse und der Darstellung der intensiven Beziehung zwischen Nadie und Tom hat schließlich mehr und mehr irritiert.  

FAZIT

Die Kolonialisierung und das Leben der ersten Siedler in Amerika sind zweifelsohne spannende Themen, und eine Liebe, die die Grenzen zwischen zwei völlig unterschiedlichen Kulturen überwindet, ist ebenfalls sehr reizvoll. Pauline Francis bietet zwar ein unterhaltsames Buch, schafft es aber nicht, beiden Themen in gewünschter Tiefe gerecht zu werden.

Couch-Wertung:

8

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Corinna Abbassi-Götte
Prostitution aus Liebe?

Buch-Rezension von Corinna Abbassi-Götte Jun 2010

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Prostitution aus Liebe?"

Die 16jährige Kelly und die 15jährige Lisa sind beste Freundinnen, noch.
Ihre Freundschaft ist ein wenig merkwürdig, und so recht passen die beiden eigentlich nicht zusammen. Die 15jährige Lisa ist eher zurückhaltend und hat ein großes Problem damit, nicht so viel Geld zur Verfügung zu haben. Sie kann sich nicht wie die anderen in der Kantine etwas zu essen kaufen, und sie kann nicht regelmäßig shoppen gehen. Die 16jährige Kelly wirkt dagegen zwar ein wenig offener, doch durch ihren unterschwelligen Konkurrenzkampf zu Lisa ist sie nicht wirklich sympathisch. Bei der erstbesten Gelegenheit, ein wenig aus dem gesellschaftlichen Abseits zu treten, trifft sie sich mit der coolen Fatiha. Lisa ist zwar auch mit von der Partie, doch wie beeinflussbar und schwach die Mädchen sind, zeigt sich darin, wie leicht sie sich zum Stehlen animieren lassen. Adrenalin und Anerkennung für ihre Beute – zwei Dinge, die sie sonst nicht bekommen. Und die Krönung dieses prickelnden Tages ist Mo, ein 22jähriger überaus attraktiver Bekannter von Fatiha, der sofort ein Auge auf Lisa wirft.

Lisa fühlt sich geschmeichelt, Kelly ist eifersüchtig. Zwar macht Kelly der 30jährige Ramon Avancen, doch er ist ihr zu alt.
Teure Geschenke, Liebesschwüre, Aufmerksamkeit – Lisa verliebt sich Hals über Kopf und vergisst alles um sich herum, auch Kelly.
Natürlich spürt der Leser sofort, dass Mo nichts Gutes im Schilde führt. Er lacht über die Diebstähle der Mädchen, er hegt einen sehr lockeren Umgang mit Drogen, er versucht, Lisa gegen ihre Mutter aufzubringen. Und auch die heißen Liebesschwüre samt der Bezeichnungen "Meine Frau" oder "Meine Verlobte" wirken nicht liebevoll, sondern bedrängend. Er scheint Lisa jeglichen Freiraum zu nehmen und für sie zu bestimmen, was sie tun und lassen soll – und alles unter dem Deckmantel der Liebe.
Lisa genießt seine Aufmerksamkeiten, ihre Augen strahlen bei seinen Geschenken, sie ist glücklich.
Bisher begleitet man hauptsächlich Lisa, doch hin und wieder schwenkt der Fokus auf die eifersüchtige Kelly, den falschen Mo und den ebenso niederträchtigen Ramon.
Als deutlich wird, dass Kelly Mo ebenfalls attraktiv findet und an Ramon wirklich kein Interesse hat, schmieden die Männer einen neuen Plan: Mo fängt etwas mit Kelly an. Ziemlich stumpf spielt er nun die beiden Mädchen gegeneinander aus, gaukelt beiden die große Liebe vor und lügt dabei, bis sich die Balken biegen. Was äußerst bedauerlich ist: Er geht dabei nicht einmal sonderlich geschickt vor, sondern nutzt das mangelnde Selbstbewusstsein und die Naivität der beiden Mädchen gnadenlos aus. Und sie merken es nicht. Mo schafft es, ihre Freundschaft zu zerstören und sie von ihren Familien zu isolieren.
Äußerst detailliert beschreibt Helen Vreeswijk die vielen kleinen Schritte, die Lisa und Kelly schließlich ins Bordell und auf den Strich führen.

Loverboy – ein Ausdruck, der beim ersten Hören eher ein Stirnrunzeln hervorruft und vielleicht mit dem Begriff Macho gleichgesetzt wird. Doch ein Loverboy ist ein Mann, der einem Mädchen die große Liebe vorgaukelt, um es später zur Prostitution zu zwingen. Die große Gefahr dabei ist, dass das Mädchen, wenn es merkt, was mit ihm geschieht, schon zu tief im verbrecherischen Netz des Loverboys steckt. Und aus diesem Netz ist ein Entkommen fast unmöglich.

FAZIT

Helen Vreeswijk beweist auch in ihrem zweiten Roman, dass sie eine ausgezeichnete Autorin ist. Auch ohne das Wissen, dass sie durch ihre Tätigkeit als Kriminalbeamtin bei der niederländischen Kriminalpolizei ganz genau weiß, wovon sie schreibt, fällt sofort auf, dass diese Geschichte authentisch ist und als Beispiel für das Vorgehen eines sogenannten Loverboys ausgezeichnet funktioniert.

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