Falling Like Leaves
- Dragonfly
- Erscheint vsl.: August 2026


Ein bisschen zu zuckrig.
Die 17jährige Ellis ist stinksauer! Da wohnt sie im supercoolen New York, hat schon wichtige Praktika in Nachrichtenredaktionen absolviert und alsbald wird sie bestimmt an der Columbia University Journalismus studieren. Ganz genau so wie es ihr bewunderter Papa gemacht hat. Meine Güte – sie schafft es mittlerweile sogar, Kaviar bei eleganten Empfängen in sich reinzulöffeln, ohne dass das eklige Zeug direkt wieder… Naja. Und jetzt das!! Da eröffnen ihr ihre Eltern, dass sie mit ihrer Mutter zu einem Familienbesuch ins ländliche „Bramble Falls“ im beschaulichen Connecticut reisen soll. Natürlich kommt es noch schlimmer: Keiner scheint so richtig sagen zu wollen, wie lange sie auf dem platten Land bleiben wollen. Schneller als sie sich versieht, findet sich Ellis in der Kleinstadt wieder. Natürlich ist alles so richtig ätzend: Dieser winzige Ort, die popelige Schule, das viel zu kleine Haus ihrer Tante, in dem sie mit ihrer Mutter abgestiegen ist, und ihr doofes Zimmer unter dem Dach. Immerhin – die „recht einfachen, soliden Ureinwohner“ bemühen sich schon recht herzlich um sie, das muss man ehrlich zugeben. Da gibt es dann auch den gleichaltrigen Cooper, den sie bei früheren Besuchen sogar ein wenig „näher“ kennengelernt und von dem sie ihren allerersten Kuss bekommen hat. Zugegeben - Cooper ist schon ein wenig ein Lichtblick. Aber nur ein kleiner, denn Ellis weiß ganz genau, was sie will: Journalistik studieren an der Columbia-University und ihren Vater beeindrucken. Aber jetzt mal ehrlich – ist das wirklich ihr eigener Traum?
Zwischen altkluger Fassade und Gefühlschaos
Beim Lesen von Misty Wilsons Roman fällt es anfangs schwer zu glauben, dass Ellis erst 17 ist. Sie wirkt wie eine kleine, perfekt funktionierende Erwachsene auf glattem Parkett – Zeit für Spaß scheint in ihrem durchgetakteten Leben nicht vorgesehen zu sein. Doch genau hier liegt die Stärke der Geschichte: Es ist spannend zu beobachten, wie diese hart erarbeitete Fassade fernab von New York zu bröckeln beginnt. Die Ich-Erzählerin löst sich schrittweise und befreiend aus ihrem verfrühten Erwachsenendasein und darf endlich wieder Teenager sein.
Ein Setting wie eine warme Decke (mit einer Extraportion Zucker)
Für einen Ort, in dem eigentlich nichts los ist, zieht Misty Wilson alle Register. Das jährliche Herbstfestival in Bramble Falls scheint selbst den Kölner Karneval in den Schatten zu stellen. Mit all den Kuchen, Cookies und Pumpkin Spiced Lattes wird die Geschichte stellenweise fast ein wenig zu "klebrig" und süß. Wer jedoch eine hübsche Wohlfühl-Oase für graue Regentage sucht, wird genau diese Wärme lieben – auch wenn der Zuckergehalt manchmal schon etwas übertrieben ist.
Herzklopfen mit Hindernissen
Im Kern ist die Geschichte eine klassische "Second-Chance-Romance". Die Annäherung zwischen der hochfliegenden Ellis und dem bodenständigen Cooper ist schön erzählt. Es macht Spaß zu sehen, wie Ellis lernt, hinter den ersten Eindruck zu blicken und alte Hürden aus der Vergangenheit aus dem Weg zu räumen. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt jedoch die Figur des Vaters: Er wirkt in seinem emotionalen Abstand zur Familie etwas eindimensional und schablonenhaft gezeichnet. Irgendwie mag das aber nicht so recht zu seinem großen Einfluss auf seine Tochter passen.
Fazit
Misty Wilson liefert mit diesem Roman eine herzerwärmende Geschichte über Identität, Familie und die erste (oder zweite) große Liebe ab. Auch wenn manches ein bisschen zu dick aufgetragen ist und sich die Handlung wie eine fast zu warme Decke anfühlt: Für einen gemütlichen Nachmittag ist dieses Buch genau die richtige Portion "Süßes für die Seele".


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