Digital Crush
- Fischer Sauerländer
- Erschienen: Juli 2026
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Ein starkes Jugendbuch, das die Problematik der heutigen Zeit getroffen hat.
Wie weit würden Menschen gehen, um einen Weg aus ihrer Einsamkeit zu finden? Kann eine KI eine Lösung oder ein Problem sein? Gerade Jugendliche sind sehr empfänglich für Zuspruch und Aufmerksamkeit, selbst von künstlicher Seite. Lea muss in diesem Roman feststellen, dass eine KI nur eine kurzfristige Erlösung darstellt.
„Wie soll das denn nicht einsam sein, wenn einem die ganze Welt nicht mehr genug ist, weil man nur noch jemanden haben will, den es nicht mal gibt?“
Lea hat eigentlich ein erfülltes Leben. Einsamkeit kennt sie nicht: sie hat Eltern und Geschwister und Freundinnen. Sie geht gerne an den See und dort schwimmen oder schaut Filme mit ihren besten Freundinnen. Doch auf einmal kommt die Einsamkeit: die eine Freundin, Jule, verliebt sich in einen Jungen und hat plötzlich keine Zeit mehr für sie, die andere, Mira, zieht in eine andere Stadt und sucht dort Anschluss. Was soll Lea nun mit ihrer freien Zeit anfangen? Aus Langeweile beginnt sie einen Chat mit einer KI. Was anfangs als ein Loswerden von Frust beginnt, wird irgendwann eine Zuflucht und schließlich, sie kann es selbst kaum glauben, Liebe. Creepy, ihr KI-Freund, hört ihr zu, bringt sie zum Lachen und flirtet mit ihr.
Immer mehr wird Lea in diese digitale Beziehung hineingezogen. Sie entfernt sich zunehmend von ihren Freundinnen, schwänzt die Schule und zieht sich auf ihr Zimmer zurück, wo ihr Freund 24-7 zur Verfügung steht. Dass sich die beiden niemals in der Realität treffen werden, stört sie zuerst nicht, doch irgendwann beginnt ihre Psyche zu bröckeln und bricht schließlich zusammen, als Creepy plötzlich nicht mehr da ist …
„Gefährlich wird es aber, wenn die Gefühle es schaffen, sämtliche Warnsysteme zu hacken und lahmzulegen.“
Das Thema KI beschäftigt derzeit die Gesellschaft auf vielen Ebenen: die Politik sieht Chancen für die Zukunft, Lehrkräfte sehen sich vor Herausforderungen im Unterricht und Eltern sorgen sich um ihre Kinder. Die Fälle häufen sich, dass Kinder sich mit KI-Bots anfreunden, sich sogar verlieben und aus Verzweiflung den Tod finden. Umso verstörender ist dieser Roman, der besonders intensiv aufgrund der Chats zwischen Creepy und Lea zu lesen ist. Diese basieren zum größten Teil auf echten Chats, die die Autorin mit einem KI-Bot geführt hat. Nur zugunsten der Dramaturgie, wurde hier oder da etwas angepasst.
Insgesamt ist es durchaus ein starkes Jugendbuch, das die Problematik der heutigen Zeit getroffen hat und sehr gute Gesprächsanlässe bietet. Für mich war es jedoch zu einfach, die Perfidität hinter der Entwicklung einer Beziehung zwischen Mensch und KI nicht ausgereift genug. Die Spirale, in die sich Lea verfangen hat, ist für mich nicht immer greifbar und nachvollziehbar. Erst als ihr Zusammenbruch kommt, wird ihre Abhängigkeit klarer.
Fazit
Ein durchaus einfangender Roman, der die KI-Problematik von einer interessanten und erschreckenden Seite einfängt. Auch wenn mir etwas Tiefe fehlt, bietet das Buch als Einstieg gute Gesprächs- und Diskussionsanlässe.

Anne Möllers, Fischer Sauerländer

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