Revenge

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Kathrin Walther
7101

Jugendbuch-Couch Rezension vonJul 2026

Durch Zeitsprünge und verschiedene Perspektiven bis zur letzten Seite spannend.

Auch wenn Sara und Liv auf eine Schule und sogar in dieselbe Stufe gehen, hatten sie bisher eher wenig miteinander zutun. Das ändert sich, als beide abends gemeinsam zu Zeugen eines versuchten Mordes werden. Ein maskierter Täter schießt auf den an der Kasse arbeitenden Vince, der gleichzeitig Saras Freund ist, und flüchtet anschließend. Nur durch das schnelle Eingreifen Livs kann Vince gerettet werden. Beide Mädchen haben keine Ahnung, was der Täter wollte, nur eins ist klar: Geld war es nicht, alles sieht nach einem persönlichen Motiv aus.

Doch was hat Vince zu verbergen und wer steckt noch mit drin? Ohne es zu wollen, gerät das bisherige Leben der beiden Mädchen durcheinander. Beide haben Geheimnisse, die sie vor der Polizei und vor der Außenwelt verbergen wollen, um ihre Familien zu schützen. Dass sie sich dabei selbst verdächtig machen, sorgt für weitere Schwierigkeiten. Vince (Ex-)Freundin Fiona, sein Freund Devin und auch sein Bruder Noah tauchen bei ihren Nachforschungen immer wieder auf und sorgen für Schwierigkeiten. Nachweisen lässt sich ihnen jedoch lange nichts. Dass ändert sich erst, als Liv eine Speicherkarte findet, die Videos mit schockierendem Inhalt zeigt. Schnell wird klar, für die Aufklärung des Verbrechens wird sie selbst auch Opfer bringen müssen. Werden sich die beiden Mädchen am Ende für eine Aufklärung der Tat entscheiden, auch wenn dies mit persönlichen Verlusten verbunden ist?

Ein Puzzle aus verschiedenen Perspektiven und Zeitsprüngen

Svenja Diels Geschichte ähnelt einem Puzzle. Nachdem das erste Teil die Ausgangslage der Handlung liefert, setzt sich die restliche Story Stück für Stück zusammen. Durch Rückblicke und unterschiedliche Perspektiven bekommt man als Leser immer wieder kleine „Häppchen“, die nach und nach Sinn ergeben und sich erst am Ende zu einem Ganzen zusammensetzen. Um zu wissen, wo und bei wem man sich gerade in der Geschichte befindet, beginnen die Kapitel sowohl mit dem Namen als auch dem Zeitpunkt, an dem die jeweilige Szene stattfindet. Auch wenn hauptsächlich zwischen den Sichtweisen von Sara und Liv gewechselt wird, kommt vereinzelt auch mal die Sicht von Vince, Devin, Leo oder dem unbekannten Täter, genannt „ER“ vor, was für noch mehr Spannung sorgt.

Die Zeitsprünge reichen von der Nacht, in der sich die Tat aufklärt, bis zurück zur Tatnacht, sechs Tage zuvor. Innerhalb dieser sechs Tage spielt die restliche Geschichte, in der Liv und Sara Stück eher unfreiwillig zu einem Team zusammenwachsen müssen. Im Nachhinein ein ziemlich cleverer Aufbau, wobei die vielen Zeitsprünge bei mir sehr lange für Verwirrung sorgten und es entsprechend dauerte, bis ich in die Geschichte hereinkam. Eventuell wäre ein Zeitstrahl am Anfang hilfreich gewesen, der für mehr Orientierung gesorgt hätte.

Interessante Charaktere, spannende Hintergründe

Vor allem die spannenden Charaktere regen zum Nachdenken an. Dadurch, dass man als Leser immer wieder verschiedene Perspektiven einnimmt, bekommt man tiefe Einblicke in das Leben der Figuren. Sieht man nach außen beispielsweise bei Liv eine strebsame Schülerinnen, merkt man in den Kapiteln, die aus ihrer Sicht erzählt werden schnell, dass es hinter der Fassade ganz anders aussieht und der Tod der Mutter vor einigen Jahren große Spuren in der Familie hinterlassen hat. Auch bei Sara herrscht nicht Happy Family, wie es nach außen mir ihrer stets adretten Mutter scheint, die viel Wert auf Schule legt und der die Außenwirkung der Familie sehr wichtig ist. Ähnlich sieht es bei Vince und seinem Bruder Noah aus. Zwar bekommt man schnell mit, dass er etwas zu verbergen hat, doch wird die Dimension des Ganzen erst am Ende aufgelöst.

Entsprechend enthält das Buch auch Trigger-Warnungen, die in diesem Fall auch absolut notwendig sind. Ohne an dieser Stelle näher auf den Inhalt eingehen zu wollen, sind die beschriebenen Szenen teilweise schon sehr verstörend, berücksichtigt man die Zielgruppe, die mit Jugendlichen ab 14 Jahren angegeben ist. Wer weiß, dass er mit manchen Themen nicht gut umgehen kann, sollte sich auf jeden Fall überlegen, ob das Buch passt. Gleichzeitig ist es lobenswert, dass das Buch auch unangenehme Themen anspricht, auf Gefahren aufmerksam macht und sie ins Bewusstsein der Jugendlichen rückt.  

Dass sich das Buch an Leserinnen und Leser ab 14 Jahren richtet, wird bei der Auflösung deutlich. Der Showdown wirkt etwas gewollt, das Ende kommt einem nach der vorangegangenen Story schon fast zu „happy“ vor. Etwas mehr Balance zwischen der Darstellung mancher Szenen und dem doch relativ harmonischen Ausgang wäre hier schön gewesen.

Fazit

Ein spannender Thriller, bei dem man durch seine interessanten Charaktere und seine abwechslungsreiche Story bis zum Ende nicht weiß, was genau passiert ist. Viele Zeitsprünge und Perspektivwechsel verleihen der Handlung Tiefe, gleichzeitig fällt es dadurch jedoch schwer in die Geschichte zu finden und einen Überblick über den Ablauf der Tat zu bekommen.

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