Pepper

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Sabine Bongenberg
8101

Jugendbuch-Couch Rezension vonJun 2026

Wenn du mit deinem alten Rockervater in der WG wohnst…

Pepper, 17 Jahre alt und groß geworden in Hamburg, hat eigentlich nicht viel mit ihrem Namen gemeinsam. Denn eine „Pepper“ – so sollte man doch meinen – ist scharf, spritzig und witzig. Das alles kann oder mag Pepper aber nicht so recht sein. Ihr fehlt schlicht eine lebenswichtige Information: Wer ist ihr Vater? Klar, mit ihrer Mutter Jasmin hat sie ein gutes Verhältnis. Aber Jasmin hat nie Details über Peppers Erzeuger verraten, und so reibt sich Pepper, seitdem sie denken kann, mit der Suche nach ihm auf.

Doch plötzlich ändern sich die Dinge. Ihre Mutter rückt endlich mit dem Namen heraus und eine kurze Google-Suche bringt ein Knaller-Ergebnis: Peppers Erzeuger ist ein ehemaliger Rockstar! Okay – ganz bestimmt ist er nicht mit Mick Jagger von den Rolling Stones vergleichbar, aber eine gewisse Bekanntheit hatte er. Seinem alten Lifestyle ist er übrigens treu geblieben: Er wohnt noch immer mit seinen ehemaligen Bandkollegen in einer WG. Stellt sich die Frage: Wie kontaktiert Pepper ihn am besten, um ihn unauffällig kennenzulernen? Da öffnet sich ganz plötzlich eine ungeahnte Gelegenheit: In der Rocker-WG wird ein Zimmer frei und Pepper weiß sofort: Hier will sie einziehen! Inkognito natürlich, denn erst einmal möchte sie ihren alten Herrn ganz in Ruhe ausspionieren.

WG-Casting bei den Altrockern

Nils Mohl erzählt mit seiner manchmal widerborstigen Ich-Erzählerin Pepper eine berührende Geschichte über die Suche nach der eigenen Herkunft und dem Platz im Leben. Seine Heldin tut sich anfangs schwer damit, Vertrauen zu Menschen zu fassen – was sie selbst auf den fehlenden Vater zurückführt. Jetzt, wo er plötzlich auftaucht (auch wenn er selbst noch nichts von seinem Glück weiß), müsste doch eigentlich alles rundlaufen, oder? Doch gemeinsam mit Pepper müssen die Leser*innen feststellen, dass das Leben so nicht funktioniert. Selbst wenn ein wichtiges Puzzleteil wieder auftaucht, hängt das gesamte Liebes- und Lebensglück eben doch nicht nur an diesem einen Steinchen.

Mohl erzählt das alles herrlich humorvoll: So muss Pepper ein regelrechtes „Casting“ durchlaufen, um überhaupt in die Altherren-WG einziehen zu dürfen. Dabei wird sie vor allem daran gemessen, ob sie eine gute Party organisieren und feiern kann. Auch die Frage der Gefühle – egal ob zwischen alten oder jungen Menschen – wird sehr berührend angesprochen. Die Idee mit der Altherren-Rock-WG ist erfrischend skurril, und durch die Songtexte, die den einzelnen Kapiteln vorangestellt sind, erfährt man nebenbei viel über die fiktive Band.

Zwischen Coming-of-Age und Luxusproblemen

Gut gelaunt, manchmal witzig und oft berührend bedient Nils Mohl hier die klassische „Coming-of-Age-Sparte“. Seine Heldin muss sich in neue Richtungen entwickeln. Ihr Vater ist nicht mehr der große Unbekannte, er ist jetzt real – und dennoch lösen sich damit nicht wie durch ein Wunder alle Probleme in Luft auf. Pepper erkennt vielmehr, dass sie lernen muss, Menschen in ihr Leben zu lassen, Vertrauen aufzubauen und am Ende auch loszulassen.

Dennoch ist in diesem kurzweiligen Roman nicht alles perfekt gelungen. Manchmal nervte mich Peppers altkluge Art. Auch wie sie phasenweise mit ihrer Mutter umging, fand ich befremdlich. Immerhin hat Jasmin es geschafft, ihr Kind alleine durchzubringen und ihr eine tolle Kindheit zu bieten. Da hätte ich mir etwas mehr von dem Respekt gewünscht, den Pepper für sich selbst ganz selbstverständlich einfordert. Zudem tat ich mich mit einigen „Rich-Kid-Problemen“ schwer: Da wartet eine tolle Ausbildungsstelle in Paris auf Pepper, nach der sie nur greifen müsste – und sie verlängert lieber grundlos ihr Praktikum im Altenheim. Das wirkte doch arg konstruiert. Ebenso eigenartig und zu undeutlich blieb für mich die angedeutete Liebesgeschichte zwischen Pepper und ihrem Schützling August.

Fazit

Wenn du dich dein ganzes Leben nach einer Antwort gesehnt hast und sie plötzlich vor dir steht – ja, was dann? Ist dann alles gelöst, nichts geregelt, oder bleibt es am Ende doch einfach „kompliziert“? Nils Mohl erzählt eine lebendige, leicht eigenwillige Geschichte darüber, wie sich diese Fragen beantworten lassen. Für Jugendliche, die emotionale Geschichten mit einem Schuss Musik und WG-Feeling mögen, trotz kleinerer Längen absolut lesenswert!

Pepper

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