Close Protection – Mein Herz in seiner Hand
- Edition Michael Fischer
- Erschienen: September 2025
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Das Märchen vom schönen, reichen Mädchen und seinem starken, wortkargen Bodyguard.
Auch wenn Daphne Green als Erbin von Greenway Discoveries ganz bestimmt mit dem goldenen – oder vielleicht sogar diamantenen – Löffel im Mund groß geworden ist, war ihr Leben doch nicht immer einfach. Ihre Mutter verstarb bei einem Badeunfall, und bis zum heutigen Tag plagen sie Albträume rund um diesen Tag. Dennoch: Daphne hat es gelernt, sich als stolze Vertreterin des großen Imperiums zu präsentieren. Nun aber gerät die schöne Fassade ins Wanken, denn eine brutale Verbrecherbande bedroht das Unternehmen ihres Vaters - und möglicherweise auch ihr Leben. Damit das aber verhindert werden kann, hat ihr alter Herr schon vorgesorgt und den Sonderermittler Milosh Petrov als persönlichen Polizisten und Bodyguard engagiert. Sein Auftrag ist es, Daphne in allen Lebenslagen zu beschützen. Dennoch hat aber sicherlich niemand erwartet, dass zwischen den beiden alsbald die Funken sprühen.
Die Heldin im pinken Abendkleid, der Held im schwarzen Battleoutfit
Seit dem berühmten Spielfilm „Bodyguard“ ist es sicherlich kein Geheimnis, dass der Bodyguard gerne zur Besetzung der männlichen Hauptrolle in romantischen Szenarien verpflichtet wird. Auch die US-amerikanische Autorin Eden Victoria lässt die reiche Daphne und den raubeinigen Milosh in dieser Konstellation aufeinandertreffen. Aber das Buch verspricht noch einiges mehr: Neben der BodyguardRomance wird RomanticSuspense, FakeDating, ForcedProximity und nicht zuletzt Hefallsfirst angekündigt. Natürlich kann ein so vollgepacktes Programm nur zu Lasten anderer Faktoren funktionieren, daher überrascht es nicht, dass die Helden und Heldinnen dieser Geschichte sehr einfach gezeichnet sind. Daphne und Milosh erzählen als Ich-Erzähler abwechselnd aus ihrem Leben. Sie ist die klassische wunderschön-und-reich-aber-trotzdem-total-nette Darstellerin, er der wortkarge Held mit den vielen Bauchmuskeln, der alles daran setzt, dass seiner Liebsten kein einziges Härchen gekrümmt werden kann. Hin und wieder trifft er dann auch auf finstere Bösewichte. Diese sind praktischerweise durch ein gemeinsames Tattoo zu erkennen, zeichnen sich insbesondere durch primitive Anspielungen gegenüber der Prinzessin aus, wissen dabei aber offenbar nie, wann es besser wäre, den Mund zu halten. Natürlich passt das ganz genau in eine Schablone – aber so viel Einfachheit ist doch irgendwie alles andere als prickelnd oder spannend. Ganz hübsch war aber immerhin der Farbschnitt des Romans, mit dem die erste Auflage des Buches versehen ist.
Das ist schon ungewöhnlich…
Neben der Liebesgeschichte soll aber auch die einer professionellen Tätigkeit – eben die des Bodyguardens – erzählt werden. Aber hier war doch schon einiges sehr eigenartig. Dazu gehörte, dass Milosh, der als professioneller Personenschützer oder auch als getarnter und besonders tüchtiger Ermittler bzw. „Special Agent“ in dem Haus der Greens seinen Dienst aufnimmt, sich aber sofort alles andere als professionell verhält. Denn die Tochter des Hauses mit Blicken zu verschlingen, das gehört ganz bestimmt nicht zu seinen Aufgaben. Befremdlich fand ich auch, dass dieses Verhalten durch viele Angestellte des Hauses auch noch gefördert wurde. Andererseits – offensichtlich war hier jeder im Haus mit jedem befreundet, und so schien es zwischen Auftraggebern und Angestellten sowieso keine Grenzen zu geben. Natürlich mag das in ein Märchen recht hübsch zusammenpassen, da das aber auf der „Zutatenliste“ nicht genannt wurde, blieb nur zu vermuten, dass dieser Aspekt eigentlich gar keine Rolle spielen sollte.
Als ganz daneben lasen sich die Verhörmethoden des „harten Helden“ Milosh. Wer einen Menschen durch das Brechen der Handknochen zu Aussagen „ermuntert“, der begeht schwere Folter, und die ist generell und durch die Konventionen der UN verboten (verboten VERBOTEN!). In diesem Hinblick schienen aber alle gemeinsam an einem Strang zu ziehen, denn selbst die untadelige und sanftmütige Heldin zuckte nicht mit einer Wimper, als das einem alten Freund aus Kindheitstagen wiederfuhr. „Das hätte er sich dann früher überlegen müssen…“ meint man sie fast sagen zu hören, und vielleicht mag das ja in einigen Ländern mittlerweile so üblich sein. Dennoch halte ich es in diesem Fall lieber mit der UN.
Fazit
Eden Victoria erzählt die Geschichte von der schönen reichen Prinzessin, die sich mit ihren Angestellten bestens versteht, überhaupt kein Problem damit hat, wenn ihren Feinden der Kopf abgeschlagen (symbolisch gesprochen) oder ihre Widersacher gefoltert werden (unsymbolisch gesprochen) und sich ansonsten in die starken Arme des finsteren Brummbären wirft. Wer das mag, der/die ist hier bestimmt richtig. Wer allerdings gerne ein bisschen mehr Realität hätte, der sollte vielleicht doch lieber zu Grimms Märchen greifen.

Eden Victoria, Edition Michael Fischer

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