Wenn die Bienen schweigen

  • dtv
  • Erschienen: Juli 2026
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Wenn die Bienen schweigen
Wenn die Bienen schweigen
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Julian Hübecker
7101

Jugendbuch-Couch Rezension vonJul 2026

Die Geschichte weckt eine fast vergessene Empörung über das Bienensterben, die so dringend nötig ist!

Ein dystopischer Gedanke: Was passiert mit der Gesellschaft, wenn es keine Bienen mehr gibt? Dieser Frage wird in dem Jugendroman „Wenn die Bienen schweigen“ nachgegangen. Wir begleiten dabei ein Mädchen, das ihrer Familie entrissen wird, um Apfelbäume zu bestäuben und dem vermeintlichen Allgemeinwohl zu dienen. Doch dieses Mädchen blickt hinter die Kulissen und zettelt eine Rebellion an.

„Die Welt endete Jahre, bevor es irgendjemand bemerkte, und es geschah in vollkommener Stille.“

Jess lebt in einer dystopischen Welt, in der die Welt am Abgrund steht: alles begann mit dem Verschwinden der Bienen. Es folgten Hungersnöte, Aussterben vieler Pflanzen- und Tierarten, Kriege um Ressourcen und schließlich die Abschottung von Staaten. In einer neuen Weltordnung werden die Mädchen gezwungen, Apfelbäume von Hand zu bestäuben, die in gigantischen Plantagen wachsen. Die Mädchen haben keine Freiheiten, bekommen ein kärgliches Mahl und einzig die Perspektive, ab ihrer ersten Periode verehelicht zu werden, um den Fortbestand der Menschheit zu sichern. Ihnen wird weisgemacht, für das große Wohl zu leben, für das sie wie alle anderen auch Opfer bringen müssen.

Jess‘ einziger Lichtblick ist ihre Freundin Cass. Sie erzählen sich gegenseitig Geschichten von früher, von ihren Leben vor dem Camp, immer mit der Angst im Nacken, eines Tages voneinander getrennt zu werden. Als Jess unverhofft Farbtuben in die Hand bekommt, beschließt sie ihren Frust und ihre Angst in Form eines Bildes an die Mauer des Camps zu pinseln. Nie hätte sie für möglich gehalten, dass sie damit einen Funken entfacht, der sich schließlich im ganzen Camp ausbreitet. Bald scheint die Bewegung größer zu sein als sie selbst und Jess muss sich fragen, ob sie mutig genug ist, um den Funken in einen Brand zu verwandeln…

Spannung baut sich langsam auf

Es ist nun schon ein paar Jahre her, dass das Verschwinden der Bienen große Wellen geschlagen hat. Seitdem hat die öffentliche Empörung merklich nachgelassen, obwohl insbesondere die Wildbienen stark im Rückgang begriffen sind. Noch viel erschreckender ist der Gedanke, dass in China bereits Obstbäume von Hand bestäubt werden müssen. Insofern ist die Geschichte von Caryl Lewis nicht aus der Luft gegriffen, wenngleich sich mir die Zusammenhänge des völligen Zusammenbruchs nicht ganz erschließen. Hier hätte ich mir in einem Nachwort mehr Aufklärung gewünscht.

Dennoch, die Lage ist ernst und in diesem Jugendbuch spannend verpackt. Der Campalltag ist sehr langweilig und eintönig, was man beim Lesen leider auch anfangs merkt. Daher kommt mehr Lesefluss zustande, als Jess den Zweifel unter den anderen Mädchen sät. Auch wenn es dann noch nicht direkt zu einer Rebellion kommt, baut es sich spannend auf. Schließlich kommt es zum ersehnten Zusammenbruch, der für mich jedoch zu offen gehalten wird.

Die Dynamik zwischen den Mädchen ist gut geschrieben. Es treffen Hoffnungen, Ängste und der unbedingte Wunsch, die eigene Lage zu verbessern, aufeinander und sorgen für Spannung. Man weiß nicht, wem man trauen kann, schließlich kann ein Wort zu viel zu Strafen führen. Zugegeben, vieles ist klischeebehaftet, aber durchaus nachvollziehbar in dieser grauen Welt ohne Perspektive. Jess selbst sticht nicht sonderlich hervor, zeigt aber einen aus ihrer Vergangenheit hervorgegangenen Mut, der die Rebellion erst möglich macht.

Fazit

Das Buch ist keine große Überraschung und neu erzählt ist die Geschichte auch nicht. Aber es weckt nochmal die fast vergessene Empörung über das Bienensterben, die so dringend nötig ist!

Wenn die Bienen schweigen

Caryl Lewis, dtv

Wenn die Bienen schweigen

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