Splitter meiner Seele
- Thienemann
- Erschienen: Juni 2026
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Ein wichtiges Jugendbuch über psychische Gewalt und ihre dramatischen Folgen.
Wenn Zusa nachts im ZONE 1 hinter der Bar steht, fühlt sie sich stark und selbstbewusst. Hier kann ihr niemand wehtun. Aufdringliche Gäste weist sie selbstbewusst in die Schranken, für sexistische Sprüche gibt es ein Extra-Trinkgeld. Doch zuhause in der WG mit ihrer besten Freundin Neela und dem treuen Hund Nudel kommt unter der Perücke, dem Make-Up und der ausgefallenen Kleidung Zusanna, die Psychologiestudentin, hervor. Die junge Frau, die noch immer unter den Schikanen ihrer Mitschülerinnen von damals leidet, deren Narben nie verheilen wollen. Und immer, wenn Zusanna glaubt, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sie sich nicht mehr verstecken muss, wird sie doch wieder von allem eingeholt. Wer hätte auch damit rechnen können, dass ihr Ex-Freund Finn ausgerechnet mit Cleo zusammenkommt? Cleo, die ihr das Leben damals zu Hölle gemacht hat. Plötzlich prasseln die Erinnerungen an das Mobbing ohne Rücksicht auf Zusanna ein.
Vor Tjard möchte Zusa niemals zu Zusanna werden. Er darf ihre Verletzlichkeit nicht sehen, sondern nur die perfekte Barfrau aus dem ZONE 1. Doch ziemlich schnell wird Zusanna klar, dass ein Doppelleben nicht funktionieren kann. Nur wenn sie sich Tjard voll und ganz öffnet, ist eine ehrliche Beziehung möglich. Gemeinsam mit ihm sucht Zusanna schließlich nach Wegen, um Cleo für ihre Taten zur Verantwortung zu ziehen. Doch wie viele Rückschläge kann sie noch ertragen?
Toxische Freundschaft
Der zweite Jugendroman der jungen Autorin Danae Lake spielt in dem gleichen Setting mit teils bekannten Figuren wie der Vorgänger „Ganz aus Splittern“. So ist vielen Leserinnen und Lesern Tjard vermutlich noch als treuer Freund von Chrissy bekannt. Grundsätzlich können die beiden Bücher jedoch unabhängig voneinander gelesen werden. Inhaltlich geht es auch hier wieder um eine schwierige Kindheit und Jugend, wenn auch diesmal nicht im Familienkontext, sondern den Freundeskreis betreffend.
Manche mögen unter Mobbing vielleicht ein paar fiese Sprüche verstehen, doch in Zusannas Fall geht es um systematische Manipulation, psychische und körperliche Gewalt mit der Absicht, das Opfer zum totalen Zusammenbruch zu führen. In Rückblenden und Erinnerungen lässt die Protagonistin die Leserinnen und Leser teilhaben an Cleos gemeinen Kommentaren, intriganten Aktionen, durch die Zusanna stets in einem schlechten Licht dastand, bis hin zur eingefädelten Reanimation nach einem Freibadbesuch mit der Clique. Gaslighting pur, bis Zusanna keinen anderen Ausweg mehr gesehen und sich hinter der Maske von Zusa versteckt hat.
„Von diesem Tag an kam ich fast immer weinend nach Hause. Hatte Angst. Jeden Morgen, wenn der Wecker klingelte, hatte ich Angst.“
Zusanna macht in der Story eine enorme Entwicklung durch. Sie findet neues Selbstbewusstsein und eigene Stärke, um für sich selbst einzustehen und dem Mobbing durch Cleo etwas entgegenzusetzen. Meines Erachtens hätte Tjard in diesem Prozess weniger als Bad Boy skizziert werden können. In vielen Szenen wirkt Zusanna klein und schwach neben ihm, als könnte nur ihr Freund, der angehende Profi-Boxer, sie gegen den Rest der Welt verteidigen. Die Tatsache, dass sein erster Impuls meist ist, dem Gegenüber eine reinzuhauen, unterstreicht dieses klischeehafte Rollenbild. Gleichzeitig passt es auch nicht zu dem gutmütigen und empathischen Tjard, der unter dem Verlust seiner Schwester und den eigenen Schuldgefühlen so sehr leidet.
Abgesehen davon gewährt der Roman einen berührenden Einblick in Zusannas Gefühlswelt, ihre Selbstzweifel und die unbändige Hoffnung, endlich ein Leben ohne Angst zu führen. Ihre Geschichte zeigt die verheerenden Folgen psychischer Gewalt auf, welche für die Betroffenen meist ein Leben lang zu spüren sind.
Fazit
Toxische Freundschaften, Gaslighting, Mobbing - für so viele Opfer ist dies Alltag. Manchmal können sie es nicht so benennen, leiden im Stillen und für sich. Umso wichtiger sind Bücher wie dieses.



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