Das Feuer vergessen wir nicht

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Sabine Bongenberg
8101

Jugendbuch-Couch Rezension vonMär 2026

Ein poetische Liebesgeschichte, die Funken schlägt.

Die 17-jährige Ari arbeitet als Vorleserin in einem Seniorenheim, um die angespannte Haushaltskasse ihrer Familie ein wenig aufzubessern. So richtig Spannendes passiert hier eigentlich nicht. Aber manchmal sind es kleine Sachen, die vieles bewegen können: Da ist beispielsweise die alte Frau Martin, die seit langem kein Wort mehr spricht. Aber es ist schon erstaunlich, dass sie sich von brennenden Streichhölzern magisch angezogen fühlt. Was hat es mit dieser Faszination auf sich? Dann ist da noch Flint, der auch im Seniorenheim arbeitet. Aber ganz so freiwillig scheint er das nicht zu machen. Was hat ihn hierhin gebracht? Aber was noch viel wichtiger ist, warum fühlt sich Ari von ihm so magisch angezogen? So richtig passen ihre Welten nämlich überhaupt nicht zusammen. Denn Ari lebt mit ihrer Mutter und ihrer schwangeren Schwester zusammen, und ihre beiden „Lieblingsmenschen“ Milan und Mirjam, die auch in ihrem Haus wohnen, geben sich bei ihr regelmäßig ein Stelldichein. Flint dagegen scheint ein Einzelgänger zu sein, der niemanden an seinem Leben teilhaben lässt. Warum alles am Ende doch zusammengehört und wie sich das Ganze auch noch mit dem großen Streik der Streichholzmädchen des Jahres 1888 verbindet, erzählt Sarah Jäger in einer poetischen Liebesgeschichte.

Zwischen Seniorenheim-Mief und historischen Funken

Stell dir einen Ort vor, an dem die Zeit stillzustehen scheint. Es riecht nach Desinfektionsmittel, es ist ein bisschen zu warm, und die Geschichten scheinen längst erzählt zu sein. Doch in Sarah Jägers neuem Roman ist das Seniorenheim alles andere als ein Abstellgleis. Hier begegnen wir der 17-jährigen Ari, die eigentlich nur ihr Taschengeld aufbessern will – und stattdessen über ein Geheimnis stolpert, das bis ins London des Jahres 1888 zurückreicht.

Im Zentrum steht die alte Frau Martin. Sie spricht kein Wort, doch ihre Augen leuchten auf, sobald ein Streichholz entzündet wird. Was verbindet diese alte Dame mit dem mutigen Streik der Londoner Streichholzmädchen? Sarah Jäger gelingt hier ein kleines Kunststück: Sie verwebt die triste Gegenwart des Heims mit einem fast vergessenen Stück Frauengeschichte. Ich gebe es zu: Vor diesem Buch wusste ich kaum etwas über diese mutigen jungen Frauen des 19. Jahrhunderts – danach musste ich sofort Google fragen, was es mit ihnen auf sich hatte. Ein Buch, das bildet, ohne belehrend zu sein!

Gegensätze ziehen sich an – oder doch nicht?

Und dann ist da Flint, der klassische Einzelgänger, der sich wie eine Festung verbarrikadiert. Er ist das genaue Gegenteil von Ari, die in einem liebevollen, fast chaotischen „Nest“ aus Mutter, schwangerer Schwester und ihren Dauer-Besuchern Milan und Mirjam lebt. Das Feuer spielt in ihrer Annäherung eine tragende Rolle – bis hin zu einer Wendung am Ende, die sogar die Erzählperspektive auf den Kopf stellt. Es ist berührend zu sehen, wie Flint langsam lernt, die Schutzschilde fallen zu lassen.

Wo das Feuer ein wenig flackert

Trotz der poetischen Sprache hatte ich an einer Stelle zu knabbern: der Liebesgeschichte. Während die Familienszenen – besonders die Vorfreude auf das ungeborene „kleine Wesen“ – einfühlsam und schön gezeichnet sind, blieb der Funke zwischen Ari und Flint für mich persönlich etwas blass. Mir fehlte dieser eine magische Moment, dieses „Knistern“, das erklärt, warum Ari ausgerechnet für diesen verschlossenen Typen Feuer und Flamme ist. Auch die ständigen Kuschelaktionen mit Milan und Mirjam waren mir einen Tick zu viel des Guten.

Fazit

„Am Feuer wärmen“ – das trifft es bei diesem Roman tatsächlich. Sarah Jäger hat auf nur 220 Seiten eine Geschichte geschaffen, die trotz kleiner Schwächen in der Romantik durch ihre historische Tiefe und die liebevollen Charaktere besticht. Wer Lust auf eine poetische Reise zwischen Alt und Jung und Gestern und Heute hat, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.

Das Feuer vergessen wir nicht

Sarah Jäger, Rowohlt Rotfuchs

Das Feuer vergessen wir nicht

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