Der dunkle Wächter

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Fischer, 1995, Titel: 'Las Luces De Septiembre', Originalausgabe

Couch-Wertung:

9

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Corinna Abbassi-Götte
ein unseliger Pakt, ein zarte Liebe, tödliche Gefahr

Buch-Rezension von Corinna Abbassi-Götte Mär 2010

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "ein unseliger Pakt, ein zarte Liebe, tödliche Gefahr"

"Der dunkle Wächter" beginnt mit einem Brief an Irene. Der Leser erfährt, dass im Sommer 1937 in einem kleinen Ort an der normannischen Küste etwas geschehen ist, das das Leben des Briefschreibers nachhaltig beeindruckt und geprägt hat. Von Cravenmoore ist die Rede, heute eine Ruine, doch das riesige Anwesen scheint Zentrum düsterer Ereignisse gewesen zu sein.
Und dann erfahren wir, was geschehen ist, in jenem genannten Sommer 1937 vor so vielen Jahren. Und wir erfahren, wer Irene ist.

Irene Sauvelle ist noch ein junges Mädchen. Ihr Vater ist gestorben, und das Geld der Familie wird langsam knapp. Als ihre Mutter Simone die Stelle der Haushälterin des Spielzeugfabrikanten Lazarus Jann an der normannischen Küste annimmt, wendet sich das Blatt. Irene, ihr Bruder Dorian und Simone ziehen in den kleinen Küstenort, in sie recht schnell in die Dorfgemeinschaft aufgenommen werden. Die Arbeit für Lazarus Jann ist leicht, entpuppt er sich doch als ruhiger, sympathischer Mann, der für Simone sogar zu einem Freund wird. Sein Anwesen übt eine große Faszination aus, denn es ist voller Spielzeug - technische, teilweise lebensgroße, menschlich wirkende Gebilde.  
Über das Hausmädchen Hannah lernt Irene den jungen Ismael kennen und verliebt sich.
Doch dann öffnet Hannah einen Flakon und setzt auf diese Weise einen mysteriösen Schatten frei, der sie jagt und tötet. Das Unheil nimmt seinen Lauf.
Schnell wird deutlich, dass die Sauvelles in tödlicher Gefahr schweben.

Carlos Ruiz Zafon versteht es ausgezeichnet, in nur wenigen Sätzen ein ganzes Leben zu erzählen. Daher hat man schnell das Gefühl, die Familie Sauvelle schon lange zu kennen. Gerade durch die Schicksalsschläge – der Tod des Vaters und die drohende Armut - freut man sich daher mit ihr über die einmalige Chance, an der normannischen Küste ein neues und wohlsituierteres Leben zu beginnen. Lazarus Jann wirkt harmlos und nett, und seine Begeisterung für technisches Spielzeug ist ansteckend. Und auch die Einwohner des Ortes sind genau so, wie man es von einem kleinen Ort, in dem jeder jeden kennt, erwartet. Eigentlich könnte alles schön sein, wäre da nicht die durch den einleitenden Brief entstandene Ahnung auf drohendes Unheil. Man fragt sich beständig, welcher Schatten über dem beschaulichen Fleckchen Erde liegt, und wann er hervorbricht.
Als das lebensfrohe Hausmädchen Hannah den Flakon in einem der verbotenen Zimmer von Cravenmoore öffnet und von einer furchtbaren Macht getötet wird, ist man nicht nur wegen des tragischen Verlust entsetzt, sondern sieht die Ahnungen bestätigt. Es hat also begonnen!
Carlos Ruiz Zafon weckt nicht nur den Anschein, dass etwas Böses umgeht, er lässt das Böse tatsächlich los. Doch es geht nicht um banale Monster, die den Ort unsicher machen, es geht um Verführung und um einen unseligen Pakt, um menschliche Geheimnisse und folgenschwere Fehler. Das Böse als Schatten ist schier unbesiegbar und tödlich. Er kommt, um das vor Jahrzehnten Versprochene einzufordern – nicht das erste Mal.
Zeitgleich taucht Irene durch ein altes Tagebuch immer weiter in das Leben einer gewissen Alma Maltisse ein, die vor vielen Jahren unter dem Leuchtturm im Meer ertrunken sein soll -  und von einem Schatten bedroht wurde. Was hat ihr Leben mit den düsteren Vorgängen auf Cravenmoore zu tun? Gibt es eine Verbindung? Und Lazarus Jann, ist er wirklich nett und freundlich? Warum gibt es Zimmer auf Cravenmoore, die nicht betreten werden dürfen?
Fragen über Fragen, die den Leser beschäftigen, bis das große Geheimnis schließlich gelüftet wird. Doch ein Aufatmen gibt es auch dann nicht.

Carlos Ruiz Zafons Schreibstil wird oft als poetisch und kraftvoll beschrieben: zurecht! Der grausigen Faszination der Ereignisse kann man sich kaum entziehen, und Grusel und Horror, Gefahr und Schrecken verursachen nicht nur Gänsehaut, sondern jagen einem das ein oder andere Mal auch wohlige Schauer über den Rücken.
Atempausen gibt es nicht, der Schrecken nimmt von Seite zu Seite zu, die tödliche Gefahr wird immer größer und recht schnell glaubt man, für sämtliche Personen gibt es keinen anderen Ausweg als den Tod. Nebenbei fragt man sich natürlich, woher der Schatten überhaupt gekommen ist. Diese Eröffnung ist schier unglaublich und führt den Leser weit in die Vergangenheit zurück.
Doch nicht nur die Herkunft des Schattens interessiert, vielmehr noch fragt man sich, was mit den Personen geschehen wird.
Was wird aus Irene, Ismael und ihrer Liebe? Was geschieht mit Lazarus Jann? Wird Simone überleben? Wie man es auch dreht und wendet, Carlos Ruiz Zafon weckt die Neugier des Lesers in wirklich jeder Hinsicht und verwöhnt ihn durch atmosphärischen Schreibstil!

FAZIT

In schauriger, unheilschwangerer Atmosphäre verknüpft Carlos Ruiz Zafon die Lebensgeschichten seiner Hauptpersonen, die sich in jenem schicksalhaften Sommer 1937 kreuzen. Dabei erzählt er in erster Linie eine romantische Gruselgeschichte von steigender Faszination, berührt jedoch durch die Mischung aus menschlichen Abgründen, tiefen Gefühlen, steigender Gefahr, schicksalsträchtigen Taten, tödlichen Geheimnissen, einem unseligen Pakt und einer zarten Sommerliebe.

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