Ich in 100 Teilen
- Beltz & Gelberg
- Erschienen: Februar 2026
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Kurz und knapp, spannend und einfühlsam.
Rike findet das Leben einfach schwierig. Irgendwie scheint sie gar nicht in ihre Familie hineinzupassen: Alle sind sportlich, alle scheinen durch das Leben zu hüpfen, und Rike tut sich allein schon mit ein paar Liegestütz schwer. Sie würde gerne Klavier spielen – aber das könnte bestimmt keiner aus ihrer Familie verstehen, und so fragt sie erst gar nicht danach. Der einzige Lichtblick ist ihre beste Freundin Lena. Sie hält man tatsächlich ab und zu für Rikes Schwester, und die beiden teilen sich schwesterlich 45 Sommersprossen. Aber es kommt die absolute Katastrophe! Denn Lena zieht weg. Rike droht in ein ganz tiefes Loch zu stürzen. Doch dann passiert etwas Unerwartetes: Ein neuer Mitschüler kommt in ihre Klasse. Er heißt Nico, sein Leben ist auch nicht ganz einfach gewesen, und mit seiner Hilfe kann Rike endlich das eigenwillige Puzzle zusammensetzen, das ihr Leben ausmacht und das bisher kein stimmiges Bild ergeben wollte.
Sieht aus wie Lyrik – ist es aber nicht
Ich gebe zu, als ich Ulla Schuhs neuen Roman aufschlug, da war ich erst einmal enttäuscht. Rike, die hier als Ich-Erzählerin auftritt, verfasst die 100 Puzzlestücke ihres Lebens so, als wäre es ein Gedichtband. Das hatte ich nicht erwartet und wollte das Buch schon wieder weglegen. Aber hier kann ich allen nur sagen, die vermutlich genau das machen wollen oder schon gemacht haben: Dranbleiben, Leute! Es lohnt sich.
Rike erzählt so aus ihrem Leben, wie sie es vermutlich in ihr geliebtes Notizbuch eintragen würde. Das sieht ein bisschen aus wie Lyrik, ist aber tatsächlich ein Roman. Auf insgesamt 143 Seiten und bei viel „Luft“ auf jeder Seite fasst sich die Autorin aber extrem kurz. Jedes Wort muss daher sitzen und jeder Notizbucheintrag treibt die Handlung in einem Tempo weiter, auf das viele Krimis stolz sein könnten.
Warum sich Rike in ihrer Familie manchmal verloren fühlt
Kurz und knapp beschreibt Ulla Schuh ein spannendes, aber auch gefühlvolles Familiendrama, und ich kann nur empfehlen: Bitte lest nicht die Zusammenfassung auf der Rückseite, denn wenn man die nicht kennt, ist die Handlung des Romans noch einmal überraschender! Es ist aber auch so einfach fesselnd, wie Rike das Puzzle ihres Lebens ordnen kann, wie sich Missverständnisse beseitigen lassen und wie sie auch Verständnis für die besondere Situation und Entwicklung ihres neuen Klassekameraden erfährt. Hier muss ich allerdings auch sagen, dass ich mir zu dessen Leben ein bisschen mehr Information gewünscht hätte. Andererseits – es sind Rikes 100 Teile, die hier beschrieben werden, und vielleicht folgt Nicos Puzzle ja in einem späteren Roman.
Fazit
„Ich in 100 Teilen“ – es sieht aus wie ein Gedichtband, ist aber ein spannender Familienroman und mit einer knappen Geschichte erzählen Rikes 100 Teile vielleicht mehr als so mancher Roman auf 1000 Seiten.


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